Das Baby willkommen heißen

Pränatale Bindung: Mit dem Baby im Bauch Kontakt aufnehmen

Schwangere, aber auch werdende Papas, die schon vor der Geburt Kontakt zum Ungeborenen aufnehmen, verhelfen dem Baby zu einem besseren Start ins Leben. Auch den Eltern selbst gelingt der Übergang in diese neue Phase leichter. Das Baby profitiert sein Leben lang von dieser frühen Bindung.

Sprechen, singen, massieren – die Kontaktaufnahme zum Baby, die gut für die pränatale Bindung ist, geht ganz einfach. Werdende Mütter wissen intuitiv, wie sie mit dem Ungeborenen ins Gespräch kommen. Und sie legen mit dieser Zuwendung die Grundlage für einen guten Start. "Dabei geht es bei der Bindung auch um die Vermeidung traumatischer Geburtserfahrungen mit Angst und Verzweiflung des Babys, sodass eine gute Geburt das Selbstbewusstsein des Babys stärkt und dabei frühe seelische Schädigungen verhindern kann. Ein gutes Bonding während der Schwangerschaft führt oft auch auch zu einer guten Zusammenarbeit der Mutter mit dem Baby bei der Geburt", sagt der Psychologe Gerhard Ottomann aus Berlin. "Die Eltern sind dann in der Regel eher auf die bessere Situation des Babys als auf ihre eigene Situation orientiert. Insbesondere Mütter haben über den Anstieg des Oxytocins während der Schwangerschaft und Geburt, aber auch hinterher eine Art biologisch-basierte Sorge für das Baby. Väter können diese ebenfalls entwickeln."

Wie das Baby von pränataler Bindung profitiert

Natürlich profitiert das Baby auch weiterhin von der frühen Bindung. Studien haben gezeigt, dass Babys es durchaus spüren, ob sie erwünscht sind oder nicht. Und wenn ihr euch als Mama und Papa schon in der Schwangerschaft mit eurem Baby beschäftigt, es willkommen heißt und mit ihm kommuniziert, geht ihr damit einen großen Schritt, um das richtige Kennenlernen nach der Geburt vorzubereiten.

Ungeborene Babys spüren schon früh in der Schwangerschaft, wenn ihr liebevoll den Bauch streichelt. So baut ihr – neben der hormonellen Verbindung über die Plazenta – auch eine sensorische Verbindung (Bonding) mit eurem Kind auf. Übrigens: Über die Hormone, die neben den Nährstoffen durch die Plazenta auf das Ungeborene übergehen, erlebt das Kind unmittelbar sämtliche Gefühle seiner Mama mit. Was gut ist, denn so lernt es bereits das emotionale Spektrum kennen. Und: Ihr teilt so schon in der Schwangerschaft gemeinsame Erlebnisse. Das Baby probiert auch schon seine Sinne aus: Es schmeckt, wenn ihr etwas anderes esst, es spürt, wenn ihr euch bewegt und wie das Herz der Mutter schlägt.

Ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche können Babys hören. Das bedeutet, dass sie schon im Bauch Stimmen wahrnehmen und auch merken, wenn Mama und Papa häufig und liebevoll mit ihnen sprechen. Sie lernen so – wenn auch gedämpft – eure Stimmen kennen, die ihnen dann nach der Geburt schon ganz vertraut sind.

Bonding: für eine lebenslange Verbindung

Die Bindungsforschung hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Erkenntnisse erhalten, die zeigen, wie wichtig und bedeutsam eine sichere Mama-Kind-Bindung ist. Natürlich gilt das auch für die Papa-Kind-Bindung. Beide wirken sich positiv auf die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung des Kindes aus, machen das Kind selbstbewusst und befähigen es später dazu, gute Beziehungen zu führen. Außerdem sorgen sie für Resilienz (psychische Widerstandskraft).

Das Konzept der Mutter-Kind Bindungsanalyse

Bei der "Mutter-Kind Bindungsanalyse" (nach den Begründern György Hidas und Jenö Raffai) verhilft ein ausgebildeter Mutter-Kind Bindungsanalytiker der Mutter in der Schwangerschaft mit einer besonderen Technik, regelmäßig in einen mentalen Kontakt mit dem Baby zu gelangen. (Nachzulesen auch in ihrem Buch "Nabelschnur der Seele: Psychoanalytisch orientierte Förderung der vorgeburtlichen Bindung zwischen Mutter und Baby"*, Psychosozial-Verlag, 26,90 Euro, z. B. über amazon.de.) "Vor der Geburt kann man mit dieser Fähigkeit des mentalen Austauschs alle erschreckenden und schwierigen Einflüsse der Geburt mit dem Baby durchsprechen, quasi wie bei einem Drehbuch", so Gerhard Ottomann. "Die Erfahrungen mit der außergewöhnlichen seelischen Stabilität der Kinder nach einer solchen Bindungsanalyse sind umwerfend", sagt Gerhard Ottomann weiter. Kinder, deren Mütter diese Technik in der Schwangerschaft angewendet haben, sehnen sich in der Regel nicht in den Mutterleib zurück, berichtet Ottomann. Diese Sehnsucht, die sonst hin und wieder vorkommt, könne bei Erwachsenen leider das Risiko erhöhen, an Depressionen zu erkranken.

6 Tipps – das kann Mama für das Baby im Bauch tun

Im Rahmen einer Studie am Universitätsklinikum Mannheim haben Schwangere eine Vielzahl von Methoden zur Körperwahrnehmung, Entspannung und Kontaktaufnahme mit dem Ungeborenen im Bauch angewendet. 
Unter anderem sollten die werdenden Mamas

  1. täglich 20 Minuten entspannen und die Aufmerksamkeit auf das Baby richten.
  2. mindestens zweimal in der Woche 30 Minuten lang klassische Musik hören.
  3. Tagebuch führen (um Klarheit über die eigenen Gefühle zu gewinnen).
  4. täglich dem Baby ein oder zwei Lieder vorsingen und dazu sanft tanzen.
  5. bei Kindsbewegungen den Bauch sanft streicheln, die Stellen großflächig kreisförmig massieren und dabei mit dem Baby sprechen.
  6. das Baby im Bauch vom 7. Monat an zweimal pro Woche vom Kopf bis zu den Zehen streicheln und es durch Stupsen in den Bauch zum Spielen einladen.

In der Schwangerschaft etwas für die Zukunft tun

Der Psychologe Gerhard Ottomann hat zwei weitere wertvolle Tipps für Schwangere: "Wenn die Mutter mit dem ungeborenen Baby täglich zehn Minuten auf den Schaukelstuhl geht, wird der Gleichgewichtssinn des Ungeborenen stimuliert, was nachweislich zu einer höheren Intelligenz des Babys führt." Auch sein zweiter Tipp dürfte (werdende) Eltern interessieren: "Das Baby übernimmt den Biorhythmus der Mutter, also wäre es gut, in der Schwangerschaft so früh wie möglich schlafen zu gehen, damit das Baby abends schläft, wenn es auf der Welt ist. Die Eltern können sich so einen freien Abend sichern." Probiert es doch einfach aus.

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