Geburtsgeschichte

Spontangeburt von Zwillingen: Zack, zack, Doppelpack

In unserer Serie über spannende Geburten erinnert sich dieses Mal Frauke an den Tag, an dem ihre Zwillinge Hanno und Klaas zur Welt kamen. Die Hotelfachfrau aus Neumünster gebar das süße Doppelpack spontan. So spontan, dass keine Zeit mehr für eine Betäubung blieb ...

Lieber Hanno, lieber Klaas,

ihr beide habt es mit der Zwei. Nicht nur seid ihr zu zweit, auch eure Geburt stand ganz im Zeichen dieser Zahl. 

Es war Samstag, der 22. Februar 2020. Draußen verdeckten dicke Wolken die Sonne. Nach dem Aufstehen ging ich zur Toilette und bemerkte dort, dass der Schleimpfropf sich zu lösen begann. Oh! Damit hatte ich noch gar nicht gerechnet, immerhin solltet ihr eigentlich erst in vier Wochen, am 19. März, kommen. Doch bei eurem Bruder und eurer Schwester war dieses Zeichen der erste deutliche Hinweis, dass es bald losgehen würde. Allerdings dauerte es damals bei beiden noch ein oder zwei Tage bis zur Geburt, weshalb ich auch bei euch relativ entspannt blieb.

Ich begann mit euren Geschwistern Marten und Janne aufzuräumen. Ich legte mich richtig ins Zeug und verspürte das starke Bedürfnis, noch einige andere Dinge zu erledigen. Es fühlte sich an wie ein innerer Drang. Euer Papa war an diesem Tag mit Kollegen im Fußballstadion, und ich schrieb ihm Kurznachrichten, die meine innere Unruhe ausdrückten. Eine lautete: "Bitte, bitte ... Heute Abend müssen wir noch was schaffen, schon mal im Keller umstellen. Maxi-Cosi-Bezüge waschen, Beistellbett, Babyzimmer ist noch nicht fertig."

Danach fuhren wir zu Martens Schwimmkurs, und im Anschluss kaufte ich die wichtigsten Utensilien für das Wochenbett. Mir ging es die gesamte Zeit gut, ich spürte lediglich leichte Schmerzen im Rücken und weiterhin dieses drängende Gefühl, Dinge zu erledigen. Wieder zu Hause, war auch euer Papa schon zurück. Ihm trug ich auf, Nudeln zu kochen, und fuhr selbst noch einmal los, um für euch einzukaufen: zwei Sets aus Mützen, Bodys und Hosen in Hellblau und dunkelblau-gestreift.

Während des Abendessens machte es "knack"! Das Geräusch kam ganz eindeutig aus meinem Bauch. Ich muss wohl komisch ausgesehen haben, den Löffel halb auf dem Weg zum Mund, in mich hineinhorchend. Natürlich wollte euer Papa auch sofort wissen, was los ist, und fragte mich, ob alles okay sei. "Warte", sagte ich. Dann kam das Wasser. "Meine Fruchtblase ist gerade geplatzt." Es war 19.40 Uhr.

Kein Grund zur Panik! Ich wusste vom letzten Vorsorgetermin, dass dein Kopf, Hanno, fest im Becken verankert war, somit keine Gefahr für euch beide bestand und ich aufstehen durfte. Dass du als Erster geboren werden würdest, stand aufgrund deiner Lage im Bauch bereits fest. Ebenso, dass du, Klaas, damit mein letztes Baby sein solltest.

Ich rief Jannes Patentante an, die vorbeikam, um auf eure großen Geschwister aufzupassen. Zum Schluss kündigte ich uns im Kreißsaal an. Beim anschließenden Packen der Kliniktasche musste ich zwischendurch immer mal wieder ordentlich Luft holen, denn mit dem Blasensprung hatten auch die Wehen eingesetzt: kleine, kurze Kontraktionen, die ich gut veratmen und sogar noch etwas ignorieren konnte. Euer Papa lief währenddessen etwas kopflos durch das Haus und wollte unbedingt losfahren.

Ich duschte mich noch, rasierte meine Beine und blieb sehr entspannt. Die Wehen kamen nun schön gleichmäßig, in kürzeren Abständen von drei bis vier Minuten und auch schon etwas schmerzhafter. Jedes Mal, wenn sich mein Bauch wieder zusammenzog, blieb ich kurz stehen, um tief ein- und auszuatmen.

Als ich endlich fertig war, packte ich die Tasche ins Auto, entschied mich dann jedoch dazu, noch eine Leggings anzuziehen. Die befand sich allerdings in der Tasche, die ich dafür aus dem Auto hätte nehmen müssen. In diesem Moment wurde euer Papa richtig wütend. Er schimpfte, ich solle nun sofort und ohne Leggings einsteigen, damit ihr zwei nicht doch noch zu Hause oder auf dem Weg auf die Welt kommen würdet. Ich klemmte mir ein Handtuch zwischen die Beine, und wir fuhren los.

Um 21.20 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Eine junge Assistenzärztin, ebenfalls Mama von Zwillingen, untersuchte mich und erklärte mir, dass sie mir nun eine PDA legen wolle, weil das bei spontanen Zwillingsgeburten routinemäßig so gehandhabt werde. Ihre Worte nahm ich mit Begeisterung zur Kenntnis, denn die Wehen taten doch schon heftig weh, und ich freute mich auf etwas Entspannung.

Keine zehn Minuten später packten bereits die Anästhesisten alles für die Narkose aus. Ich saß im Kreißsaal auf der Bettkante, einer der Ärzte sprühte Desinfektionsmittel auf meinen Rücken, das sich nass und kalt anfühlte. Plötzlich sprang ich auf und schrie: "Er kommt! Er kommt!" Danach lief alles wie im Film ab: Laut Papa stand ich, hielt mich am Bett fest und riss mir die Netzunterhose weg. Dabei versuchte ich, mit dem Po etwas übers Bett zu kommen, damit du, Hanno, nicht auf den Boden fällst. Eine Ärztin stütze mich, die Hebamme versuchte, sich so schnell wie möglich Handschuhe anzuziehen, und rief permanent "Nicht hinsetzen! Nicht hinsetzen!" Ich schrie, dein Kopf wurde geboren, und kurz darauf fing ich dich auch schon auf. Ich schubste dich aufs Bett, wo die Hebamme dich in Empfang nehmen konnte. 

Da warst du! Hanno! 46 Zentimeter groß und 2.620 Gramm schwer, erblicktest du um 22.18 Uhr das Licht der Welt. So schnell und plötzlich! Ich sehe noch heute den fassungslosen Gesichtsausdruck deines Vaters vor mir. Und ich erinnere mich an den Anästhesisten, der das PDA-Material in den Müll schmiss und eurem Papa auf die Schulter klopfte: "Herzlichen Glückwunsch!" Eine hinzugerufene Kinderkrankenschwester bat Papa, sein Oberteil auszuziehen. Er setzte sich auf einen Stuhl, du, Hanno, wurdest ihm nackig auf die Brust gelegt. So konntet ihr kuschelnd dabei zusehen, wie dein Bruder geboren wurde.

Weil Klaas' Fruchtblase noch nicht geplatzt war, legte ich mich auf den Rücken, und die Hebamme öffnete diese Schutzhülle mit der Hand. So solltest du schneller in den Geburtskanal rutschen und vor allem nicht mehr auf die Idee kommen, dich in der letzten Minute noch zu drehen. Um die Geburt noch ein wenig voranzutreiben, wurde mir zusätzlich ein wehenförderndes Mittel gespritzt. Es wirkte!

Klaas, deine Geburt war so leicht, so ruhig, so schön. Mir tat dabei überhaupt nichts weh. Nach zwei Wehen und einmal Pressen schrie ich nur kurz auf, und schon warst du ebenfalls auf der Welt. 47 Zentimeter lang und 2.720 Gramm schwer, lagst du nackig und so klein um 22.30 Uhr zwischen meinen Beinen.

Kurz darauf durfte ich euch beide gemeinsam im Arm halten. Meine Babys, meine zwei süßen, kleinen Babys. Ihr wart so zart wie zwei kleine, hungrige Vöglein und trotzdem so perfekt. Ich legte euch zum Stillen an, streichelte und küsste euch und sog diesen Moment auf, um ihn für immer zu konservieren.

So seid ihr also auf die Welt und zu uns gekommen. Es war eine besondere Geburt, und jedes Mal, wenn ich daran denke, quillt mein Herz über vor Dankbarkeit und Liebe. Hanno, du bist auch heute noch schnell und laut und hast es gefühlt immer eilig. Und Klaas, du bist ruhiger und leiser, weniger aufgeregt und strahlst eine ansteckende Gelassenheit aus. Ihr zwei seid genau so, wie ihr auch geboren wurdet. Am 22.2.2020 – einem ganz besonderen Datum für meine beiden ganz besonderen Babys. 

Ich habe euch so lieb!

Noch mehr Geburtsgeschichten

Die Geschichte von Hanno und Klaas ist eine von vielen, die ihr auch in unserem neuen "Leben & erziehen"-Buch nachlesen könnt: Es enthält 30 wunderschöne Briefe von Eltern, die ihren Kindern von ihrer Geburt berichten. Manche sind aufregend, einige dramatisch, viele ungewöhnlich – und alle einzigartig, so wie auch jedes Baby es ist. 

"Die Geschichte deiner Geburt – Mein Brief für dich“, aufgezeichnet von Andrea Leim. 192 Seiten, mit Eintrageseiten für den eigenen Brief.
Migo-Verlag, gebundene Ausgabe 15 Euro, über Amazon*,
für den Kindle, 9,99 Euro, über Amazon*

Autorin: Andrea Leim

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