Erstaunliches Phänomen

Superfötation: Schwangere können erneut schwanger werden!?

Und plötzlich zeigt das Ultraschallbild zwei Babys: Wenn eine schwangere Frau erneut schwanger wird, spricht man von einer Superfötation oder Superfekundation. Ein äußerst seltenes Phänomen, das Betroffene sprachlos macht und Mediziner fasziniert.

Superfötation – kurz erklärt:

Unter einer Superfötation, auch Überbefruchtung genannt, versteht man die Befruchtung und Einnistung einer weiteren Eizelle während einer bereits bestehenden Schwangerschaft. Das heißt, eine Frau, die bereits ein Kind erwartet, wird im Abstand von ein paar Wochen erneut schwanger. Die Babys wachsen parallel heran, sind aber unterschiedlich entwickelt. 

Voraussetzungen für eine Superfötation

Damit eine Frau auf natürliche Weise schwanger wird, müssen viele Faktoren stimmen: vom Eisprung über die Verschmelzung mit einem Spermium bis hin zur Einnistung. Neben den körperlichen Voraussetzungen ist das richtige Timing für viele Eltern in spe eine Herausforderung. Für Paare, die sich Nachwuchs wünschen, ist es oft ein langer Weg, bis ihr Kinderwunsch endlich in Erfüllung geht. Vor diesem Hintergrund ist es kaum zu glauben, dass Frauen während einer bestehenden Schwangerschaft gleich ein zweites Mal schwanger werden können. 

Für eine Superfötation muss zunächst einmal ein weiterer Eisprung stattfinden. Normalerweise verhindert der veränderte Hormonspiegel nach der Ovulation und mit der beginnenden Schwangerschaft erneute Follikelsprünge. Diese setzen eigentlich erst nach der Geburt wieder ein, wenn der Körper der frischgebackenen Mama bereit für ein nächstes Baby ist. 

Eine zusätzliche Bedingung dafür, dass eine Frau in den vierzig Wochen ab ihrer ersten Empfängnis nochmal schwanger wird: Die Samenflüssigkeit muss die Eizelle erreichen. Auch hier schiebt die Natur im Normalfall im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vor: Der Gebärmutterhals ist zum Schutz des Babys während einer Schwangerschaft blockiert, auch für Spermien. 

Nicht zuletzt muss ausreichend Platz im Uterus sein. Zudem muss das Endometrium, also die Gebärmutterschleimhaut, die Einnistung der zweiten befruchteten Eizelle erlauben. Dabei spielen eine Vielzahl an Hormonen eine Rolle. Es müssen also zugleich jede Menge Prozesse anders laufen als von der Natur vorgesehen, damit eine Superfötation überhaupt stattfinden kann. Ein echtes Wunder der Natur also ... 

Lest auch: So entwickeln sich Babys in der Schwangerschaft

Wie wahrscheinlich ist eine Superfötation?

Superfötationen sind aus dem Tierreich bekannt. Bei Säugetieren wie beispielsweise Hunden, Katzen und Feldhasen lässt sich das Phänomen gelegentlich beobachten. Beim Menschen hingegen ist die Superfötation extrem unwahrscheinlich. Nur vereinzelt wurden echte Fälle dokumentiert, so zuletzt im internationalen Fachjournal "European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology". Darin ist vom Verdacht auf weltweit zehn menschliche Superfötationen die Rede. 

Wahrscheinlicher als eine Superfötation ist eine sogenannte Superfekundation. Dieses Phänomen kann leicht mit der Überbefruchtung verwechselt werden. Dabei finden zwei Eisprünge und Befruchtungen kurz hintereinander statt. Das Resultat sind zweieiige Zwillinge unterschiedlichen Alters, die unter Umständen sogar von zwei verschiedenen Vätern stammen können.

Superfekundation: Das Phänomen der Überschwängerung

Zu einer Superfekundation, auch Überschwängerung genannt, kann es kommen, wenn innerhalb eines Menstruationszyklus eine weitere Eizelle befruchtet wird und sich ebenfalls in der Gebärmutter einnistet. 

Es gibt sogar Fälle, in denen Frauen Zwillinge von unterschiedlichen Männern erwarten. Dann spricht man von einer "heteropaternalen Superfekundation". Dafür muss die Frau mit beiden Geschlechtspartnern kurz hintereinander Sex haben – und ausgerechnet dann müssen auch zwei Eizellen springen. Die Babys teilen sich eine Gebärmutter, sind aber nur Halbgeschwister, da sie verschiedene Väter haben. 

Ebenso wie die Superfötation ist auch die Superfekundation sehr selten. Auch hier gibt es nur wenige dokumentierte Fälle. Allerdings können Überschwängerungen auch unbemerkt bleiben. Betroffene bringen Zwillinge zur Welt, ohne zu ahnen, dass die Befruchtung zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattgefunden hat. Meist erkennen Mediziner allerdings frühzeitig, wenn die Babys unterschiedlich weit entwickelt sind, wie in unserem Beispiel ...

Echte Fälle: Frauen erwarten unterschiedlich alte Babys

Gelegentlich bringen die Geschichten von Frauen, die das Phänomen der Überbefruchtung oder Überschwängerung am eigenen Leib erfahren, Menschen weltweit zum Staunen. 

So auch der Fall der Britin Rebecca Roberts, die 2020 Zwillinge zur Welt brachte. Erst bei einer Kontrolluntersuchung in der zwölften Schwangerschaftswoche bemerkte der Arzt das zweite Baby. Gegenüber dem britischen Magazin My Journal berichtet die 39-Jährige: "Nach mehreren Ultraschalluntersuchungen kamen Spezialisten am Bath Royal United Hospital zu dem Schluss, dass ich einen weiteren Eisprung gehabt haben musste. Ich wurde also schwanger, während ich schon schwanger gewesen war." Die Ärzte stellten fest, dass Baby Nummer zwei drei Wochen nach dem ersten gezeugt worden war. Am 17. September 2020 kamen Noah und seine jüngere Schwester Rosalie gemeinsam zur Welt. Über ihren Instagram-Account roberts.supertwins teilt Rebecca ihre erstaunliche Geschichte. 

In einem anderen Fall aus Kolumbien, über den das Magazin El Espectator berichtete, hatte eine Frau 2018 ebenfalls Zwillinge zur Welt gebracht. Weil ihr damaliger Ehemann seine Vaterschaft anzweifelte, machten sie einen genetischen Test. Mit dem Ergebnis hatte niemand gerechnet: Ihr Mann war sehr wohl der Vater, allerdings nur von einem der Babys. Das Geschwisterkind musste von einem Liebhaber der Mutter gezeugt worden sein. 

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