Ein Geschwisterchen kommt

Wie verläuft die zweite Geburt?

Kann ich nach einem Kaiserschnitt normal entbinden? Verläuft die zweite Geburt schneller? Diese Fragen beschäftigt Frauen, die vor der zweiten Geburt stehen, am meisten. Fünf Fragen an Chefarzt Dr. Erich Weiß, Leiter der Frauenklinik Böblingen.

Unterscheiden sich erste und zweite Geburten wesentlich?

Gynäkologen und Privatdozent Dr. Weiß: Das lässt sich nicht allgemein sagen. Jede Entbindung ist einmalig. Die Statistik belegt allerdings, dass die zweite Geburt meist schneller und einfacher verläuft als die erste. Das hat vielerlei Gründe: Die Geburtswege wurden schon einmal gedehnt, so dass der Muttermund nun zügiger aufgeht, und das Baby schneller durchs Becken gelangt. Außerdem lässt sich der Damm besser dehnen, die Hebamme kann eher auf einen Dammschnitt verzichten als bei der ersten Geburt.

Welche Rolle spielt denn die Psyche bei der Geburt?

Eine große! Schließlich weiß die Frau bereits, wie eine Geburt verläuft. Sie kennt die Reaktionen ihres Körpers, kann abschätzen, wie lange es etwa noch dauern wird, bis das Baby kommt. Dieses Wissen ist ein großes Plus! Das gilt besonders, wenn die Mutter die erste Geburt als gut empfunden hat. Umgekehrt können schlechte Erfahrungen bei der ersten Geburt belastend wirken. Manche Frauen sind dann verkrampft, weil sie innerlich auf die nächste Katastrophe warten.

Was würden Sie in einem solchen Fall raten?

Ich weiß, es klingt einfacher, als es manchmal ist, aber es kann entscheidend sein: positiv in die Geburt gehen und locker lassen. Suchen Sie sich eine Klinik, in der Sie das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein. Vertrauen Sie darauf, dass der Arzt und die Hebamme alles tun werden, damit die Geburt für Sie und das Baby gut läuft. Lassen Sie sich von Ihrem Bauch leiten, versuchen Sie, den Kopf abzuschalten. Mütter, denen das gelingt, tun sich deutlich leichter.

Wie kann der Mann seiner Partnerin bei der Geburt helfen?

Indem er sich ganz und gar auf die Bedürfnisse der Frau einstellt und gut mit dem Personal zusammenarbeitet.

Heißt einmal Kaiserschnitt immer Kaiserschnitt?

Frauen, die bei der ersten Geburt einen Kaiserschnitt hatten, fürchten oft, dass auch bei der zweiten einer gemacht wird. Das muss aber nicht zwangsläufig sein, sondern hängt davon ab, aus welchem Grund bei der ersten Geburt operiert wurde. In vielen Fällen kann die Frau das zweite Baby ganz normal zur Welt bringen. Auch ein Bruch der alten Narbe ist heute kein Argument mehr. Nahttechnik und -material sind inzwischen so weit entwickelt, dass die Gefahr minimal geworden ist.

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