Rückblick auf die Schulzeit

Louis Hofmann: "Ich war ein ganz guter Schüler"

Der Schauspieler und Synchronsprecher Louis Hofmann über seine ersten Rollen beim Film, schlechte mündliche Noten und wie die Schule ihm trotzdem neue Wege eröffnet hat.

Herr Hofmann, die meisten Film- und Serienfans kennen Sie in nachdenklichen, tiefsinnigen, fast zerbrechlichen Rollen. Nun synchronisieren Sie im Film "Die Heinzels" den lautstarken und fast hektischen Zwerg Kipp. Hat es Sie gereizt, auch mal ganz anders sein zu dürfen?

Tatsächlich durfte ich viel schreien, quietschen und Quatsch machen, dazu habe ich erstaunlich viel mit den Armen gefuchtelt – das passiert einfach ganz von alleine, denn das reine Sprechen ist ungewohnt. Man versucht, seiner Stimme automatisch mit übertriebener Körpersprache mehr Wumms zu geben. Es ist viel schwerer, das auszudrücken, was man sonst mit bloßer Mimik schafft. Eine ganz neue Herausforderung für mich, mal in so eine überhebliche und auf­müpfige Figur zu schlüpfen. Das entspricht so gar nicht meinem eigenen Charakter.

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Sie standen bereits als Neunjähriger vor der Kamera. Das verändert eine Kindheit sicherlich sehr, oder?

Auf jeden Fall, aber es war immer mein persönlicher, ganz eigener Wunsch. Meine Eltern standen meiner Filmkarriere eher skeptisch gegenüber. Sie haben mich zwar unterstützt, aber immer alles kritisch beäugt. Dafür bin ich ihnen ­heute sehr dankbar, denn sie haben mir auch die Risiken gezeigt und niemals meine Karriere in irgendeiner Weise befeuert. Ich hatte also immer das Gefühl, mich für die Schauspielerei – aber auch für einen anderen Weg – entscheiden zu dürfen. 

Waren Ihre Eltern oft am Set dabei?

Ein einziges Mal haben mich meine Eltern beim Dreh von "Tom Sawyer" in Bukarest besucht, ich habe sie aber gleich wieder heim­geschickt. 

Wieso das?

Ich spielte plötzlich ganz anders, verkrampft und unnatürlich. So habe ich sie gebeten, wieder zu gehen. Ich wusste aber immer, dass sie mir das niemals übel nehmen und trotzdem stolz sind auf das, was ich da tue.

Stand für Sie schnell fest, dass Sie die Schauspielerei zu Ihrem Beruf machen wollen?

Nein, gar nicht. Ich erinnere mich an lange Diskussionen mit meinen Eltern, in denen wir überlegten, was ich werden sollte: Schauspieler, Psychologe, auch Kunst stand zur Debatte oder etwas ganz anderes. Aber nun bin ich die Hälfte meines Lebens schon beim Film, es ist einfach meine absolute Leidenschaft. Mit etwa 18 Jahren wusste ich, dass ich nur diesen Beruf ausüben will. 

Sie haben ja sicherlich viel gefehlt in der Schule während der Drehphasen. Hatten Sie die Unterstützung der Lehrer?

Nicht immer. Manche Lehrer haben interessiert nachgefragt, wenn ich von den Dreharbeiten zurück in die Schule kam, oder sagten sogar, dass sie stolz sind, wie ich das so gut hinbekäme. Andere hingegen haben mich spüren lassen, dass sie nicht mochten, was ich tat. Ein Lehrer sagte sogar einmal, er fände es "respektlos". Es fiel ab und zu auch der Spruch: Louis, sei leise, wir sind hier doch nicht am Set. Als ob es am Set laut zugehen würde … 

Sie wollten aber doch wahrscheinlich ein ganz normaler Schüler sein?

Ja, ich wollte immer behandelt werden wie alle anderen Schüler: Ich wollte Quatsch machen und genauso bestraft werden wie meine Klassenkameraden.

Wirkten sich eigentlich Ihre Fehltage auf Ihre Noten aus?

Manche Lehrer sagten mir am Jahresende, dass es ihnen nicht möglich gewesen wäre, mir eine mündliche Note zu geben. Dann bekam ich meist eine schlechte. Dennoch war ich eigentlich immer ein ganz guter Schüler – ich nenne es "Hybridschüler": Wenn mich etwas interessierte, dann arbeitete ich mit – wenn nicht, dann schaltete ich ab.

Was ist das Wichtigste, was Sie aus der Schule mitgenommen haben?

Sie hat mir neue Wege eröffnet und mich auf Themen gestoßen, die ich vorher nicht gesehen habe. Mein Deutschlehrer hat mich für Philo­sophie begeistert. Das fand ich ­damals total schön, dass sein Unterricht über den Lehrplan hinausging.

Louis Hofmann (22) ist ein vielbeachteter Schauspieler. Man kennt ihn aus Filmen wie "Tom Sawyer", "Prelúde" und "Die Deutschstunde". Sein international größter Erfolg ist seine Rolle als Jonas Kahnwald in der Netflix-Serie "Dark". Im Kinofilm "Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen" spricht er die Figur des draufgängerischen Kipp (ab 30. Januar 2020 im Kino).

Interview: Kathrin Schwarze-Reiter

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