Corona-Pandemie

Maskenpflicht im Unterricht – für Kinder ein Problem?

Der extreme Anstieg der Neuinfektionen verpflichtet auch Grundschüler in einigen Bundesländern zur Maskenpflicht im Unterricht. Für viele Eltern ein Grund zur Sorge. Wie stark leiden Körper und Seele unter dem Atemschutz?

Es ist soweit: die stark steigenden Infektionszahlen der Corona-Pandemie in Regionen mit über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verlangen, dass selbst Grundschüler im Unterricht einen Mund-Nasenschutz tragen müssen. Unzumutbar, finden die einen. Meist die Eltern der betroffenen Kinder. Dass Kinder unter der Maske gesundheitliche Probleme bekommen, ist jedoch inzwischen vom Tisch. Auch beim längeren Tragen gängiger, gasdurchlässiger Alltagsmasken können gesunde Kinder keine Sauerstoffprobleme bekommen. Das bestätigen Ärzte der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Auch, dass Kinder mit Maske Borkenflechten oder Pilzerkrankungen der Lunge entwickeln oder unbemerkt versterben können, ist widerlegt. Solche Meldungen aus den Sozialen Medien sind reine Fake-News und halten keinem Faktencheck stand.

Maskenpflicht macht Sorgen um das Kindeswohl

Doch es gibt noch andere Sorgen der Eltern. Etwa solche, ihr Kind leide fürchterlich unter der Vermummung der anderen und sich selbst. Mamas und Papas, die Maskenpflicht für Kinder als "unnötige Gängelei" bezeichnen. In Bayern wurde von einem Vater bereits beim Verwaltungsgericht Klage "wegen Unverhältnismäßigkeit" eingereicht, weil die Tochter, eine Erstklässlerin, zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet wurde. Andere Eltern beschweren sich über die Bedrohungslage, da sich ihre Kinder aufgrund der Masken nun schon "gegenseitig als Gefahr" sehen würden.

Mentale Akzeptanz durch Vorbilder

Dr. Burkhard Rodeck vom DGKJ betont die Wichtigkeit der mentalen Akzeptanz, die Maske als notwendige Alltagssituation anzuerkennen. Für Kinder heißt das, dass die Eltern ein entsprechendes Vorbild sein müssen. Je normaler sie das Maskentragen vormachen, desto natürlicher wird es auch für die Kinder sein. Leben Eltern die Maske als Belastung vor, wird der Nachwuchs sie als ebensolche empfinden und viel eher über Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme klagen. Wird die Maske selbstverständlich eingesetzt und wenig thematisiert, wird sie akzeptiert und ihre Berechtigung im Alltag finden.

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Was empfinden die Kinder wirklich?

Fragt man Grundschulkinder selber, wie sie das Tragen von Maske finden, erntet man nicht gerade Begeisterungsstürme. Jedoch wirken die Kleinen auch keineswegs traumatisiert. "Nicht so toll, weil man die Gesichter der anderen nicht richtig sieht, aber muss ja sein", beurteilt die Achtjährige Lara die Auflage. Erstklässler Tim findet sie bunten "Schnutenpullis" sogar "ziemlich lustig", obwohl er weiß, wofür sie gut sind.

Jedenfalls wirken die Kinder im Gegensatz zu vielen Eltern nicht besorgt. Auch Psychologen schätzen das Verhalten von Grundschülern mit Maske als unbekümmert ein. Das Tragen von Masken durch sich selbst sowie andere lässt sie unbeeindruckt. Da alle es tun müssen und sie die Notwendigkeit sehen, wird die Maske im Alltag völlig normal. Das feine kindliche Gespür zeigt ihnen die Stimmung der Menschen, die ihnen gegenüberstehen. Und wird die Maske von den anderen und vor allem von den Eltern nicht dramatisiert, lässt sich sehr wohl gut damit leben.

Maske tragen stärkt das Zugehörigkeitsgefühl

Ähnlich wie die Eltern fungieren auch die Lehrer als Vorbild. In der Schule tragen sie Maske und erklären den Schulkindern die Notwendigkeit dahinter. Das sowie die Einheit in der Klasse wird ihre Bereitschaft zum Maskentragen unterstützen. Alle sitzen im selben Boot. Doch die Maske gibt nicht den Ausschlag für die Interaktion in der Gruppe. Wenn alle den gleichen Regeln unterliegen, wird kein Schüler seinen Mitschüler mit Maske als Bedrohung empfinden. Kinder können ihr Selbstwert- und Solidaritätsgefühl am besten in der Gruppe entwickeln. Sie fühlen sich zugehörig und akzeptiert, wenn sie das tun können, was die anderen auch machen. Ähnlich wie beim Sammeln von Panini-Bildern. Ihr Zugehörigkeitsgefühl in der Klasse ist ihnen besonders wichtig, daher ist es normalerweise gegen ihre Natur, sich selbst durch ihr Verhalten auszugrenzen. Gut aufgeklärt ist schon Grundschülern klar, dass sie mit ihrem konsequenten Tragen der Masken andere Schwächere wie z.B. ihre geliebte Omi schützen können.

Kinder passen sich schnell an

Kinder sind erfahrungsgemäß anpassungsfähig und können sich vergleichsweise schnell an neue Situationen und Rituale gewöhnen. Gerade Grundschüler lernen viel Neues in der Schule, das im Handumdrehen zum Alltag wird. So auch die Maske. Jedoch ist es für die Kleinen viel schlimmer, durch einen Corona-Ausbruch in der Parallelklasse vorübergehend nicht in die Schule zu dürfen als einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. So können sie wenigstens ihren Mitschülern und Freunden täglich begegnen und eine gewisse Alltagsroutine beibehalten. In Hochzeiten von Corona sind diese Kontakte für Kinder besonders viel wert. Dafür legen sie sich gerne ins Zeug – wenn auch maskiert.

Ist die seelische Gesundheit in Gefahr?

Psychologen sind sich sicher: das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in der Pandemie kann nicht allein dafür verantwortlich sein, dass die kindliche Seele leidet. So viel Einfluss hat sie nicht. Wenn es zu Irritationen im psychischen Empfinden der Kleinen kommt, dann ist es die Gesamtheit der mit Corona im Zusammenhang stehenden Veränderungen im Leben der Kinder. Sollten sich trotz allem gesundheitliche Probleme einstellen, sind individuell zu bestimmende Maskenpausen erlaubt.

Ältere leiden stärker unter der Maske

Offensichtlich fühlen sich ältere Schüler durch die Maskenpflicht mehr belastet als die Jüngeren. Sie empfinden diese Maßgabe eher als Eingriff in ihre persönlichen Lebensgewohnheiten und Freiheit. Doch als störend im Umgang mit anderen stufen sie sie nicht ein. Insgesamt haben viele Erwachsene in erster Linie ein Problem damit, dass ihnen gesagt wird, wie sie sich zu verhalten haben.

Konsequentes Verhalten als Voraussetzung

Kinder sind Regeln gewohnt und sie können sich leicht anpassen. Um sie nicht zu verunsichern, ist es für sie allerdings wichtig, dass die Regeln konsequent durchgezogen werden und nicht etwa zuhause plötzlich etwas anders gilt als in der Schule. Das Vorbild der Eltern bleibt ausschlaggebend. Plus eine offene und ehrliche Kommunikation, die die Verhaltensmaßnahmen wie etwa die "AHA + L"-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen, regelmäßig lüften) beinhalten und den Kindern plausible Erklärungen für deren Einhaltung liefern. Die Maske muss einfach zum alltäglichen Begleiter und positiv besetzter Beschützer anderer werden, nicht zum Problem. Wesentlich bleibt für Eltern trotz Maske und aller Einschränkungen: der Familie und den Kindern eine zuversichtliche Grundstimmung zu vermitteln!

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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