Fünf Ferien mit Lerneffekt

Sprachreisen für Schüler: Yes, I can!

Englisch und Französisch lernen in den Ferien? Eine zwiespältige Sache. Viele Schüler sollten ihre Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren, aber ebenso dringend benötigen sie eine Pause vom Lernstress. Auf der Suche nach einem Kompromiss entdeckten fünf Familien coole Freizeiten mit Lerneffekt.

Sprachreisen für Jüngere: Große Vielfalt – ganz nah

"In die große weite Welt wollten unsere drei Kinder, zwischen elf und 15 Jahre alt, noch nicht – in die englische und französische Sprache eintauchen sollten sie trotzdem. Die ein- oder zweiwöchigen Sprachcamps von Berlitz für Sieben- bis 17-Jährige halten ein niedrigschwelliges Angebot in Deutschland parat: Bei mehr als 70 Standorten zwischen Nordsee und den Alpen und 300 Terminen in allen deutschen Ferien findet sich immer ein Camp in der Nähe. In den Tages- und Family-Camps sind auch jüngere Kinder gut aufgehoben. Mutigere wählen das Format "English 2 Go": Erlebnis­touren ohne feste Unterrichtszeiten, zum Beispiel zur Kulturinsel Einsiedel am östlichsten Punkt Deutschlands. 

Unsere Kinder haben sich für Übernachtungscamps am Starnberger See bei München und Ortenberg im Schwarzwald entschieden, um Englisch und Französisch zu lernen. Auch Spanisch ist im Angebot. In allen Camps gilt: Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen wird in der Fremdsprache gesprochen. Das klappt meist gut – auch dank der muttersprachlichen Betreuer, die rund um die Uhr für die Kids sorgen. In den Vormittagskursen motivieren sie die Kids mit Interviews, Rollen- und Sprachspielen zum Sprechen. Jugendliche mit besseren Sprachkenntnissen sind unserer Erfahrung nach aber unterfordert. 

Nachmittags wird das Ziel "Learning by speaking" bei Sport, Team­spielen, kreativen Workshops und Abendprogrammen weiterverfolgt. Das einhellige Fazit unserer Kinder: tolle Ferien, Freunde aus aller Welt, weniger Hemmungen, in der fremden Sprache zu sprechen, und große Lust, die nächs­ten Sprachurlaube in England, Spanien und Frankreich zu verbringen."

Famile Fuchs, Köln

  • Web: camps.berlitz.de
  • Preise: 285 bis 1.950 Euro – je nach Camp­format, Ort und Dauer; Geschwisterrabatt

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Sprachreisen für Zukunftsorientierte: Universitätsluft schnuppern

"Ein Ministudium in England? Wohnen wie Harry Potter? Felix, 16, war sofort Feuer und Flamme! Jahrhundertealte Colleges in Großbritannien lassen Schüler im Sommer Universitätsluft schnuppern. Unser Sohn entschied sich für einen zwei­wöchigen "Engineering"-Kurs in Cambridge mit der Organisation Reach Cambridge. Das Programm richtet sich an Teenager zwischen 14 und 18 Jahren, die schon gut bis sehr gut Englisch sprechen, gerne Neues lernen oder sich beruflich orientieren wollen. Englisch als Fremdsprache wird zwar gelehrt, spannender sind aber Angebote wie "Astronomy", "Politics", "Psychology" oder "Biotechnology"

Mittags stromern die Teens durch Cambridge, nachmittags stehen sportliche und kreative Aktivitäten auf dem Programm. Am Wochenende besuchen sie London, Oxford oder Bath. Zugegeben: Der Aufenthalt ist nicht billig. Aber aus unserer Sicht bietet die Summer School genau das richtige Maß an Selbstständigkeit und Betreuung für einen Jugendlichen, der zum ersten Mal allein ins Ausland reist. Die Lehrer unterrichten in Kleingruppen und orientieren sich bei den "lectures" an dem individuellen Niveau der Teilnehmer. Dabei berücksichtigen sie auch das Motivationsschreiben der Jugendlichen und das letzte Schulzeugnis, die mit der Anmeldung eingereicht werden müssen. Für Felix war die Erfahrung, sich selbstständig in dem akademischen Umfeld zurechtgefunden und Freunde gewonnen zu haben, sehr wichtig. Kurz vor dem Abitur steht auch sein Berufswunsch fest: Ingenieur." 

Familie Langer, München 

Sprachreisen für Computerspezialisten: Coding in Kent 

"Hannah begeistert sich für Computer und sprach als 15-Jährige passabel, aber ungern Englisch. Ein längerer Austausch kam für sie nicht infrage. Trotzdem wollte sie in sicherer Atmosphäre allein auf Reisen gehen. Die Coding- und Technik­kurse der englischen Summer School FunTech erwiesen sich als Volltreffer: Sie richten sich an englische und ausländische Schüler zwischen sieben und 16 Jahren.

Bei der Buchung hat uns die ­Schule von Anfang an unterstützt, Hannah wurde auf dem Londoner Flughafen Gatwick in Empfang genommen und sicher zur Schule in Tonbrige geleitet. Die Unterbringung in dem 400 Jahre alten englischen Jungeninternat Tonbridge School fand sie spannend. Gefallen hat ihr, dass sich die Tutoren sofort auf ihre Fähigkeiten in Java und Python einstellten und sie unterstützten, wo sie nur konnten. 

Wir haben positiv vermerkt, dass Handys dort nicht erwünscht waren und die Kids nachmittags viele Freizeit- und Sportangebote wahrnehmen konnten. Der Umgang mit den fast ausschließlich englischen Teilnehmern kam einem Austausch übrigens schon sehr nahe. Hannah kam weltoffener nach Hause. Für sie war nach dem Tech Summer Camp klarer denn je: "Ich mache später etwas mit Computern!"

Familie Sanders, Miltenberg

Sprachreisen für Naturverbundene: Irland mit Familienanschluss

"Unser Sohn Philipp, damals 15, sollte sich ein wenig von zu Hause lösen, eine andere Familie und neue Regeln kennenlernen. Englisch war uns nicht so wichtig, deshalb durfte er den Trip mit zwei Freunden unternehmen. Im Sommer 2015 bestiegen die drei das Flugzeug, das sie zur Asana School of English in dem kleinen Küstenort ­Cahersiveen im Südwesten Irlands bringen sollte. Elf- bis 18-Jährige aus aller Welt urlauben hier von Juni bis August, manche zwei, andere drei Wochen. Vormittags pauken sie Englisch, nachmittags profitieren sie von der Nähe zum Meer: Outdooraktivitäten wie Seekajakfahren, Klettern, Mountainbiken stehen auf dem Programm, aber auch Indoorsport, Theater- und Musikworkshops oder Kochkurse. 

Alle Teilnehmer wohnen bei Familien, Freunde werden bewusst getrennt untergebracht. Der Familienanschluss kann erfolgreich sein – muss aber nicht: Philipps Familie zum Beispiel bot ihm nicht mehr als Kost und Logis, Gemeinschaftsakti­vitäten gab es nicht. Sein Freund Felix dagegen verstand sich prächtig mit seinen Gasteltern, der Kontakt besteht bis heute. Das absolute Highlight für unseren Sohn war das Angeln auf offener See. Englisch hat er übrigens auch gelernt. Auf meine Frage, ob der Aufenthalt ihm etwas gebracht habe, antwortete er: "Und ob! Ich weiß hab jetzt richtig Vertrauen in meine Englischkenntnisse und jetzt, dass ich frei reden kann – und das richtig gut." 

Familie Springer, Neubiberg

Sprachreisen für die ganze Familie: Generationen-Mix im Internat

"Viele britische Eltern lassen ihre Kinder während der englischen Sommerferien von Mitte Juli bis Ende August in Tages- und Übernachtungscamps betreuen und können mancherorts auch selbst Kurse belegen: etwa in der Marlborough College Summer School – einem Internat, 50 Kilometer südwestlich von Oxford gelegen. Was nur wenige deutsche Eltern und Großeltern wissen: Auch ausländische Familien sind willkommen. 

Inmitten gleichaltriger Muttersprachler lernen Drei- bis 17-Jährige bei Urban Dance, Fechten, Artistik und in zahlreichen anderen Kursen die englische Sprache, ohne unter Paukstress zu leiden. Voraussetzung: Die Kids verstehen bereits einfache Anweisungen auf Englisch und sind in der Lage, den Betreuern Probleme zu melden. Unsere Tochter Kira, 13, war sechs Jahre alt, als sie zum ers­ten Mal die "Children’s Activities" für Sechs- bis Neunjährige besuchte. Anfangs hatte sie Angst, sich nicht verständigen zu können – dann fand sie es großartig! Die Betreuer kümmern sich liebevoll um die Jüngeren und wissen genau, mit welchen Aktivitäten sie ihre Schützlinge begeistern können. Die Kids bauten ein Floß, sie schlitterten auf einer Seifenrutsche und lernten Jonglieren. Kira freundete sich mit Alexandra aus London an und radebrechte bald fröhlich auf Englisch. 

Nachmittags trifft sich die Familie zur englischen Teatime, abends zum Dinner. Unsere beiden Teenager stromerten danach mit ihrer ­Clique bis spätabends über das weitläufige College­gelände. Gemeinsam kicken, in die Disco gehen oder sich zu einem der Grüppchen hocken, die überall auf den Wiesen verstreut sitzen: "Mit den Engländern kommt man total schnell ins Gespräch", erinnert sich unser Sohn Simon, 19. Der Mini-Auslands­aufenthalt ist ideal für Teenager, die vorsichtig testen wollen, ob ein längerer Austausch für sie infrage kommt.

Familie Stenger, Overath

  • Web: summerschool.co.uk
  • Preis: ca. 3.000 Euro/Woche für eine vierköpfige Familie (Kost, Logis und Kurse)

Hilfreiche Adressen für Schüler-Sprachreisen

  • Dachorganisation: Die British Activity Providers Association listet Anbieter von Tages- und Übernachtungscamps sowie Familien-­Aktivurlaub auf der Insel.
    thebapa.org.uk
  • Sprachvermittler: Der Beratungsservice Français en France vermittelt Sprachurlaube in ganz Frankreich, darunter auch internationale Sommercamps, in denen Franzosen und Teenager aus aller Welt den ganzen Tag über Fran­zösisch sprechen: bei Segeln und Reiten, Modedesign oder Tanzen.
    francaisenfrance.de
  • Pionier: Die Sprachschule Sotogrande Camps gehörte vor 20 Jahren zu den ersten in Spanien, die kombinierte Sprach-, Sport- und "Personal Skills"-Kurse für sechs- bis 16-jährige Spanier und Schüler aus aller Welt anboten.
    sotograndecamps.com

Autorin: Monika Holthoff-Stenger

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