Schwanger in Zeiten des Coronavirus

Geburtsbegleitung in Zeiten von Corona

Geburtsvorbereitungskurse finden nur online statt und Hochschwangere haben, auf Grund des Besucherstopps in Kliniken, Angst davor, dass ihr Partner bei der Geburt im Kreißsaal nicht dabei sein darf.

Bei der Geburt des eigenen Kindes dabei zu sein – das lässt sich unter normalen Umständen kaum ein Vater entgehen. Doch im Moment sind die Umstände alles andere als normal: Auch in den deutschen Krankenhäusern trifft das Personal Vorkehrungen, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Dazu zählt auch der Besucherstopp in den Kliniken.

Begleitung in den Kreißsaal

Die "Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V." hat am 19. März 2020 "Empfohlene Präventionsmaßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung" herausgegeben. Darin heißt es, dass die Schwangere von maximal einer Person in den Kreißsaal begleitet werden dürfe, positiv auf Corona getestete Begleitpersonen dürfen den Kreißsaal nicht betreten. Diesen Richtlinien zufolge darf der Vater des Kindes, solange er keine Corona-typischen Symptome aufweist, oder schon positiv getestet wurde, die Mutter zur Geburt begleiten. In jedem Falle ist es derzeit nicht möglich zusätzlich einen Geburtsfotografen, eine Doula oder weitere Personen mit in den Kreißsaal zu nehmen.

Die Auslegung der Besucherstopps wird von den Krankenhäusern unterschiedlich gehandhabt. Auch um hinsichtlich Schutzbekleidung Ressourcen zu sparen, haben vereinzelte Kliniken schon jegliche Begleitperson bei der Geburt untersagt. Für werdende Eltern ist diese Maßnahme schwer zu akzeptieren, da zum einen der Vater die Geburt des Kindes live miterleben möchte, er zum anderen für die Mutter eine wichtige Unterstützung ist. Der "Deutsche Hebammen Verband" hat mit einer Pressemitteilung am 23. März 2020 reagiert und an die Kliniken appelliert, für Väter oder eine andere Begleitperson Ausnahmeregelungen zu finden: "Eine Geburt ist für die ganze Familie ein existenzielles Ereignis. Die Familie stellt dabei eine Einheit dar, deren Trennung während und nach der Geburt weitreichende Folgen für die Familienbindung und Familiengesundheit hat."

Schwangere suchen nach Alternativen

Der "Deutsche Hebammen Verband" weist darauf hin, dass die Versorgungssituation in Kliniken, die Begleitpersonen bei der Geburt noch zulassen, verschärft würde, da werdende Eltern vermehrt auf eben diese ausweichen. Auch das Thema Hausgeburt ist gefragter denn je. Doch die Kapazitäten der Hebammen sind begrenzt, sodass sie massenhaften und spontanen Anfragen nicht nachkommen können.

Online wurde bereits eine Petition ins Leben gerufen, die für das Recht von Vätern, im Kreißsaal dabei zu sein, Partei ergreift. Zum jetzigen Zeitpunkt (26. März 2020), eine Woche nach Veröffentlichung, wurden bereits mehr als 64.000 Stimmen gesammelt. Hier geht es zur Unterschriftensammlung: petitionen.com

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Besuch auf der Wochenbettstation

Auch den Besuch auf der Wochenbettstation handhaben die Kliniken in Deutschland unterschiedlich. Teilweise wird für Väter und Geschwister täglich ein Zeitfenster von einer Stunde eingeräumt, teilweise wird keinerlei Besuch gestattet. Dadurch, dass die Väter regelmäßig zur Wöchnerin und dem Neugeborenen auf die Station kommen und dann das Krankenhaus wieder verlassen, wird das Risiko der Infektion als zu hoch angesehen.

Wieder andere Kliniken versuchen Mutter, Vater und Baby in einem Familienzimmer unterzubringen. Die Familie darf dann die Klinik während des gesamten Aufenthaltes nicht verlassen. Ausschlaggebend sind dabei auch die Kapazitäten des entsprechenden Krankenhauses, Personalauslastung und generell die Anzahl vorhandener Familienzimmer.

Online aktuelle Informationen einholen

Die aktuelle Coronakrise ist für alle eine neue und unbekannte Herausforderung. Werdende Mütter und Väter sollten in der aktuellen Situation generell versuchen, einen ruhigen Kopf zu bewahren. Auch für die Kliniken ist die Situation ein Ausnahmezustand. Nahezu laufend gibt es neue Informationen und Verhaltensempfehlungen. Meistens bieten die Websites der Krankenhäuser eine gute und zuverlässige Informationsquelle. Sie werden ständig aktualisiert und geben Auskunft darüber, wie das Besucherrecht im Falle einer Geburt aussieht. Zumeist haben die Kliniken Verständnis und erlassen für werdende Mütter und Väter Ausnahmeregelungen.

Hier gibt es regelmäßig aktualisierte Informationen:

dggg.de (Deutschen Gesellschaft für Gynakologie und Geburtshilfe)

who.int (Weltgesundheitsorganisation)

Auch die Website der Bundeselterninitiative "Mother Hood", die sich den Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und dem ersten Lebensjahr zur Aufgabe gemacht hat, bietet zuverlässige und aktuelle Informationen: mother-hood.de

Vielen Frauen hilft bei der Entscheidung für eine Geburtsklinik der Besuch eines Infoabends mit Kreißsaalbesichtigung. Doch auch diese Möglichkeit ist in Zeiten von Corona nicht gegeben. Einige Kliniken haben schon reagiert und bieten auf der Klinik-Website virtuelle Rundgänge an.

Hebammen: Telefon-, Videoberatung und Onlinekurse

Offline steht werdenden Müttern auch die betreuende Hebamme so gut sie kann mit Rat und Tat zur Seite – wenn momentan auch virtuell. Der "Deutsche Hebammen Verband" hält sie dazu an, den Kontakt mit Schwangeren generell auf das mögliche Minimum zu reduzieren. Soweit möglich und medizinisch vertretbar, sollen Termine verschoben werden. Alternativen sind Telefon- oder Videoberatungen und Onlinekurse, die so oft es geht die Betreuung vor Ort ersetzen.

Autorin: Anna Ludewig

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