Bauchkrämpfe

Endometriose: mögliche Ursache von Regelschmerzen

Bauchweh und Krämpfe während der Periode sind völlig normal. So denken viele – aber es stimmt nicht. Dahinter kann eine Krankheit stecken, die schlimmstenfalls zur Unfruchtbarkeit führt. Wir haben eine Frauenärztin zu der sogenannten Endometriose befragt. Und erklären, was man dagegen tun kann.

Heftige Bauchschmerzen, Unterleibskrämpfe oder ein Ziehen vom unteren Rücken bis in die Füße – seit der Pubertät litt ich unter starken Regelschmerzen. Ohne Schmerztabletten ging oft gar nichts. Von Zyklus zu Zyklus kamen die Beschwerden früher und gingen später. Als "total normal" hat mein damaliger
Frauenarzt meine Probleme abgetan. Erst einige Jahre später, mit 25, hatte ich nach einer OP eine Diagnose: Endometriose. Eine gutartige, aber chronische Erkrankung, von der fünf bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind und die oft unerkannt bleibt. Im Schnitt vergehen 10,4 Jahre von den ersten Symptomen bis zur Diagnose. Ein langer Leidensweg mit einer Krankheit, die sogar unfruchtbar machen kann.

Wir haben die Frauenärztin Judith Bildau dazu befragt, warum es Sinn macht, sich bei Regelschmerzen immer Hilfe zu holen:

Leben & erziehen: Was ist eine Endometriose?

Dr. Judith Bildau: Ganz vereinfacht erklärt, befindet sich bei dieser Krankheit gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Die Bezeichnung "Endometriose" kommt vom lateinischen Namen für Gebärmutterschleimhaut, dem "Endometrium". Genauso wie die Schleimhaut der Gebärmutter baut sich dieses Gewebe, das sich außerhalb befindet, zyklusabhängig auf und ab.

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Unsere Expertin

Dr. Judith Bildau ist fünffache (Patchwork-)Mama und Frauenärztin. Sie lebt und arbeitet in der Toskana.

Welche Symptome haben Betroffene?

Die Beschwerden sind vielfältig. Sie hängen davon ab, wo sich das Gewebe, das da nicht hingehört, befindet. Die Endometriose kann sehr starke Regelschmerzen verursachen, die den ganzen Bauchraum einnehmen und bis in den Rücken ziehen. Liegt das Gewebe an der Harnblase, können Beschwerden beim Wasserlassen und auch blutiger Urin auftreten. Liegt es am Darm, kann es zu Durchfall, Verstopfung oder auch mit Blut versetztem Stuhl kommen. Meist treten diese Symptome zunächst in der zweiten Zyklushälfte auf, da sich die Gebärmutterschleimhaut zu diesem Zeitpunkt auf baut – oder während der Periode, wenn sie abblutet. Ist es bereits zu Vernarbungen und/oder Verwachsungen gekommen, können auch Dauerschmerzen vorliegen.

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Wieso bleibt die Endometriose oft unerkannt?

Die Symptome sind oft sehr unspezifisch, müssen nicht jeden Monat gleich stark sein und werden nicht selten fehlinterpretiert. Dazu galt es viele Jahre (oder Jahrzehnte!) als völlig normal, Regelschmerzen zu haben – auch wenn diese sehr stark und für die Frauen kaum zu ertragen waren.

Wann sollten wir zum Frauenarzt?

Ich denke, Mädchen und Frauen sollten ihren Arzt oder ihre Ärztin immer aufsuchen, wenn sie Fragen, Sorgen oder Beschwerden haben. Und wenn genannte Beschwerden vorliegen, macht es absolut Sinn, die Befürchtung, möglicherweise an einer Endometriose zu leiden, auszusprechen.

8 Jahre dauert es im Schnitt, bis Endometriose erkannt wird

In diesem Video beschreiben achtjährige Mädchen – ihr Alter entspricht der Dauer, die viele Frauen auf ihre Diagnose warten –, wie schlimm Frauen unter Endometriose leiden, ohne dass die Krankheit erkannt wird.

Wie kann man die Krankheit feststellen?

Sowohl eine Ultraschall- als auch eine Kernspin-Untersuchung können erste Hinweise auf eine Endometriose geben. Eine exakte Diagnose kann aber nur durch eine Gewebeentnahme erfolgen. Dazu benötigt es in der Regel immer einen kleinen Eingriff, eine Bauchspiegelung. Durch eine Kamera, die durch den Bauchnabel in den Bauchraum eingeführt wird, können Endometriose-Herde schon meistens optisch erkannt werden. Dann werden Gewebeproben entnommen, die anschließend histologisch untersucht werden.

Wie sieht eine Therapie aus?

Die Behandlung setzt sich aus verschiedenen Stützpfeilern zusammen, zum Beispiel einer Operation, einer hormonellen Behandlung und einer guten Schmerztherapie. Alternativmedizinische Ansätze wie TCM oder Akupunktur sowie pflanzliche Entzündungshemmer sind ebenfalls sinnvolle Maßnahmen. Hilfreich ist auch die Anpassung des eigenen Lebensstils, zum Beispiel sich mehr zu bewegen und Stress zu reduzieren.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Endometriose zurückkommt?

Wir sprechen von einer chronischen Erkrankung. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es nach einer OP und der Entfernung von Gewebe zur erneuten Ausbildung von Herden kommen kann. Aus diesem Grund ist eine enge Anbindung an einen Facharzt und ggf. auch eine hormonelle Anschlusstherapie notwendig.

Warum haben Erkrankte oft Probleme, schwanger zu werden?

Das kann mehrere Ursachen haben: Befindet sich der Endometriose-Herd zum Beispiel im Eierstock, können die Eizellreifung und der Eisprung gestört sein. Beim Befall des Eileiters kann es zu einer Verhinderung der Befruchtung und auch des Transports des befruchteten Eis kommen. Ein Sitz innerhalb der Gebärmutter kann die Einnistung des Eis erschweren. In diesen Fällen ist eine Operation häufig nötig, um das Endometriose-Gewebe komplett zu entfernen und die Chancen auf das natürliche Einsetzen einer Schwangerschaft zu erhöhen. Leider kann es durch die Erkrankung bereits zu Verwachsungen oder Vernarbungen gekommen sein. Deshalb benötigen einige Frauen Unterstützung im Sinne einer Kinderwunschbehandlung.

PS: Acht Jahre nach der Diagnose kam die Endometriose bei mir zurück – gleichzeitig hatte ich einen starken Kinderwunsch. Ich habe mich gegen die erneute OP und fürs "einfach Versuchen" entschieden. Meine beiden Kinder, di ich trotz Endometriose gesund zur Welt gebracht habe, sind für mich ein doppeltes Wunder!

Zum Weiterlesen

Mehr Infos und Fachadressen gibt es hier im Netz:

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Unsere Autorin

Dorothee Dahinden litt jahrelang unter Endometriose. Die Journalistin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern an der Ostsee.

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