Lerngruppe, Einzelunterricht oder digitale Lernplattform

Welche Nachhilfe ist die Beste?

Viele Kinder bekommen heute externe Unterstützung beim Lernen. Doch wie finden Eltern das passende Angebot? Tipps und Erklärungen von einer erfahrenen Nachhilfelehrerin.

Schon wieder eine schlechte Note in Mathe, Englisch oder einem anderen Hauptfach. Warum wird das nicht besser? So macht Schule doch keinen Spaß! Wenn Schüler sich Mühe geben, aber ihre Noten­ziele einfach nicht erreichen, kann sie das sehr frustrieren. Oft wissen auch die Eltern zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, wie sie ihrem Kind noch helfen sollen. Das Thema Schule trägt dann nur noch Stress in die Familie. 

Die Lösung für dieses Problem ist in vielen Fällen externe Hilfe. Das kann die ältere Schülerin sein, die dem Kind bei den Mathehausaufgaben hilft, der erfahrene Nachhilfelehrer, der mit ihm gezielt Lerntechniken einübt, oder die Lernplattform im Internet, auf der die passenden Übungen zum Schulstoff angeboten werden. 

Doch wie finden Eltern die richtige Nachhilfe für ihr Kind? Was spricht für die eine, was für die andere Form? Hier ist ein Überblick:

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Nachhilfeschulen – lernen in Gruppen

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Professionelle Nachhilfeschulen gibt es in Deutschland flächendeckend in fast jeder Stadt, für jeden Geschmack und Geldbeutel: Dort lernen Schüler in größeren oder kleineren Gruppen, meistens mit einem breiten Fächerangebot, sodass auch Hilfe in mehreren Fächern möglich ist. Langjährig etablierte Nachhilfeinstitute wie Schülerhilfe oder Studienkreis verfügen oft darüber hinaus über eigene Lernmaterialien, die altersgerecht und modern gestaltet sind. Hier kommt es darauf an, ob dem Kind das Lernen in der Gruppe liegt oder nicht. Kind und Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Nachhilfelehrer allen Teilnehmern gleichermaßen und damit nur zeitlich begrenzt für Einzelfragen zur Verfügung steht. 

Gute Nachhilfeinstitute erkennt man daran, dass sie einen ständigen und engen Kontakt mit Schülern, Eltern und auf Wunsch auch mit den Fachlehrern in der Schule pflegen. Verantwortungsvolle Nachhilfeschulen überprüfen unentschuldigte Abwesenheitszeiten, auch zum Schutz der Kinder, und sprechen mit den Eltern Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder an, wenn sie der Auslöser für Lernschwierigkeiten sein können. Für viele Kinder ist diese Art von Nachhilfe ein Stück Ersatzfamilie am Nachmittag, weil beide Eltern voll berufstätig sind. Ein guter Nachhilfelehrer ist in dieser Situation auch Vertrauensperson mit dem gebührenden Mindestabstand, manchmal sogar ein echter Freund.

Einzelnachhilfe – ein Lehrer ganz allein für mich

In den mehr als 30 Jahren eigener Nachhilfetätigkeit bin ich sicherlich zu 75 Prozent Einzellehrerin gewesen. Das war und ist für mich optimal, weil ich mich voll und ganz auf den einzelnen Schüler und seine Fragen, Wünsche, Probleme mit dem Lehrer etc. einstellen kann. Aber für den Nachhilfeschüler oder die -schülerin ist das nicht unbedingt immer schön: Das Kind kann sich nicht wegducken vor schwierigen Aufgaben, intensiven Wiederholungen und strenger Kritik, und es ist mir völlig ausgeliefert. 

Also gilt auch hier: Das ist Typsache. Wenn ich als Schülerin einen Nachhilfelehrer 60 Minuten oder länger mit jeder Frage bombardieren möchte und er sich mit Haut und Haaren nur auf mich und meine Pro­bleme einstellen soll, dann ist der Einzelnachhilfelehrer der Richtige. Meine Schüler sind nach einer 60-minütigen Nachhilfestunde oft ziemlich gesättigt. Solange sie mir aber beim nächsten Termin noch die Tür öffnen, ist alles gut.

Förderunterricht oder Gruppe – noch mehr lernen in der Schule

Viele Schulen aller Arten bieten für lernschwächere Schüler bei Bedarf Extraunterricht an, meistens in Fördergruppen am Nachmittag. In manchen Bundesländern ist das sogar vom Ministerium vorgegeben. Die Schule als räumliches und soziales Umfeld zieht sich für den Schüler demnach bis in den Nachmittag. Wirklich abschalten und zur Ruhe kommen kann die oder der Betroffene dann erst relativ spät am Tag zu Hause. Ob dieser lange Schultag für Grundschüler oder Fünft- und Sechstklässler ratsam und vor allem effektiv ist, sollte der Familienrat genau abwägen.

Private Lerngruppe mit Freunden – echte Freunde halten zusammen

Der Plan: Wir treffen uns nach der Schule einfach nachmittags bei einem der Freunde zu Hause und lernen zusammen für die nächste Klassen­arbeit. Das macht Spaß und ist auch gemütlicher, als noch zu irgendeinem Nachhilfeinstitut fahren zu müssen. Doch leichter gesagt als getan: Je nach Altersgruppe und Lernehrgeiz kann das Treffen leicht in Richtung Party oder Computerspiele abdriften. Erfolg ist möglich, wenn ein Zeitplan, Ehrgeiz bei allen Beteiligten und ein bisschen elterliche Kontrolle vorhanden sind. Musteraufgaben inklusive Lösungen kann man sich neben den Schulmaterialien auch im Internet kostenlos herunterladen, mittlerweile für fast jeden Schultyp und jedes Fach. 

Manche Eltern verweisen die jüngeren Kinder bei Lernschwierigkeiten auch an die älteren Geschwister. Diese Idee kann funktionieren, insbesondere dann, wenn die älteren Geschwister auf derselben Schule sind und bestenfalls sogar den gleichen Lehrer hatten. Kürzere Wege zur Nachhilfe gibt es kaum. Psychologisch gesehen lassen sich jüngere Kinder von älteren Geschwistern auch eher helfen als von Vater oder Mutter. Einziger Knackpunkt: Die Autorität ist doch etwas geringer. 

Aus eigener Erfahrung kenne ich das so: Auch einer meiner Brüder hatte in der Mittelstufe ein kleines Mathe­problem, das zu einer Vier in der Klassenarbeit führte. Die Ampel stand für ihn auf Dunkelrot: Alarm, das geht überhaupt gar nicht. Erstens waren gute Mathenoten in meiner Familie eine Frage der Ehre. Und zweitens wollte mein Bruder neben seinen Schwestern nicht als Depp dastehen. Über bezahlte Nachhilfe dachten wir nicht einmal nach, weil dafür
einfach kein Geld da war.
Also hieß es für meinen Bruder: Lernen mit der älteren Schwester. Das haben wir dann auch durchgezogen. Tatsächlich wurde die nächste Arbeit schlagartig besser, und seine Mathenoten wurden auch nie wieder wirklich schlecht. Wahrscheinlich weil mein Bruder von mir die Nase so richtig voll hatte und eine Wiederholung der Sonderbehandlung um alles auf der Welt vermeiden wollte. Der positive Effekt: Er hat es fortan vorgezogen, sich selbst zu helfen, den Lehrer oder Klassenkameraden bei Verständnisschwierigkeiten einfach noch einmal gefragt und am Ende dann sogar Mathe und Physik als Leistungskurse im Abitur mit Bravour gemeistert.

Online-Lernplattform – spielerisch mit neuen Medien

Das Internet und seine Selbstlernmöglichkeiten sind eine ideale Ergänzung zu den vorhandenen Schulmaterialien. Von Online-Tests mit Punktesystemen und Fehleranalyse bis zu Musterklausuren mit Lösungen für verschiedene Bundesländer und Schultypen ist alles dabei. Auch für Sportliche oder Spielverliebte sind diese Angebote als Abwechslung zu so manch verhasstem Schulbuch attraktiv: Wie wäre es mit der Simulation einer Mathearbeit mit 45-Minuten-Stoppuhr, und danach zeigt mir das Programm an, wie ich als Schüler im Ernstfall abgeschnitten hätte? Das kann richtig Spaß machen.

Fazit

Natürlich kann auch die Mutter oder der Vater über­gangs­wei­se als Nachhilfelehrkraft einspringen. Mein eigener Vater hat sich nach seinem langen, anstrengenden Arbeitstag noch nach dem Abendessen mit mir an schwierige Physikaufgaben gesetzt und so lange rumgerechnet, probiert, getan und gemacht, bis uns beiden fast die Augen zufielen und meine Mutter uns ins Bett schickte. Das hat mir leidgetan für meinen Dad, es hat an meinem Stolz genagt, dass ich ihn einspannen musste, und in mir den Ehrgeiz geweckt, selbst meine Pro­bleme zu lösen.

Nachhilfe sollte immer nur eine Übergangslösung für temporäre schulische Probleme sein, aber keine Dauerbegleitung bis ans Ende aller Schultage. Das Kind darf sich in der Schule nicht faul zurücklehnen, nach dem Motto: "Warum soll ich jetzt aufpassen? Das kann mir die Nachhilfelehrerin ja heute Nachmittag noch mal genau erklären." 
Kleiner Tipp von jemandem, der erst im Studium gelernt hat, dass Lernen in der Gruppe motivierend sein kann: Wenn’s schnell gehen soll, dann zwei bis drei Freunde aus der Klasse zusammentrommeln und mit straff organisiertem Zeitplan gemeinsam Übungen und Musterklausuren plus Lösungen durcharbeiten. Das klappt aber nur, wenn alle Beteiligten den ernsten Willen zur Arbeit haben. Der Vorteil liegt auf der Hand: Geld und Zeit gespart. Vor Freunden will man sich meistens auch nicht durch Unwissenheit blamieren – aber man traut sich, auch mal eine blöde Frage zu stellen.

Autorin: Nicole Rademacher

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