Mitteilung der Schule

Ferien mit Folgen: Vom Risikogebiet in die Quarantäne

Schüler in Hamburg müssen nach den Sommerferien in Quarantäne und fehlen unentschuldigt, wenn sie in Risikogebieten Urlaub gemacht haben. Die Mitteilung der Schule kam nach Ferienbeginn und sorgt für Unmut und Nachdenklichkeit bei unserer Autorin.

Die Sommerferien in Hamburg sind gestartet. Nach der Zeugnisvergabe erzählt meine Tochter neidisch, wohin ihre Mitschüler verreisen. Anna nach Griechenland, Laura nach Kroatien, Luisa nach Russland, Laurin nach Österreich und viele andere ins Nachbarland Polen. Und wir? Wir hatten erst mal nichts Neues geplant, nachdem bereits zwei gebuchte Urlaube wegen Corona ins Wasser gefallen sind. Jetzt bekomme ich aber Lust, doch wieder etwas zu buchen. Die Vorstellung, nach dem Lockdown auch noch die Sommerferien zu Hause zu verbringen, ist irgendwie nicht besonders attraktiv. Meine Tochter drängt und ich frage mich, warum eigentlich nicht. Wenn so viele Familien verreisen, können wir das auch.

Quarantäne für Urlauber aus Risikogebieten: "Selbst schuld, wer dorthin fährt"

Am Nachmittag erreicht mich dann eine Nachricht der Schule, ein Elternbrief mit einem "wichtigen Hinweis": Alle Kinder, die Urlaub in Risikogebieten machen, müssen zwei Wochen vor Schulbeginn wieder zu Hause sein, damit sie nicht in Quarantäne müssen. Andernfalls gelten die zwei Wochen Quarantäne als unentschuldigtes Fehlen. So weit nicht schlimm, denke ich. Luisas Eltern, die nach Russland wollen, hätten damit ja rechnen müssen. Russland ist schließlich offiziell ein Risikogebiet. Also selbst schuld.

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Länder und Regionen können schnell zu neuen Risikogebieten werden

Doch dann überlege ich: Was passiert, wenn wir verreisen – nach Österreich, Polen oder Kroatien. Was, wenn diese Gebiete nach der Rückkehr aus dem Urlaub plötzlich auch Risikogebiete sind? Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass Länder oder Regionen schnell zu Risikogebieten werden, die vorher keine waren. Die Kreise Gütersloh und Warendorf etwa, vielleicht demnächst auch das beliebte Urlaubsziel Kroatien ... Denn Slowenien erwägt derzeit eine Grenzschließung zum Nachbarland wegen der steigenden Zahl von Corona-Fällen aus Kroatien. Laura, die nach Kroatien fährt, müsste dann in Quarantäne, Luisa, die in Russland urlaubt, sowieso, und Laurin, der nach Österreich will, vielleicht auch.

Eltern und Schüler können für ihren Sommerurlaub bestraft werden

Was mir nun klar ist: Egal, was wir jetzt buchen, um die Sommerferien nicht zu Hause zu verbringen, ist ein Risiko. Jedes Land, jede Region könnte in sechs Wochen ein Risikogebiet sein. Kinder und Eltern werden dann bestraft mit unentschuldigtem Fehlen. Den Lernstoff der ersten beiden Wochen müssen die Kinder vermutlich selbst nachholen. Mein Unmut wächst: Hätte die Schule diesen Hinweis nicht vorher geben können? Oder die Behörden? Viele Eltern haben erst vor ein paar Wochen den Sommerurlaub in die (Noch-)Nicht-Risikogebiete gebucht. Hätten sie das vorher gewusst, hätten sie sich vielleicht anders entschieden. So wie ich. Wir beschließen nun final, dieses Risiko nicht einzugehen. Wir bleiben zu Hause, machen Ausflüge in die Umgebung und planschen in unserem neuen "Swimmingpool" (eher: Planschbecken).

Autorin: Svjetlana Pulkowski

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