Alles andere als geregelt

Periode nach der Geburt: Wann kommt die erste Menstruation?

Bis die erste Periode nach der Geburt einsetzt, können mehrere Wochen oder sogar Monate vergehen. Der Hormonhaushalt muss sich erst einpendeln. Besonders bei stillenden Frauen verzögert sich die Menstruation. Ab wann mit der ersten Periode nach der Schwangerschaft zu rechnen ist und wie sich die Monatsblutung verändern kann.

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Unsere Expertin

Für diesen Artikel stand uns Dr. Mandy Mangler als Expertin zur Seite. Sie leitet die Gynäkologie- und Geburtshilfe im Auguste-Viktoria-Klinikum sowie im Klinikum Neukölln. Zu hören ist die Chefärztin aus Berlin im Podcast "Gyncast". Darin spricht sie alle zwei Wochen über Themen, die Frauen von der ersten bis zur letzten Periode beschäftigen – unter anderem über Kinderwunsch und Kinderkriegen, Sexualität und Verhütung. 

Wann kommt die erste Periode nach der Geburt?

Einige Frauen haben wenige Wochen nach der Entbindung bereits ihre Periode zurück. Andere frisch gebackene Mütter warten mehr als ein Jahr auf die Menstruation. Da liegt die Frage nahe: Was ist normal? 

"Es kommt darauf an, ob die Frau voll stillt oder gar nicht beziehungsweise nur teilweise", erklärt Gynäkologin und Chefärztin Dr. Mandy Mangler vom Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin-Schöneberg. "Während der Stilldauer kommt es in vielen Fällen zu einer Amenorrhö, also zu einem Ausbleiben der Periode." Grund dafür ist das Hormon Prolaktin, welches zusammen mit anderen Botenstoffen nach der Geburt für die Milchproduktion in der Brustdrüse verantwortlich ist. "Prolaktin gaukelt dem Gehirn einen niedrigen Östrogenspiegel vor, sodass die Reifung der Eizellen und der Eisprung gehemmt werden. Infolge bleibt auch die Periode aus oder die Frau menstruiert nur sehr schwach", so Dr. Mangler. Je intensiver eine Mutter stillt, desto mehr Prolaktin wird ausgeschüttet und umso wahrscheinlicher ist eine sogenannte Stillamenorrhö oder Laktationsamenorrhö. In diesem Fall können sogar nach dem Abstillen noch bis zu drei Monate vergehen, bis sich ein normaler Zyklus einpendelt.

Nach sechs bis zwölf Wochen setzt die Menstruation in der Regel wieder ein, sofern die Frau nicht stillt. In selten Fällen auch schon nach vier Wochen. Neben dem Prolaktinspiegel nimmt das Stadium der Rückbildung Einfluss auf den Zyklus.

Ab wann sollten Frauen zum Arzt oder zur Ärztin?

"Setzt die Periode drei Monate nach dem Abstillen noch immer nicht ein, sollten Frauen zum Gynäkologen oder zur Gynäkologin gehen", rät Leiterin der Gynäkologie- und Geburtshilfe Dr. Mandy Mangler. Gleiches gilt, wenn die Menstruation nach der Geburt mit sehr starken Blutungen und Schmerzen einhergeht. Auch wenn dies bedingt normal ist nach einer Schwangerschaft, kann ein Termin in der Frauenartzpraxis für Beruhigung sorgen. 

Wochenfluss oder Menstruation nach der Geburt?

Bei den ersten Blutungen unmittelbar nach der Geburt handelt es sich in der Regel um den Wochenfluss. Wenn sich nach der Entbindung die Gebärmutter zusammenzieht, löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. "Es entsteht eine Wunde, die abheilen muss", sagt Dr. Mangler. "Während der Wundheilung kommt es typischerweise zu Blutungen, die man auch Wochenfluss nennt." Der geburtsbedingte Ausfluss endet meist nach spätestens sechs Wochen und ist zum Ende hin eher weißlich bis hell gefärbt.

Die Periode hingegen setzt frühestens nach vier Wochen ein. Menstruationsblut ist zudem üblicherweise in der ersten und letzten Phase bräunlich. Außerdem ist die Konsistenz etwas anders als beim Wochenfluss. Wenn die erste Periode nach der Geburt beginnt, bemerken Frauen meist, dass der Wochenfluss bereits abklingt, dann aber wieder mit frischerem Blut durchsetzt ist. Wer sich unsicher ist, kann seine Hebamme um Rat fragen oder im Rahmen der frauenärztlichen Kontrolluntersuchung nachhaken.

Wie verändert sich die Periode nach der Geburt?

Mit der Schwangerschaft und Geburt erlebt der weibliche Körper viele Veränderungen. Davon ist häufig auch die Menstruation betroffen. So haben viele Frauen in den ersten Monaten einen unregelmäßigen Zyklus sowie intensivere und schmerzhaftere Perioden. “Das ist zwar unangenehm, aber erstmal kein Grund zur Sorge", gibt die Gynäkologin Entwarnung. "Eine stärkere Blutung ist meist schlicht und einfach ein Zeichen, dass die Gebärmutter mal größer war und sich aufgrund dessen dickere Blutgefäße gebildet haben." Äußerst selten könnten Krampfadern im Uterus entstehen. Doch auch die seien nicht besorgniserregend und in der Regel gut behandelbar.  

Während einige Frauen nach der Geburt stärker bluten, menstruieren andere junge Mütter schwächer als noch vor der Schwangerschaft. Dies sei beispielsweise bei Patientinnen mit der Diagnose Endometriose der Fall, so die Expertin. 

Schwanger trotz ausbleibender Periode nach der Geburt – geht das?

Keine Periode, keine Fertilität? Ganz so einfach ist es nicht. In den ersten vier bis sechs Wochen ist die Fruchtbarkeit herabgesetzt und das Stillen kann die Eizellenreifung über einen längeren Zeitraum unterdrücken. Trotzdem ist eine erneute Schwangerschaft nie ganz auszuschließen. Chefärztin Dr. Mangler erläutert: "Der erste Eisprung nach der Geburt kann ganz unbemerkt einsetzen. Paare, die eine Schwangerschaft verhindern möchten, sollten deshalb mit dem Verhüten nicht bis zur ersten Blutung warten."

Wichtig für stillende Mütter ist, dass das Verhütungsmittel keinen Einfluss auf die Milchproduktion hat. Am besten lassen sich Paare von der Gynäkologin oder dem Gynäkologen beraten, zum Beispiel im Rahmen der Nachuntersuchung sechs Wochen nach der Entbindung. 

Tampons nach der Geburt? Welche Hygieneartikel eignen sich?

Für die Zeit des Wochenflusses, also die ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt, sind Binden die beste Wahl. "Solange die Wundheilung im Unterleib nicht abgeschlossen ist, sollte das Blut gut abfließen können", so unsere Expertin Dr. Mandy Mangler. "Ist der Wochenfluss versiegt, können Frauen auch wieder zu Tampons, Menstruationstassen* oder einem anderen Hygieneartikel ihrer Wahl greifen." Die Anwendung kann sich gerade bei der ersten Periode nach der Geburt noch ungewohnt anfühlen. Manche Frauen schwören in dieser sensiblen Phase auf Periodenunterwäsche*. Wichtig zu wissen: Schmerzen sollten nicht auftreten. Im Zweifelsfall lieber einmal mehr die Hebamme fragen oder ärztlichen Rat einholen.

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