Schulstart in der Coronakrise

Mit Mundschutz zur Schule?

Keine Pflicht, aber Empfehlung: Sollten unsere Kinder einen Mundschutz tragen, wenn sie im Mai wieder zur Schule dürfen?

15. April 2020: Die Politiker haben soeben über eine schrittweise Wiedereröffnung der Schulen entschieden. Für einige Jahrgänge geht es nun bundesweit ab dem 4. Mai 2020 wieder los – mit starken Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Und in der Bevölkerung stellt man sich die Frage, ob unsere Kinder mit Mundschutz zur Schule sollten. Wir haben zwei Elternstimmen eingefangen.

Dafür: "Besser etwas Schutz als keiner"

Distanz wahren, einen Abstand von 1,5 bis 2 Metern zueinander einhalten – das fällt selbst uns Erwachsenen schwer. Man stelle sich vor, die eigenen Eltern, die man wochenlang nicht gesehen hat, die Geschwister oder Freunde stehen vor einem und wir sollen Distanz wahren.

Ja, uns fällt es schwer, aber irgendwie werden wir es schaffen. Wir sind ja schließlich erwachsen. Aber unsere Kinder? Sie werden ihr Bestes geben, doch ob sie es permanent einhalten können?

Wenn sich die Kinder nach wochenlanger Quarantäne in den Schulen wiedersehen, wird der Drang, sich in den Arm zu nehmen, groß sein. Das eine oder andere Kind wird dem nicht widerstehen (können), auch wenn es weiß, dass es nicht gut ist. Absolut verständlich und nicht verwerflich. Jeder von uns (Erwachsenen) kann den Drang gut verstehen, auch deshalb müssen wir Verständnis für unsere Kinder haben.

Ein Mundschutz bietet in diesem Fall wenigstens einen kleinen Schutz. Eine einfache Maske, die selbst hergestellt ist, kann laut RKI Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden, abfangen. Das Risiko, eine andere Person anzustecken, wird damit verringert. Und senkt auch meine aufkommende Panik, wenn eine meiner Töchter mir erzählt, sie habe ihre Freundin umarmt (so bereits geschehen bei meiner 19-jährigen Tochter, die mit ihrer Freundin spazieren gehen wollte, mit zwei Meter Abstand, wie sie mir versprochen hatte. Mit einer Freundin, die vor einigen Wochen aus dem Ausland wiedergekommen ist, die sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen hat).

Darüber hinaus wird ein Mundschutz Kinder und Erwachsene täglich daran erinnern, soziale Distanz, so gut es geht, zu wahren und achtsamer miteinander umzugehen. In Asien ist er weit verbreitet. Er gehört zum täglichen Leben dazu, auch zu dem der Kinder.

Uns Europäern fällt es schwer, etwas zu akzeptieren, was bisher nicht alltäglich war. Solange das Tragen eines Mundschutzes nicht zur Pflicht wird, werden wir den Mundschutz auch nicht akzeptieren. Er sieht komisch aus, man fühlt sich damit unwohl. Sobald ihn aber jeder von uns trägt, unsere Kinder und die Freunde unserer Kinder in der Schule, werden wir und unsere Kinder ihn akzeptieren als das, was er ist: ein Schutz für unsere Gesundheit – so klein er auch sein mag. Besser als keiner!

Svjetlana (41), Hamburg

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Dagegen: "Wie Western-Schurken"

Eben wird veröffentlicht, dass unsere Kinder "unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen ab dem 4. Mai" wieder in die Schulen dürfen – zumindest ausgewählte Jahrgänge.

Wie Western-Schurken zum Überfall werden unsere Kinder also bald in Richtung Schule radeln. Wo sie dann mit Sicherheitsabstand und auf dem Einzelplatz am Unterricht teilnehmen werden.

Auf dem Schulhof kontrolliert und patrouilliert dann das gesamte vermummte Kollegium, damit die Schutzmaßnahmen auch eingehalten werden, die Maske richtig sitzt, überhaupt die richtige Maske getragen wird.

Guter Plan. Wenn da nicht die Kinder wären. Das Spiel wird den Schutz vergessen machen. Masken werden kratzen, verrutschen, abgenommen, um zu sprechen, zu küssen, zu essen ... Ohne Hintergedanken. Weil Kinder eben so sind.

Und was ist nach der Schule? Freunde werden sich wieder treffen – schutzlos spielen und Spaß haben. Sie werden sich anstecken oder eben nicht.

Kinder lassen sich von Schutzmaßnahmen nicht einschränken, Viren durch Schutzmasken nur sehr bedingt aufhalten. Bringt euren Kindern bei, in die Armbeuge zu niesen und die Hände richtig zu waschen. Das ist nach wie vor der beste Schutz. Und wir dürfen nicht vergessen, wie gut es tut, das unbeschwerte Lachen auf den Gesichtern unserer Kinder auch sehen zu können.

Jan (48), Hamburg

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