Rückblick auf die Schulzeit

Ross Anthony: "Ich wollte Tierarzt werden"

Ross Antony ist Moderator, Sänger, Musicaldarsteller und Entertainer. Bekannt wurde er als Mitglied der Popband Bro’Sis. Im Interview gewährt er uns einen Einblick in seine Schulzeit.

Sie sind im englischen Bridgnorth groß geworden, einer mittelalterlichen Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern. Stimmt es, dass Sie schon als Dreijähriger auf der Bühne standen? 

Na ja, mein Vater hat in einem Theaterstück einen Polizisten gespielt, ich saß mit meiner Familie im Publikum. Ich war so begeistert, dass ich mitten im Stück auf die Bühne gestürmt bin. Meine Mutter musste mich da wegzerren. Mit fünf oder sechs Jahren hatte ich dann einen richtigen Auftritt in einem Weihnachtsstück in der Schule.

Ihre Großmutter war Schauspielerin, Ihre Mutter und Ihre Schwester waren Kostümbildnerinnen – sind die künstlerisch-kreativen Gene schon in der Schule zum Vorschein gekommen?

Ich verbrachte meine Schulzeit in der Bridgnorth Endowed School. Im Unterricht habe ich gerne mal gesungen und getanzt und hatte viel Spaß, meine Mitschüler zum Lachen zu bringen. Sicher war ich ein Paradiesvogel, aber nicht der typische Klassenclown. Ich erinnere mich, dass ich nie Prüfungsangst hatte. Auch vor die Klasse zu treten und etwas vorzutragen war für mich nie ein Problem. Alles in allem fand ich Schule wunderbar. Ich bin immer gerne hingegangen, habe in der Regel fleißig gelernt und den Rat meiner Mutter befolgt: Gib dein Bestes, die Schule ist wichtig für deinen weiteren Lebensweg. 

Sind Sie bei den Lehrern nie angeeckt? 

Ein paarmal musste ich mich in die Ecke stellen, ansonsten war ich ein artiger Schüler. Ich hatte auch tolle Lehrer. Mein Liebling war meine Sportlehrerin, die auch mit meiner Mutter befreundet war. Sie nahm mich oft mit zu ihren Tennisturnieren und sorgte dafür, dass auch ich ein guter Tennisspieler wurde. Oder meine Religionslehrerin Miss Ashling: Sie war immer darauf bedacht, dass niemand in der Klasse diskriminiert wurde und sich keiner anderen überlegen fühlte.

 

Die in England üblichen Schuluniformen tragen ja auch zu diesem Gleichheitsgedanken bei … 

Und das finde ich sehr gut. Ich bin ein großer Verfechter von Schul­uniformen. So gibt es keine äußeren Zeichen dafür, aus welchem Haus die Schüler kommen. Anders als in Deutschland, wo die Schüler mit Markenklamotten mit den anderen konkurrieren. Wenn ich die Kids hier an der Bushaltestelle vor der Schule sehe, muss ich mich immer wundern.

Welcher Unterschied zwischen dem Schulsystem in England und Deutschland fällt Ihnen noch auf?

Beispielsweise, dass die deutschen Kinder meist schon mittags von der Schule nach Hause kommen. Bei uns war von 8 bis 17 Uhr Unterricht, wobei die Lernfächer in der Regel auf den Vormittag gelegt wurden, am Nachmittag waren dann Sport oder Theatergruppe dran. 

Was waren denn Ihre Lieblingsfächer in der Schule?

Französisch, Geografie und Bio­logie habe ich sehr gemocht. Ganz schlecht war ich in Deutsch. Grammatik und Aussprache hat sich mir nie erschlossen. Erst viel später, als ich nach Deutschland gezogen bin, habe ich erkannt, wie viel Schönheit und Kraft in der deutschen Sprache stecken und wie gut sich mit dieser Sprache spielen lässt. 

Im Animationsfilm „bayala – Das magische Elfenabenteuer“ sprechen Sie den Elfenkönig Nemus. Hätte man Ihnen damals gesagt, dass Sie eines Tages einer Märchenfigur Ihre deutsche Stimme leihen würden … 

… denjenigen hätte ich für verrückt erklärt. Deutsch war für mich ein Buch mit sieben Siegeln. 

Wollten Sie immer Entertainer werden? 

Mein Berufswunsch war Tierarzt. Ich habe die Schule mit sehr guten Noten abgeschlossen, von daher wären alle akademischen Türen für mich offen gewesen. Doch dann begleitete ich eine Freundin zum Casting bei einer Schauspielschule, der Guildford School of Acting. Sie wurde abgelehnt, ich wurde angenommen. Das war es dann mit meiner Karriere als Veterinär. 

Interview: Brigitte von Imhof

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