Absurd oder notwendig?

Maskenpflicht im Kreißsaal

Eine Geburt ist schon unter normalen Umständen kein Zuckerschlecken. In Zeiten von Corona haben werdende Mütter noch mehr Herausforderungen zu meistern – auch durch die Maskenpflicht im Kreißsaal. Unsere Autorin sieht das kritisch.

7. Mai 2020: Puh, ich habe schon beim Einkaufen das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Wenn ich da an die Geburt meines Sohnes denke und mir vorstellen soll, währenddessen unter der Maske die Wehen zu veratmen ... Ich beneide die Frauen nicht, die in Zeiten der Maskenpflicht ein Kind gebären. Immerhin darf inzwischen wieder eine Begleitperson mit in den Kreißsaal kommen. Aber gerade während der Geburt braucht die Frau aufgrund der hohen körperlichen Anstrengung doch noch mehr Sauerstoff als sonst. Wie soll das gehen mit einer Maske?

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Doch es gibt auch andere Stimmen. Hebamme Kareen Dannhauer ist eine absolute Befürworterin von Masken unter der Geburt – sowohl für Personal als auch die gebärenden Frauen –, wie sie auf Instagram schreibt: Das Tragen einer Maske "verhindert keine Ansteckung sicher, aber es verringert die Ansteckungsquote. Noch mehr dann, wenn beide Gegenüber eine tragen. Ich schütze also Dich, wenn ich eine trage. Und Du?" Und sie versteht nicht, wie man dagegen sein kann: "Ich fühle mich verurteilt, als jemand, der die Not der Frauen nicht sieht, und sie zu etwas zwingt. Weiterhin als jemand, dessen Schutz als Zumutung angesehen wird."

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[Masken im Kreißsaal] Lange schon vor Corona trug ich sie, qua Beruf, klar, im OP, hin und wieder, aber alles das eben vor Corona, wer erinnert sich noch daran. Wir haben gelernt: Solcherlei Behelfsmasken – genau so, wie die schlichten chirurgischen Masken, die derzeit im Kreißsaal und auf den Stationen verwandt werde – schützen in erster Linie das Gegenüber. Es verhindert keine Ansteckung sicher, aber es verringert die Ansteckungsquote. Noch mehr dann, wenn beide Gegenüber eine tragen. Ich schütze also Dich, wenn ich eine trage. Und Du? Ende April (RKI Lagebericht)stammten von allen SARS-CoV-2-positiv-Getesteten 7% aus medizinischen Berufen, Tendenz: steigend. Mit hoher Dunkelziffer, da bei 60% der Getesteten die Information der Berufszugehörigkeit fehlt. Fast 400 Angehörige der medizinischen Berufe mussten im Krankenhaus behandelt werden, 20 davon sind bereits tot. Also ungefähr in jeder größeren Stadt eine. 75% der Covid19-Fälle unter medizinischem Personal ist weiblich. Durchschnittsalter: 41 Jahre. Im Prinzip beschreibt diese Statistik: Genau mich. Und deshalb fühle ich mich auch gemeint, wenn die Rede ist von „Maskenzwang im Kreißsaal“. Ich fühle mich verurteilt, als jemand, der die Not der Frauen nicht sieht, und sie zu etwas zwingt. Weiterhin als jemand, dessen Schutz als Zumutung angesehen wird. Wir wissen, dass die neuen und schwierig unter Kontrolle zu bekommenden Ausbruchsgeschehen die in Pflegeheimen und Krankenhäusern sind. Von vielen Kolleginnen in ganz Deutschland weiß ich, dass die Anordnung im Kreißsaal ist – und Hebammen sind wie alle anderen selbstverständlich weisungsgebunden - dass alle Anwesenden im Kreißsaal bis zum sicher negativen Testergebnis (also damit nicht, bis das Baby geboren ist) Masken aufsetzen müssen. Weil die Krankenhaushygiene das vorsieht. Um das Personal zu schützen, um ein Weitertragen in den OP, auf die Neugeborenenstation und den Aufwachraum (und deren PatientInnen und Personal) zu verhindern, nur um mal direkt mit dem Kreißsaal verbundene, vulnerable Bereiche eines Krankenhauses zu nennen. Um auch die Frauen, Babys, die PatientInnen zu schützen. Wir machen das nicht einfach so. ⬇️⬇️⬇️

Ein Beitrag geteilt von Kareen Dannhauer | into life (@kareendannhauer) am

Derzeit handhaben deutsche Kliniken die Maskenpflicht unter der Geburt unterschiedlich. Ihr solltet euch also frühzeitig in eurer Entbindungsklinik informieren, wie die Maskenpflicht während der Geburt dort gehandhabt wird. Also etwa, ob ihr eine Maske gestellt bekommt und wann genau ihr sie tragen müsst.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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