18. Mai 2016

Heuschnupfen bei Kindern

Hyposensibilisierung gegen Pollen-Allergie

Heuschnupfen bei Kindern
© surabky/iStockphoto.com

Verstopfte Nase, verquollene Augen. Für Kinder (und Erwachsene) mit einer Pollen-Allergie kann eine Hyposensibilisierung die Lösung sein. Der große Vorteil dabei: Ist die Behandlung erfolgreich, kann danach auf Medikamente verzichtet werden. Was Eltern über die Behandlung wissen müssen und warum der Herbst die richtige Zeit dafür ist.

Taschentuch-Verbrauch auf Rekordniveau und tränende Augen – für Kinder mit Pollen-Allergie sieht die Erinnerung an den Sommer leider oft so aus. Helfen kann die Hyposensibilisierung. Bei dieser Behandlung wird der Körper mit kleinen Mengen von Allergenen langsam an den Auslöser gewöhnt. „Wir erziehen das Immunsystem um“, sagt Prof. Dr. Matthias Kopp,  Spezialist für Kinderpneumologie und Allergologie aus Lübeck, „es soll lernen, dass dieser Stoff nicht schädlich ist.“

Kleine Mengen des Allergens werden zuerst über Wochen hinweg gesteigert, später wird in monatlichem Abstand eine Erhaltungsdosis gegeben. Die Behandlung dauert mindestens drei Jahre. Danach brauchen viele Kinder gar keine Medikamente mehr oder deutlich weniger als vor der Behandlung.

Allergiefrei für mindestens sieben Jahre

Im Gegensatz zu Medikamenten bekämpft die Hyposensibilisierung die Ursache und nicht nur die Symptome. Nach bisherigem Kenntnisstand hält dieser Effekt mindestens sieben bis zehn Jahre an. Eine Linderung der Symptome zeigt sich aber in der Regel schon im ersten Behandlungsjahr.

Laut Prof. Kopp schlägt die Therapie bei der Mehrzahl sehr gut an. „Diese Kinder haben über viele Jahre keine Beschwerden.“ Für den Leiter des Schwerpunkts Allergologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin ist klar: „Andere Medikamente können zwar ebenfalls wirksam sein, aber nicht so langfristig wie die Hyposensibilisierung.“

Wer früh anfängt, erhöht die Chancen

Bereits Kinder ab dem Alter von fünf bis sechs Jahren können mit der Behandlung beginnen. „Wenn wir früh genug anfangen, haben wir die besten Chancen, das Immunsystem langfristig zur Toleranz umzuerziehen“, erklärt Prof. Kopp.
Voraussetzung ist, dass die Kinder bereits zwei Jahre in Folge typische Symptome einer Pollen-Allergie gezeigt haben. Schließlich muss klar sein, dass diese in direktem Zusammenhang mit Pollen stehen.

Der Herbst ist die beste Jahreszeit zum Starten

Wenn keine Pollen mehr durch die Luft schwirren, ist der beste Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn. Denn die Hyposensibilisierung besteht aus zwei Phasen: einer Steigerungsphase und einer Erhaltungsdosis. Ziel ist es, noch vor Beginn der Pollensaison mit der Erhaltungsdosis zu starten.
Weiterer Vorteil: Wer im Herbst beginnt, kann in der Regel bereits im nächsten Frühjahr auf einen Teil der Medikamente verzichten.

Spritzen sind die bewährteste Methode bei Pollen-Allergie

Bei der häufigsten und wirksamsten Behandlungsform wird das Allergen am Oberarm unter die Haut gespritzt (subcutane Immuntherapie). In der Anfangszeit muss es wöchentlich verabreicht werden, danach monatlich.

Bei der Gräser-Pollenallergie kann das Allergen auch als Tropfen oder Tabletten unter die Zunge gelegt werden (sublinguale Immuntherapie). Die Kinder müssen sie anfangs täglich einnehmen, wobei es zu einem Brennen oder Jucken in Mund und Rachen kommen kann. Die regelmäßige Einnahme und die Nebenwirkungen sind sicherlich Gründe, wieso gut ein Drittel diese Therapie in den ersten drei Monaten abbricht.
Der auf Allergien spezialisierte Kinderarzt rät deshalb zur Spritzentherapie. „So haben wir die Therapie besser unter Kontrolle und die Anwendung muss seltener erfolgen“, sagt Prof. Kopp. Außerdem gebe es bei der sublingualen Immuntherapie nur wenige Fälle, bei denen die Wirksamkeit belegt sei.

Ein langer Atem zahlt sich aus

Da die Hyposensibilisierung ein langfristiges Therapiekonzept ist, kann sie nur erfolgreich sein, wenn sie bis zum Ende durchgehalten wird. Das ist aufwändig. Aber bisher die einzige Möglichkeit, die Ursache der Allergie und nicht nur ihre Symptome zu behandeln. Und das mit Erfolg: Bei 80 bis 90 Prozent der Kinder, die früh mit der Behandlung beginnen, bessern sich deutlich die Beschwerden – bei einem Teil verschwinden die Beschwerden sogar komplett.
Durchführen sollte die Behandlung unbedingt ein Experte, also ein allergologisch ausgebildeter Kinderarzt. Die Behandlungskosten werden von der Kasse übernommen.
 

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