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Geburtsvorbereitung

Gut vorbereitet durch die Schwangerschaft

Hinweise und Tipps, wie sich werdende Eltern während der Schwangerschaft auf die Geburt und auf das Baby vorbereiten.

Heute ist ein besonderer Tag für Caro (32) und Nick (37) Engelmann. Überwältigt hält Caro den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Was sie in den letzten Tagen schon ahnte, ist nun bestätigt: Ihr Wunschkind ist auf dem Weg. Bis das Baby das Licht der Welt erblickt, bleiben dem Paar noch etwa achteinhalb Monate – die können Caro und Nick gut gebrauchen. Denn die Ankunft des neuen Erdenbürgers will gut vorbereitet sein. Doch erst mal heißt es jetzt, die Vorfreude zu zweit auszukosten.

Viele Paare entscheiden sich dafür, erst nach zwölf Wochen Schwangerschaft oder nach der ersten großen Ultraschalluntersuchung anderen davon zu erzählen. Denn zu diesem Zeitpunkt passieren Fehlgeburten nur noch sehr selten. Außerdem ist es schön, das süße Geheimnis für einige Zeit zu zweit zu genießen.

Zeit für sich
In jedem Fall sollten werdende Mamis in der Schwangerschaft gut zu sich sein, sich viel mit sich und ihrem Körper beschäftigen, empfiehlt Susanne Toth, freie Hebamme aus Hamburg. Wesentlich ist so wenig Stress wie möglich, oder zumindest regelmäßige Auszeiten zum Entspannen und Wohlfühlen. Auch eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung dürfte selbstverständlich sein. Rauchen und Alkohol sind in dieser Zeit natürlich tabu. Viel Bewegung an der frischen Luft tut gut und hält den Kreislauf in Gang. Unter- und Übergewicht sind weder für die Mutter noch für den Nachwuchs gesund.

Sportliche Frauen sollten mit ihrem Gynäkologen sprechen, welche Sportarten in der Schwangerschaft n welchem Ausmaß in Ordnung sind. Leistungssport passt ganz klar nicht in diese Lebensphase. Doch das Wichtigste: Mamis in spe sollten auf sich hören und auf körpereigene Signale achten. Dann machen sie in den meisten Fällen alles richtig.

 

Ganzheitlich betreut in der Schwangerschaft

Es wird Caros erstes Baby sein. Sie entschließt sich dazu, ein Vorgespräch zum Kennenlernen mit der Hebamme zu vereinbaren, die eine Freundin ihr empfohlen hat. Zum Glück stimmt die Chemie, sodass Tanja nun Caro und ihre Familie als Hebamme bis zur Beikosteneinführung beim Baby betreuen wird. „Durch diese Begleitung vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit kann die Hebamme die werdende und junge Familie ganzheitlich betreuen“, so Christina Hinderlich, Hebamme bei Weleda. „Sie kennt die familiäre Situation, die oft sehr facettenreich ist, und kann dieses Wissen in eine individuelle Betreuung mit einfließen lassen“, so die Hebamme über die Vorteile eines frühen und engen Kontakts.

Außerdem wisse die Hebamme Schwangerschaftssymptome richtig einzuordnen. Übelkeit, Rückenschmerzen und Schlafstörungen sind in einer Schwangerschaft „normal“. Wichtig ist, dass die Schwangere diese als solche versteht und sie nicht als krankhaft ansieht. Christina Hinderlich: „Das gibt einer Frau auch das Gefühl, dass ihr Körper dazu in der Lage ist, eine Schwangerschaft aus eigenen Kräften auszutragen, ohne medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist sehr wichtig – denn wenn ich das Gefühl habe, mein Körper kann gewisse Dinge nicht ohne Hilfe, dann traue ich mir eine Geburt, ein normales Wochenbett oder das Stillen nicht wirklich zu.“

Die Vorfreude - aufs Baby - ist die schönste Freude

Tanja rät Caro, sich schnellstmöglich zu einem Geburtsvorbereitungskurs anzumelden. Hier berichten die Kursleiter über die verschiedenen Geburten, wo und wie man entbindet, welche Möglichkeiten zur Schmerzlinderung es gibt und was tatsächlich im Geburtsverlauf passiert. Außerdem lernen viele werdende Eltern Atem- und Bewegungsübungen für die Geburt. Ganz wichtig an diesen Kursen: Teilnehmer haben einen kompetenten Ansprechpartner und lernen Familien kennen, die zu einem ähnlichen Zeitpunkt entbinden. Caro und Nick entscheiden sich für einen wöchentlichen Kurs, bei dem der Partner mit dabei sein kann. Es gibt aber auch Kurse nur für Frauen oder Intensivkurse am Wochenende.

Wissen teilen – gewusst wie
Doch auch zu Hause kann frau viel tun. „Als Vorbereitung auf die Geburt sollten werdende Eltern mitteilungsbedürftige Menschen ihres Umfelds darum bitten, nicht von eigenen Geburtserlebnissen zu erzählen. Denn oftmals sind diese Geschichten mit nicht verarbeiteten Traumatas verbunden und haben mit der eigenen anstehenden Geburt nichts zu tun“, so Hinderlich. „Die Angst ist ein schlechter Begleiter unter der Geburt“. Zudem hält sie Beckenbodentraining und Dammmassage für eine wichtige Vorbereitung. Caro will beim nächsten Treffen ihre Hebamme um eine Anleitung bitten.

Ein bisschen Angst oder zumindest Respekt vor der Geburt und den nun vor einem stehenden Veränderungen ist ganz normal. Oft ist es hilfreich, sich mit anderen Schwangeren, gerne auch mit Hebamme oder Gynäkologen, zu unterhalten. In Erzählcafés berichten Frauen unter Moderation von der Geburt ihres Kindes. Ziel der Initiative ist es, altes Familienwissen wieder aufleben zu lassen und „Horrorgeschichten“ über Geburten zu relativieren. „Die Geburt gehört ins Leben und zum Leben dazu. Wenn wir unsere Erlebnisse wieder mit anderen Frauen teilen, dann haben wir auch die Möglichkeit, die Geburt als etwas Normales und Gesundes zu begreifen“, so Hinderlich.

Zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik entbinden?

Caro möchte, wie die Mehrheit der deutschen Frauen, im Krankenhaus entbinden. Im Kreißsaal stehen die besten technischen und medizinischen Mittel zur Verfügung, falls es zu Komplikationen kommen sollte. Caro ist wichtig, dass die Geburtsklinik in der Nähe ihrer Wohnung liegt und dass es eine Kinderstation gibt, falls nach der Geburt etwas sein sollte. Dann könnten Mutter und Kind wenigstens in derselben Klinik sein. Entbindungskliniken bieten regelmäßig Infoabende an, oft auch verbunden mit einer Kreißsaal-Besichtigung. Diese Termine sind sehr sinnvoll, denn häufig finden werdende Eltern erst vor Ort heraus, wo sie sich wohlfühlen und worauf es ihnen tatsächlich ankommt.

Weniger Eingriffe als im Krankenhaus
„Leider haben wir durch die hohe Kaiserschnittrate das Gefühl, Geburt sei unglaublich gefährlich und jede Geburt müsse mit viel Technologie überwacht werden. Aber letztlich sind es die Frauen, die gebären“, so Susanne Toth. „Und die Hebamme hat die Kompetenz zu entscheiden, wann die Frau oder das Kind intensivmedizinische Hilfe braucht.“

Toth verweist auf eine neue Richtlinie des englischen Gesundheitsministeriums, die allen Frauen mit geringem Risiko zur außerklinischen Geburt – also entweder zu Hause oder im Geburtshaus – rät. Das Risiko eines medizinischen Eingriffs sei in der Klinik höher als im Geburtshaus oder zu Hause. Zudem fühlen die Frauen sich in den eigenen vier Wänden meistens am wohlsten und können daher besser entspannen.

Im Geburtshaus wie zu Hause fühlen

Tatsächlich  erfreuen sich die hebammengeführten Geburtshäuser in Deutschland wachsender Beliebtheit. Denn hier ist es gemütlicher und wesentlich familiärer als in einer Klinik. Mamis in spe wissen, dass sie nicht krank sind, sondern schwanger. Und wenn es unter der Geburt doch zu einem Notfall kommen sollte, transportiert ein Rettungswagen die entbindende Mutter in das nächstgelegene Krankenhaus. Die wenigsten werdenden Eltern entscheiden sich heutzutage für eine Hausgeburt. Aber auch das ist möglich.

Eine schnelle und schmerzarme Geburt?
Sicher wünschen sich die meisten Frauen eine wenig schmerzhafte, schnelle und möglichst natürliche Geburt. Caro stellt sich eine Geburt ohne PDA vor und lässt dies auch im Klinik-Geburtsplan aufnehmen. Ob sie dabei bleiben wird, zeigt sich erst unter der Geburt. Denn die Wehenschmerzen und die allgemeine Verfassung fallen bei jeder Gebärenden anders aus und sind vorher nicht einzuschätzen.
„Hypnobirthing“ können Schwangere und ihre Partner in speziellen Kursen üben. Es handelt sich um eine Art Meditation oder Selbsthypnose, bei der die Frauen in eine Art entspannten Trancezustand verfallen und idealerweise dadurch besser mit den Geburtsschmerzen umgehen können oder sie sogar weniger spüren. In vielen Kliniken gibt es jedoch noch kein geschultes Personal, sodass die Vorstellungen einer (natürlichen) Geburt dort oftmals auseinanderklaffen.

Die Geburt steht kurz bevor
Der große Tag rückt immer näher. Caro bereitet nun – etwa vier Wochen vor dem Stichtag – die Kliniktasche mit den wichtigsten Dingen für die Geburt und die ersten Stunden danach vor. So steht die Tasche schon mal bereit, falls es früher als erwartet losgehen sollte. Nun heißt es, geduldig zu sein und den großen Tag abzuwarten, wenn sich die Geburt ankündigt.

Unsere Expertinnen

  • Susanne Toth

Freie Hebamme in Hamburg, www.schanzenhebammen.de

 

 

Christina Hinderlich

Hebamme, Dipl. Pflegewissenschaftlerin, Leitung Fachbereich Hebammen, Weleda AG, Arlesheim, Schweiz

 

 

 

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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