Besondere Geburt

Sternengucker – was bedeutet das beim Baby?

Sternengucker-Babys kommen entgegen der "Norm" mit dem Gesicht nach oben zur Welt. Da das Köpfchen in dieser Haltung nicht so gut durchs mütterliche Becken passt, kommen dann häufig Saugglocke oder Kaiserschnitt zum Einsatz. Das muss aber nicht sein.

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Was sind Sternengucker?

Die meisten Babys begeben sich unmittelbar vor oder während der Geburt in eine bestimmte Position: die vordere Hinterhauptshaltung (die übrigens umgangssprachlich häufig, aber nicht korrekt als Hinterhauptslage bezeichnet wird). Der Sternengucker hat jedoch seinen eigenen Kopf: Er dreht sich in die hintere Hinterhauptshaltung. Das heißt, das Gesicht des Babys zeigt zum Bauch der Mutter. Das Köpfchen kann in dieser Haltung die Biegung im Becken schwerer passieren. Die Geburt kann dadurch länger dauern. Manchmal kommen Saugglocke, Geburtszange oder Kaiserschnitt zum Einsatz. Eine Kollegin erzählte mir, dass sie ihre Sternengucker-Tochter aber zum Beispiel ganz ohne diese Maßnahmen gebar.

"So ganz korrekt ist der Begriff 'Sternengucker' übrigens nicht. Denn ein Kind, das in der hinteren Hinterhauptshaltung liegt, wird nur dann als Sternengucker geboren, wenn die Frau bei der Geburt auf dem Rücken liegt. Das ist ja nicht immer der Fall", klärt die Hebamme Charlotte Koch auf. Wir erklären euch, was die hintere Hinterhauptshaltung für die Geburt bedeutet.

Was bedeutet Schädellage?

Gegen Ende der Schwangerschaft – oft bis zur 36. Schwangerschaftswoche – dreht sich euer Baby in die Geburtsposition. Meist ist das die Schädellage. Das heißt, der Kopf eures Babys zeigt nun nach unten. In 90 Prozent der Fälle ist das die sogenannte vordere Hinterhauptshaltung. Dann ist das Gesicht des Babys nach hinten gerichtet – zu eurem Rücken.

Was bedeutet Schädellage 2?

Unterschieden wird in Schädellage 1 – hier befindet sich der Rücken des Babys auf der linken Seite – und Schädellage 2: Dann befindet sich der Rücken des Babys auf der rechten Seite. Analog ist auch von erster und zweiter vorderer Hinterhauptshaltung die Rede. Auch die hintere Hinterhauptshaltung ist eine Schädellage – das Köpfchen eures Babys zeigt nach unten, nur schaut es in Richtung eures Bauches statt zum Rücken. Dieser kleine Unterschied sorgt dafür, dass es ein bisschen eng wird im Geburtskanal. Aber keine Sorge, ihr schafft das! Und euer Kind auch.

Das passiert bei der Geburt – wenn alles nach Plan läuft

Eine Geburt ist kein Spaziergang, aber in der vorderen Hinterhauptshaltung ist sie für alle Beteiligten am einfachsten – zumindest, wenn es nach Plan läuft. Und der sieht so aus: Der kleine Kopf liegt quer im Becken, Ärmchen vor der Brust verschränkt und los geht's: Das Baby schraubt sich durch den Geburtskanal und beugt sein Köpfchen zunächst mit dem Kinn in Richtung seiner Brust, um es dann beim Beckenausgang langsam zu strecken. Auf diese Weise passiert der Kopf mit dem kleinstmöglichen Durchmesser den Geburtskanal.

Das läuft anders: Was bedeutet dorsoposteriore Schädellage?

Bei der hinteren Hinterhauptshaltung, auch dorsoposteriore Schädellage genannt, ist der Kopf in seiner Beweglichkeit etwas eingeschränkt. Er benötigt so mehr Platz im Geburtskanal. Meine Kollegin empfand es übrigens so, als wenn ein viereckiger Bauklotz durch etwas Rundes durch muss. Die hintere Hinterhauptshaltung führt meist zu verlängerten Geburten, denn das Kind rutscht langsamer durch das Becken. "Dadurch ist die Frau oft sehr erschöpft", sagt Charlotte Koch. Auch kann so das Dammgewebe mehr belastet werden. Ein Kaiserschnitt muss aber bei der Sternengucker-Geburt nicht unbedingt sein. Auch bei einem Sternengucker-Kind ist eine vaginale Geburt möglich. Häufig benötigt das Baby aber Unterstützung: Manchmal reichen schon sanfte Hilfestellungen wie bestimmte Gebärpositionen. Teilweise kommt zusätzlich die Saugglocke zum Einsatz.

Sternengucker-Geburt: Diese Positionen sind von Vorteil

Stellt eure Hebamme fest, dass euer Baby ein kleiner Sternengucker ist, wird sie euch bestimmte Positionen vorschlagen, damit das Baby sich drehen kann. "Vierfüßlerstand, Knie-Ellenbogen-Lage oder Beckenkreisen können hilfreich sein, damit sich das Baby mit dem Rücken nach vorne dreht", sagt Charlotte Koch. Klappt das nicht und der Muttermund ist bereits vollständig eröffnet, versucht eure Hebamme, dem Kind das Tiefertreten im Becken mit verschiedenen Maßnahmen zu erleichtern. "Dafür sollte die Gebärende dann Positionen wie die tiefe Hocke oder asymmetrische Positionen wie den Hirtenstand wählen. Diese aufrechten Gebärpositionen eignen sich sehr gut, weil so der Druck vom Damm etwas genommen werden kann", erklärt Charlotte Koch. Bei einem sehr langen Geburtsverlauf kann eine Periduralanästhesie (PDA) sinnvoll sein, denn die Schmerzerleichterung sorgt für mehr Entspannung und schafft so mehr Platz im Becken.

Kann sich ein Sternengucker noch drehen?

Teilweise drehen sich die Babys während der Geburt in die vordere Hinterhauptshaltung. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Manche Babys drehen sich erst bei der Geburt von der vorderen Hinterhauptshaltung weg und starten als Sternengucker ins Leben. "Es kommt allerdings nicht oft vor, dass sich das Kind aus der günstigeren Haltung in die hintere Hinterhauptshaltung dreht", erklärt Charlotte Koch. Insgesamt tritt die hintere Hinterhauptshaltung mit nur 0,5 bis 2,0 Prozent eher selten auf.

Sternengucker – wann ist ein Kaiserschnitt sinnvoll?

Ob ein Kaiserschnitt notwendig ist oder eine vaginale Geburt möglich ist und welche Hilfsmittel zum Einsatz kommen, hängt immer vom Verlauf der Geburt ab. "Wenn das Köpfchen noch im Beckeneingang ist und der Vitalzustand des Kindes eine Geburtsbeendigung verlangt, wäre in diesem Fall ein Kaiserschnitt zu empfehlen", sagt Charlotte Koch. Wenn das Köpfchen bereits in der Beckenmitte oder auf dem Beckenboden ist, ist eventuell eine Saugglocke hilfreich. In einer solchen Situation empfehlen die Ärzte eine Methode und wählen gemeinsam mit der Frau das geeignete Vorgehen.

Ursachen: Wie kommt es zur hinteren Hinterhauptshaltung?

Mögliche Ursachen, die eine hintere Hinterhauptshaltung begünstigen, sind:

  • Myome in der Gebärmutter
  • Beckenanomalien
  • Rotationsbehinderungen wenn das Baby sehr groß ist. Euer Arzt spricht dann von Makrosomie des Kindes. Diese liegt vor, wenn euer Baby mehr als 4.500 Gramm wiegt.
  • Vorliegen eines Armes beim Baby
  • Nabelschnurumschlingung
  • bestimmte Kopfformen (klein und rund)

Auch hier weiß Charlotte Koch Rat: "Manche Dinge kann man nicht ändern, aber es ist einen Versuch wert, durch Bewegung wie zum Beispiel Schwangerenyoga die Haltung des Kindes positiv beeinflussen. Häufiges Sitzen am Schreibtisch oder zurückgelehnt auf dem Sofa hat einen eher ungünstigen Einfluss."

Welche Folgen hat die hintere Hinterhauptshaltung für Mutter und Kind?

Langzeitfolgen müsst ihr nach der Geburt eines Sternengucker-Babys weder für euch noch für euer Kind befürchten. "Der Geburtsverlauf ist etwas schwieriger und es kann vergleichsweise zu größeren Geburtsverletzungen bei der Mutter kommen, etwa durch den Einsatz einer Saugglocke. Aber das verheilt wieder. Bei einer Saugglocke zeigt sich beim Kind eine Verformung des Kopfes, welche sich in kurzer Zeit wieder zurückbildet", beruhigt die Hebamme.

Auf emotionaler Ebene hat Charlotte Koch beobachtet, dass Frauen nach einem komplizierten Geburtsverlauf mehr Unterstützungs- und Redebedarf haben und teilweise etwas länger brauchen, um die Geburt zu verarbeiten.

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Unsere Expertin

Charlotte Koch (geboren 1991) ist seit 2016 Hebamme und arbeitet bei der Fundus-Hebammengemeinschaft in Hamburg.

Autorin: Christina Russell

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