Geburtsgeschichte

Lotte, das süßeste Geburtstagsgeschenk

Als Laura vier Jahre alt wurde, bekam sie ein ganz besonderes Geschenk: Ihre kleine Schwester Lotte erblickte an ihrem Ehrentag das Licht der Welt. Ihr Papa Simon (44) erinnert sich an den Tag, an dem Mama Melanie (32) ihr Nesthäkchen eigentlich lieber noch gar nicht zur Welt bringen wollte ...

Liebe Lotte,

du bist ein Geschenk des Himmels – und noch viel mehr. Mit deiner Geburt ging ein großer Wunsch in Erfüllung. Nachdem deine Schwestern geboren wurden, stand für Mama und mich fest, dass wir in unserer Welt unbedingt noch eine Lotte brauchten! Einige Zeit später durften wir uns bereits freuen, denn du warst unterwegs. 

Sosehr wir uns auf dich freuten, so groß war meine Sorge, dass ich bei deiner Geburt gar nicht anwesend sein durfte. Corona beherrschte unseren Alltag. Zum Glück erhielten wir kurz vor der Geburt die schöne Nachricht, dass ich nicht nur bei deiner Geburt anwesend sein, sondern im Anschluss auch mit deiner Mama das Familienzimmer beziehen durfte. 

Bereits ab Mitte Mai hatten wir alles für dich vorbereitet. Doch du machtest auch in den folgenden Wochen keinerlei Anstalten, das Licht der Welt zu erblicken. "Sie dürfte jetzt gerne schon kommen", sagte deine Mama Ende Mai zu mir. "Sie hat doch noch Zeit", antwortete ich. Der Grund für Mamas Ungeduld lag jedoch woanders: der Geburtstag deiner Schwester Laura. "Am 12. Juni sollte Lotte nicht auf die Welt kommen, das ist Lauras Tag", befand deine Mama.

So vergingen die Tage, und deine Mama probierte viel aus, um dir in die Startlöcher zu helfen: Spaziergänge, Fenster putzen, Treppen steigen – nichts zeigte Wirkung! Wenige Tage vor deiner Ankunft hörte Mama auf, deinen Weg auf die Welt zu beschleunigen, und ging zum Gegenteil über: Sie unterließ alles, was eine Geburt fördern könnte, und gönnte euch beiden stattdessen Ruhe, Ruhe und noch mal Ruhe. Am 11. Juni zog sich deine Mutter dann komplett zurück. Oma, Opa, ich und deine Tante, die überraschend zu Besuch gekommen war, kümmerten uns um die Vorbereitungen für den Geburtstag: Dekoration, Kuchen, Geschenke. Alles sollte wunderschön für deine Schwester sein

Der kommende Morgen verlief so feierlich, wie wir es uns vorgestellt hatten: Wir alle sangen für Laura, es gab Kerzen zum Auspusten, und sie durfte die ersten Geschenke öffnen, bevor es in die Kita ging. Zurück zu Hause bereiteten wir alles für den Nachmittag vor, deine Mama zog sich wieder ins Schlafzimmer zurück. Es ging ihr nicht so gut, und sie wollte und sollte sich ausruhen. Als es Zeit wurde, Laura von der Kita abzuholen, fragte ich deine Mama, ob ich mit dem Geburtstagskind noch ein Eis essen gehen sollte. So hätte sie noch etwas Zeit für sich haben können. Doch sie verneinte vehement und bestand darauf, dass wir uns sogar beeilten.

Lauras Augen leuchteten, als wir kurz darauf zurückkamen. Der ganze wunderbare Nachmittag drehte sich nur um sie und machte sie sehr glücklich. Deine Mama verhielt sich allerdings ein bisschen komisch: mal ganz präsent, mal still auf der Couch, dann wieder stand sie am Tisch. Weil unsere Aufmerksamkeit aber vor allem deiner Schwester galt, fiel uns das gar nicht so sehr auf. Doch gegen 15.30 Uhr bemerkte ich, dass deine wunderschöne Mutter schlecht aussah. "Ist alles in Ordnung?", fragte ich sie. Mit verkrampfter Miene schüttelte sie den Kopf. "Fahren wir ins Krankenhaus?", fragte ich, obwohl ich die Antwort bereits kannte. Mama nickte. 

"Liebe Laura", verkündeten wir am Tisch stehend. "Wir haben noch eine Überraschung für dich: Heute schenken wir dir deine kleine Schwester." Das war ein bisschen hoch gepokert, immerhin wusste niemand, wie lange die Geburt letztendlich dauern sollte, doch Laura reagierte großartig: Sie freute sich riesig! Wir erklärten ihr, dass wir nun ins Krankenhaus fahren, Oma, Opa und die Tante aber bei ihr und deiner Schwester bleiben würden. Laura zeigte sich einverstanden, nahm uns in den Arm und verabschiedete sich mit einem großen Lächeln. 

Noch während ich das Auto holte, rief ich im Kreißsaal an und sagte, dass wir uns nun auf den Weg machten. Die Hebamme gab grünes Licht. Zum Glück! Denn als ich mit dem Auto vor unsere Haustür fuhr, schleppte sich deine Mama buchstäblich mit letzter Kraft auf den Beifahrersitz. Wir hatten deinen Schwestern nämlich nicht erzählt, dass deine Mutter schon seit einigen Stunden Wehen hatte, die bis zu diesem Zeitpunkt immer stärker geworden waren.

"Wir brauchen 15 Minuten ins Krankenhaus. Das schaffen wir auf keinen Fall", dachte ich. Doch deine Mutter wies mich zurecht und holte mich zurück in die Realität: "Fahr endlich!" Also brauste ich los, so sanft wie möglich, so schnell wie nötig, den Blick auf die Straße gerichtet. Deine Mutter dokumentierte unterdessen ihre Wehen: Abfahrt ins Krankenhaus: 15:57 Uhr. Wehen um 15:58 Uhr, 16:01 Uhr, 16:05 Uhr, 16:08 Uhr, 16:09 Uhr, 16:11 Uhr. Ankunft im Krankenhaus: 16:12 Uhr.

Um 16:17 Uhr erreichten wir die Entbindungsstation und wurden von einer Assistenzärztin und einer lieben Hebamme begrüßt. Der Muttermund war bei der anschließenden Untersuchung bereits sieben Zentimeter geöffnet. Als wir um 16.42 Uhr zurück in den Kreißsaal kamen, gab sich deine Mutter ganz den Wehen hin. Erst lag sie auf dem Rücken, dann wechselte sie auf die Knie. Deine Geburt rückte immer näher. Doch kurz bevor du kamst, vergrößerten sich plötzlich die Abstände zwischen den Wehen. Ihr beide, Mama und du, hattet an Kraft verloren und brauchtet eine Pause. So kurz vor dem Ziel war das jedoch nicht gut. Im Gegenteil, erklärte die Hebamme: Es musste weitergehen! Deine Mutter sollte sich zurück auf den Rücken legen, die Geburtshelferin öffnete die Fruchtblase, um deinen Weg auf die Welt etwas zu beschleunigen. Zehn Minuten später hielt es deine Mama kaum noch aus, drehte sich wieder auf die Knie und presste. Sie war so stark – und du knapp fünf Minuten später da! Um 17.32 Uhr erblicktest du das Licht der Welt. Wir waren erleichtert und glücklich!

Noch heute bin ich unendlich stolz auf das, was deine Mama und du in diesen letzten Stunden geleistet habt. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich dabei sein durfte. Viel tun konnte ich nicht, doch ich habe alles dokumentiert. Und kurz nach deiner Geburt trennte ich die Nabelschnur durch. Im Anschluss wurdest du versorgt und gewogen: 3979 Gramm. Du warst 55 Zentimeter lang, und dein Kopfumfang betrug 37 Zentimeter. 

Deine Schwestern wollten dich natürlich so schnell wie möglich kennenlernen und besuchten uns bereits am nächsten Tag. Sie verliebten sich sofort in dich, und ich bin mir sicher, du dich auch in sie. Laura akzeptierte dich übrigens nicht nur als ihr Geburtstagsgeschenk. Nein, sie war sogar richtig stolz darauf und hatte es in ihrer Kita bereits kundgetan.

Lotte, du rundest unsere Familie ab, durch dich sind wir komplett! Ich freue mich auf die Jahre, die vor uns liegen, und auf die unzähligen Momente, in denen du mein Leben, unser Leben, auf deine ganz besondere Art bereichern wirst. Ich liebe dich!

Dein Papa 

Noch mehr Geburtsgeschichten

Die Zeilen an Lotte könnt ihr auch in unserem neuen "Leben & erziehen"-Buch nachlesen: Es enthält 30 wunderschöne Briefe von Eltern, die ihren Kindern von ihrer Geburt berichten. Manche sind aufregend, einige dramatisch, viele ungewöhnlich – und alle einzigartig, so wie auch jedes Baby es ist.

"Die Geschichte deiner Geburt – Mein Brief für dich“, aufgezeichnet von Andrea Leim. 192 Seiten, mit Eintrageseiten für den eigenen Brief.
Migo-Verlag, gebundene Ausgabe 15 Euro, über Amazon*,
Kindle, 9,99 Euro, über Amazon*

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Autorin: Andrea Leim

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