Geburtsgeschichte

"Ich wurde auf der Autobahn geboren"

Immer wieder berichten wir bei Leben & erziehen von spannenden Geburten. Diese hat es ganz besonders in sich: Der kleine Leo kam vor vier Jahren mitten in einer Baustelle auf der A7 zur Welt.

Für unser Fotoshooting kehrte der kleine Leo mit seinen Eltern zu seinem Geburtsort zurück.
© Foto: Laura Schumacher
Für unser Fotoshooting kehrte der kleine Leo mit seinen Eltern zu seinem Geburtsort zurück.

Wenn Leo im Auto sitzt, kann es ihm oft gar nicht rasant genug gehen. "Schneller, schneller", ruft er dann und bringt seine Eltern zum Lachen. Dem kleinen blonden Jungen aus Bayern wurde die Geschwindigkeit wahrlich in die Wiege gelegt. Er kam bereits mit überhöhtem Tempo auf die Welt – mitten auf der A7!

80 Kilometer liegen zwischen dem Wohnort und der Klinik

"Leo ist mein drittes Kind", erzählt Mama Rebecca Hussy (39) und erinnert sich an die Wahnsinnsgeburt am 11. Januar 2018. "Schon ein paar Tage zuvor bekam ich immer wieder Übungswehen. Doch sie verschwanden jedes Mal wieder, und so war ich nicht beunruhigt, als es am frühen Abend des errechneten Geburtstermins erneut losging."

Sie gab ihrem Mann René (44) und ihrer Freundin Bescheid, die bereits bei der Familie übernachtete, um im Fall der Fälle als Babysitter für die zwei großen Söhne einspringen zu können. "Ich sagte beiden aber, dass sie sich erstmal schlafen legen sollten, denn so eine Geburt kann ja dauern. Dann ging ich ins Wohnzimmer, setzte mich auf einen Peziball und packte mein neues Tens-Gerät aus." Rebecca hatte gehört, dass dieser kleine Apparat Wunder bei Wehen bewirken sollte. "So war es auch, ich spürte fast gar nichts", erinnert sie sich.

"Du musst sofort anhalten!"

© Foto: Laura Schumacher
Gutes 5er-Team: René und Rebecca mit ihren drei Söhnen Philian (8, links), Samuel (6) und Leonard (4).

Dieser Zustand änderte sich jedoch gegen 22.30 Uhr schlagartig. "Plötzlich kam eine sehr heftige, schmerzhafte Wehe, und ich weckte umgehend meinen Mann. Eigentlich dachte ich in dem Moment bereits, dass wir besser zu Hause bleiben sollten. Doch irgendwie war ich zu sehr darauf konditioniert, für die Geburt in einem Krankenhaus sein zu müssen. Also fuhren wir los."

80 Kilometer liegen zwischen dem Wohnort der Familie und dem Klinikum in Würzburg. Das Paar schaffte nicht mal die Hälfte: "Mein Mann fuhr richtig schnell, doch ich hielt es irgendwann nicht mehr aus. Ich sagte ihm, dass wir sofort anhalten müssen." Hier? Jetzt? Mitten auf der Autobahn? René Hussy wollte seiner Frau erst nicht so recht glauben und erklärte, dass er nicht einfach stoppen könne. "Doch, das muss gehen!", machte sie ihm klar. "Du musst sofort anhalten!".

Erst kommt Leo, dann die Polizei

Das erste Selfie zu Dritt entstand noch auf der Autobahn.

In dem Moment fuhr das Paar gerade auf eine Baustelle zu, erlaubt waren 80 Kilometer pro Stunde. "Ich wusste, dass vor der Baustelle oft eine Polizeistreife steht, weshalb ich auf fast 160 Sachen beschleunigte und so an den Beamten vorbei raste", erinnert sich Papa René. Er hoffte, die Aufmerksamkeit der Polizisten zu erregen und ging davon aus, dass die ihm folgen würden. Kurz darauf legte er fast eine Vollbremsung hin und fuhr durch die Absperrplanken in die Baustelle hinein. Doch die Streife hatte ihn gar nicht bemerkt, die Beamten kamen nicht.

Dafür aber der kleine Leo. Rebecca Hussy stieg aus dem Auto aus. "Ich konnte nicht mehr sitzen, kniete mich deshalb auf den Asphalt und stütze meinen Kopf auf den Beifahrersitz." Ihr Mann alarmierte nun per Telefon den Notruf. "Er machte sich Sorgen, weil die anderen Autos und vor allem Lkw so dicht an uns vorbeifuhren". Dann platze die Fruchtblase. René hatte zum Glück Handtücher ins Auto gepackt.

"Mit denen stellte er sich hinter mich." Es wurde ernst, doch ihr Mann bleib ganz ruhig. "Er versicherte, dass wir das zusammen hinbekommen und machte mir Mut." Nach der ersten Wehe kam bereits der Kopf. Und mit der zweiten wurde der kleine Mann geboren, nur etwa eine halbe Stunde nach Abfahrt des Paares. "Mein Mann hielt ihn im Arm, und als ich mich umdrehte, sah ich auch die Polizisten. Sie waren zeitgleich mit Leo gekommen." Mit 3820 Gramm und 56 Zentimetern erblickte ihr Sohn um 23.30 Uhr die Lichter der Welt – oder besser, die Scheinwerfer des vorbeifahrenden Verkehrs.

Geburtsort: Bundesautobahn A7, Fahrtrichtung Würzburg, bei Kilometer 641

© Foto: privat
Leo im Januar 2018: Nach der spektakulären Geburt ging es nur kurz zum Check in die Klinik und dann nach Hause.

Im Anschluss ging es im Krankenwagen für eine Routineuntersuchung in die Klinik, danach fuhr die Familie noch in der Nacht zurück nach Hause. "Als meine beiden größeren Jungs am nächsten Morgen aufwachten, lag ich schon mit Leo auf dem Sofa", so Mama Rebecca.

Im Geburtenregister wurde natürlich alles ganz genau festgehalten. Unter Geburtsort steht bei Leonard schwarz auf weiß: Bundesautobahn A7, Fahrtrichtung Würzburg, bei Kilometer 641.

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