Duales Studium statt Ausbildung

Hebammen müssen künftig studieren

Wer als Hebamme arbeiten möchte, muss in Zukunft ein Studium abschließen. Der Bundesrat hat einem entsprechenden Gesetz zugestimmt.

Deutschland ändert als letzter EU-Mitgliedsstaat die Ausbildung der Hebammen. Ab Januar 2020 müssen angehende Geburtshelfer ein duales Studium an einer Hochschule absolvieren. Bislang werden Hebammen in Deutschland an entsprechenden Hebammenschulen ausgebildet. 

Eigener Studiengang für die Geburtshilfe

Das Studium soll mindestens sechs und höchstens acht Semester, also drei bie vier Jahre, dauern. Es verknüpft die Theorie mit einem hohen Praxisanteil. Der findet im Krankenhaus und im ambulanten Bereich, zum Beispiel bei einer freiberuflichen Hebamme oder in einem Geburtshaus statt. Die zukünftigen Hebammen schließen das Studium mit einem Bachelor und einer staatlichen Prüfung ab. Der Abschluss ist Voraussetzung, um die Berufsbezeichnung Hebamme führen zu dürfen. Diese ist geschlechterübergreifend, die männliche Bezeichnung "Entbindungspfleger" entfällt. Die Studenten erhalten während des gesamten Studiums eine Vergütung. Das Studium kann grundsätzlich jeder beginnen, der eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf absolviert hat.

"Mit dieser Reform machen wir die Hebammenausbildung moderner und attraktiver", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Doch sehen die Hebammen selbst das genauso? Wir haben die Hebamme unseres Vertrauens, Franziska Luck, befragt, was sie von der Akademisierung ihres Berufsstandes hält. Sie erklärt: "Anfänglich war ich nicht sehr begeistert von der Änderung der Ausbildung zum Studium. Denkt man jedoch etwas darüber nach, wird einem bewusst, dass es eine gute Sache ist. Denn ein Studium wertet den Beruf der Hebamme letztendlich auf und macht diesen akademischer, ähnlich wie ein medizinisches Studium. Dadurch sind die Verdienstmöglichkeiten besser und die allgemeine Anerkennung auch."

junge familie im Abo

junge familie berät, gibt Tipps und liefert spannende Beiträge zu allem, was werdende und frischgebackene Eltern interessiert.

Mehr Nachwuchskräfte dank dualem Studium?

Laut dem Deutschen Hebammenverband (DHV) gibt es in Deutschland rund 23.000 Hebammen. Jedoch arbeitet nur noch etwa die Hälfte von ihnen im Kreißsaal. Die Akademisierung soll den Beruf aufwerten und neue Nachwuchskräfte für den Beruf rund um Schwangerschaft und Geburt begeistern. "Die Geburtshilfe hat sich, wie alle Bereiche in der Medizin und Pflege, stark weiterentwickelt. Die Vermittlung dieser wissenschaftlichen Grundlagen gepaart mit berufspraktischen Ausbildungsinhalten entspricht einem modernen Ausbildungsstandard, der in vielen Ländern heute bereits praktiziert wird. Er dient der Versorgungsqualität der betreuten Frauen in der Geburtshilfe und auch der Aufwertung unseres Berufsstandes", so DHV-Präsidiumsmitglied Yvonne Bovermann. Das sieht auch unsere Hebamme Franziska so: "Hebammen sind keine Kräuterhexen, sondern gebildete Frauen mit hohem und vielfältigem Wissensstand. Die große Verantwortung und die Besonderheit wird der Beruf durch ein Studium nicht verlieren, sondern nur dazu gewinnen. Hoffentlich auch viele neue Kollegen, in dem wohl mitunter schönsten Beruf, den es gibt."

Profilbild

Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

Teile diesen Artikel: