Nicht alle Tipps helfen

Drei Dinge, die ihr wirklich über die Geburt wissen solltet

Autorin und Zweifach-Mama Silke Schröckert spricht über Tipps zur Geburtsvorbereitung und erklärt, was zwar in keinem Elternratgeber steht, ihr aber trotzdem über die Geburt wissen solltet.

Den Geburtsschmerz einfach wegatmen – das ist gar nicht so leicht.
© Foto: Getty Images/tatyana_tomsickova
Den Geburtsschmerz einfach wegatmen – das ist gar nicht so leicht.

"Und dann den Schmerz einfach wegatmen" – Warum man manche Dinge eh nicht trainieren kann

Jede Geburt ist anders. Und jedes Schmerzempfinden auch. Zur Sicherheit betone ich daher: Die folgende Aussage ist subjektiv. (Obwohl sie mir von zahlreichen Müttern exakt so bestätigt wurde.) Bereit? Los geht’s:

MAN KANN DEN GEBURTSSCHMERZ NICHT WEGATMEN!
Ich habe mir in meinem Leben schon beide Handgelenke gleichzeitig gebrochen, eine Wurzelspitzenresektion und eine missglückte Panaritium-Operation erlebt (google das Letzte nicht, es ist sau-ekelig). Und nichts davon hat auch nur im Ansatz den Schmerzlevel einer Wehe in der Austreibungsphase erreicht (trotz PDA).

Die Idee, dass das richtige Atmen einem hilft, diesen Ausnahmezustand zu überstehen, ist schön. Aber auch trügerisch. Natürlich entspannt tiefes Ein- und Ausatmen den Körper – selbst in der Extremsituation, in der du dich unter der Geburt befindest. Aber der Schmerz? Der bleibt. Und wie.

Jetzt die gute Nachricht: Es ist nicht tragisch, wenn du mal eine Einheit deines Geburtsvorbereitungskurses versäumst, weil dir gerade mehr nach Schlafen als nach Gesellschaft ist. Du verpasst keinen mysteriösen Anti-Schmerz-Atem-Trick, der den Wehenschmerz überlistet. Klar helfen die Atemübungen, um sich mit bestem Gefühl auf den großen Tag vorzubereiten. Aber jetzt bist du vielleicht ein klein wenig weniger schockiert, wenn du im Moment der Momente realisierst, dass der verdammte Schmerz bleibt, ganz egal, wie schnell, langsam, regelmäßig, unregelmäßig, tief oder flach du atmest.

"Für die Geburt mach ich mich so richtig hübsch!" – Warum du dir die Maniküre klemmen kannst

Ich verstehe den Wunsch, sich am großen Tag besonders wohl in der eigenen Haut fühlen zu wollen, so weit, so gut! Ich wollte das auch – und hab mir wenige Tage vor errechnetem Geburtstermin das volle Programm gegönnt: Spitzenschneiden, Wimpern färben, Pedi- und Maniküre. Wer weiß, vielleicht entsteht ja ein schöner Schnappschuss kurz nach der Geburt – und wenn ich darauf schon völlig fertig und verschwitzt aussehe, sollen wenigstens meine Hände gemacht sein.

Stolz trug ich also nicht nur meinen Babybauch, sondern auch meine übertrieben pink lackierten Nägel vor mir her, klimperte mit den Wimpern und fühlte mich wie die (zumindest optisch) bestvorbereitete Schwangere der Welt. Wann immer es auch losgehen würde: Ich würde dabei toll aussehen!
Bis es wirklich losging. Und ich für meine lackierten Nägel keine bewundernden, sondern genervte Blicke erntete. Was ich nicht wusste (und was mir auch in all den geburtsvorbereitenden Atemübungsstunden kein Mensch gesagt hatte): Während des Geburtsvorgangs wird die Sauerstoffsättigung des Körpers über einen Sensor an der Fingerkuppe gemessen. Und der funktioniert nicht zuverlässig, wenn er sich durch eine Schicht Lack arbeiten muss (oder in meinem Fall: Unterlack, zwei Schichten Farbe und Überlack).

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich ist es eine wunderbare Idee, sich vor der Geburt noch einmal etwas zu gönnen – zum Friseur habe ich es danach tatsächlich eine ganze Weile nicht geschafft. Aber es sollte vielleicht nicht die Maniküre mit Lack sein (und ganz ehrlich: Das Letzte, was dich später auf den Erinnerungsfotos interessieren wird, ist die Farbe deiner Fingernägel).

"Das steht so aber nicht in meinem Plan." – Warum du die Geburt nicht zu sehr planen solltest

Hast du einen Geburtsplan erstellt? Gut. Hast du keinen erstellt? Auch gut! Wenn nicht sogar besser. Denn ganz im Ernst: Nach Plan verlaufen die wenigsten Geburten. Natürlich ist es sinnvoll, sich vorab Gedanken zu machen. Aber zu konkrete Vorstellungen bieten auch immer Raum für Enttäuschungen. Denn so vieles, was nicht in deinen Händen liegt, kann am Tag der Geburt anders laufen. 

Vielleicht warst du immer gegen eine PDA, wirst dich unter dem Geburtsschmerz aber doch dafür entscheiden? Vielleicht war ein Kaiserschnitt für dich stets ausgeschlossen, muss aber zur Sicherheit des Kindes und deiner selbst doch durchgeführt werden? Nichts davon bedeutet, dass die Geburt schlechter oder gar "nicht richtig" laufen wird, im Vergleich dazu, wie du es dir gewünscht hast. Jede Geburt zählt. Natürlich. Auch dann, wenn sie sich nicht an deinen Plan gehalten hat.

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