Wissen, was beruhigt

Tokophobie: Die Angst vor der Schwangerschaft und Geburt

Einige Frauen werden panisch, wenn sie an eine mögliche Schwangerschaft denken. Und bei Schwangeren mischt sich unter die Vorfreude aufs Baby oft auch die Sorge vor dem Tag X und der Entbindung. Dafür braucht sich niemand zu schämen. Tipps, wie ihr lernt, mit dieser Angst umzugehen.

Vielleicht kennt ihr das auch? Ihr tut alles dafür (oder habt es früher getan), nicht schwanger zu werden: mehrere Verhütungsarten parallel, gar keinen Sex haben ... Möglicherweise habt ihr sogar über eine Sterilisation nachgedacht oder eine Abtreibung, falls es doch zu einer Schwangerschaft kommt. Vor allem als Erstgebärende, aber auch bei einer zweiten Geburt, der Schwangerschaft und der Geburt respektvoll gegenüberzutreten und vielleicht auch ein wenig Angst zu haben, ist normal und mehr als verständlich. Doch wenn sich daraus eine lähmende Angst, auch Tokophobie* (hier mehr zum Nachlesen) oder Gravidophobie genannt, entwickelt, sollte man sich nach den Gründen fragen und schauen, was man tun kann.

Welche Gründe für eine Tokophobie kann es geben?

Es gibt Frauen, die Angst davor haben, die Ärzte könnten etwas falsch machen und während der Geburt "pfuschen". Andere Frauen haben Angst davor, ihr Kind könnte nicht gesund sein. Oder sie haben Zweifel, dass sie die Mutterrolle gut erfüllen können, möglicherweise leiden sie unter Versagensängsten.

Auch Traumata, schlimme Erlebnisse beispielsweise in der Kindheit, die mit Schwangerschaft oder Geburt zu tun haben, können zu einer panischen Angst vor der Schwangerschaft führen. Ebenso sind Fehl- oder Totgeburten oder andere schwere Geburten für manche Frauen traumatische Erlebnisse, die zu einer Angst vor erneuter Schwangerschaft führen können.

Wer aktuell unter Depressionen leidet oder Depressionen überstanden hat, kann ebenfalls Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt entwickeln. Dasselbe gilt für Frauen, die Missbrauch als Kind oder sexuelle Gewalt erlebt haben.

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Wenn die Angst vor der Schwangerschaft und Geburt zum Problem wird

Ob die Sorge über das normale Maß hinausgeht, zeigt ein Vergleich der eigenen Gefühlslage mit den folgenden Aussagen:
  • Die Angst überschattet den ganzen Alltag.
  • Ich kann kaum noch an etwas anderes denken.
  • Ich wünsche mir unbedingt einen Kaiserschnitt.
  • Die schlimmen Gedanken rauben mir den Schlaf.
  • Am liebsten würde ich Beruhigungsmittel nehmen.
  • Ich fürchte, dass mir bei der Geburt etwas passieren könnte.
     

Falls eine oder mehrere dieser Aussagen zutreffen, sollte unbedingt das Gespräch mit einem Arzt/einer Ärztin gesucht werden. Extrem übersteigerte Geburtsangst ist indes sehr selten. Eine Studie in Großbritannien hat gezeigt, dass betroffene Frauen dennoch glücklich Mutter werden können. Dann nämlich, wenn die Entbindungsmethode (häufig Kaiserschnitt) ihren Wünschen entspricht.

Mögliche Symptome einer Tokophobie

Die Angst vor der Schwangerschaft oder Geburt kann sich in körperlichen Symptomen zeigen. Diese sind zum Beispiel:

  • Verspannungen
  • Kopfschmerzen
  • hoher Blutdruck
  • Schweißausbrüche
  • Atemprobleme
  • Panikattacken

Tokophobie und ihre Behandlung

Wer wirklich unter seiner Angst leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Oft hilft es auch schon, beispielsweise mit der Hebamme über seine Ängste zu sprechen und zu merken, dass man mit diesen Gefühlen nicht allein dasteht. In einer Psychotherapie kann man herausfinden, welche Gründe dahinterstecken. Das hilft oft dabei, die Ängste aufzulösen oder zu lernen, besser mit ihnen umzugehen.

Hypnosen, hypnotische Entspannungsverfahren oder andere Entspannungsmethoden helfen ebenfalls bei der Bewältigung von Ängsten.

Manchmal löst sich die Angst vor der Geburt auch während der Schwangerschaft einfach auf, wenn man beispielsweise zum ersten Mal das Kind im Bauch spürt und dann doch die Vorfreude überwiegt.

Tipps, wie ihr der Angst vor der Geburt begegnet

Haltet die Untersuchungs-Termine in der gynäkologischen Praxis im eigenen Interesse und dem eures Kindes zuverlässig ein. Eventuelle Risiken werden so rechtzeitig erkannt und behandelt. Der gut geführte Mutterpass in der Handtasche vermittelt zudem ein Gefühl der Sicherheit. Denn die Angst vor der Geburt hat weniger Chancen, wenn Arzt oder Ärztin signalisieren: Alles im grünen Bereich! Dann bleibt den werdenden Müttern umso mehr Raum, guter Hoffnung zu sein und dem großen Tag gelassen entgegenzusehen.

Was sonst noch beruhigt

Akupunktur, gezielt in den letzten Wochen der Schwangerschaft angewendet, verkürzt die Geburtsdauer, wie eine Studie der Universität Mannheim gezeigt hat. Andere Untersuchungen haben ergeben, dass Gebärende nach einer Behandlung mit Akupunktur weniger Schmerzmittel benötigen. Aromatherapie arbeitet mit Wohlgerüchen. Diese wirken über das limbische System im Gehirn und scheinen die Ausschüttung von Glückshormonen zu fördern. Ätherische Öle für die Duftlampe, auch spezielle Entspannungs-Mischungen, gibt es in Apotheken, Reformhäusern oder Öko-Läden.

Die Hebamme ist nicht nur Begleiterin durch die Geburt, sondern ebenso eine kompetente Ansprechpartnerin, wenn es um Sorgen und Zweifel während der Schwangerschaft geht. Mit den Ängsten, die werdende Mütter manchmal plagen, ist sie vertraut, kann aufklären und Mut machen. Homöopathie spielt in der sanften Geburtshilfe eine wichtige Rolle. Schon im Vorfeld kann sie unterstützend wirken, um Ängste und Spannungen abzubauen. Patent-Rezepte allerdings existieren nicht, das Mittel der Wahl muss individuell verordnet werden (Hebamme oder Arzt/Homöopathen fragen).

Entspannung durch die PDA

Als wahren Rettungsanker empfinden viele Frauen die Möglichkeit einer Periduralanästhesie (PDA). Die PDA schaltet das Schmerzempfinden in der unteren Körperhälfte aus, ansonsten ist die Mutter wach (wenn sie will, ist das sogar bei einer Kaiserschnitt-Geburt möglich). Dem Baby schadet die PDA nicht.

Warmes Wasser hat krampflösende Wirkung: In der Badewanne verkraften viele Frauen die Wehen leichter. Die Geburt dauert weniger lange, Schmerzmittel sind meist nicht nötig. Zur Entspannung ist ein (nicht zu warmes!) Bad auch sonst bestens geeignet.

Liebevolle Zuwendung ist wahrscheinlich das Allerwichtigste, was eine Frau in den Stunden der Entbindung braucht. Die meisten Frauen wünschen sich, dass eine vertraute Person mit ins Krankenhaus oder Geburtshaus kommt. Falls der Partner sich von der Situation überfordert fühlt, kann auch die Schwester, Mutter oder eine gute Freundin den Part übernehmen.

Aktiv gegen die Angst vor der Geburt

Die Beispiele belegen: Wer aktiv wird, kann der Angst gegensteuern und sich gleichzeitig stark machen für die Geburt. Am Ende steht dann das gute Gefühl: Ich bin nicht ausgeliefert. Ich habe Möglichkeiten zu reagieren. Und ich kann Hilfe bekommen von den Menschen, die mich durch die Geburt begleiten. Denn als werdende Mutter seid ihr ja nicht allein. Auch wenn natürlich ihr diejenige seid, die das Kind gebären werdet, so wird doch ein hilfreiches Team um euch sein, das euch alle erdenkliche Unterstützung gibt: Partner, Hebamme, Ärztin oder Arzt ...

Aktuelle Studie soll mehr Wissen über Tokophobie bringen

Der Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt möchte zur Zeit mit einer Umfrage das Wissensfeld rund um die Geburtsangst weiter erforschen, so heißt es: "Mit der Studie sind mehrere Ziele verbunden. Zum einen soll Tokophobie in verschiedenen Stichproben erforscht werden. Im Gegensatz zu vielen bisherigen Studien soll die Ausprägung der Tokophobie zwischen Frauen, die noch nie schwanger waren, aktuell Schwangeren und Müttern bis zu zwei Jahren nach der Geburt verglichen werden. Des Weiteren soll nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten der deutschen Stichprobe mit genauso befragten Frauen aus Großbritannien und Brasilien geschaut werden."

Wer kann also bei dieser anonymen Umfrage mitmachen?

  • Frauen ab 18 Jahren.
  • Ihr solltet der deutschen Sprache in Schriftform ausreichend mächtig sind.
  • Bevorzugt werden Frauen gesucht, die noch nie schwanger waren.
  • Frauen, die aktuell schwanger sind.
  • Frauen, deren letzte Geburt bis zu zwei Jahren zurückliegt.

Hier könnt ihr mitmachen  >>> Tokophobie-Umfrage.

Autorin: Leben & erziehen/Irlana Nörtemann

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