Übelkeit, "spitzer" Bauch, essen für 2

Mythen rund um die Schwangerschaft

Spitzer Bauch – es wird ein Junge! Übelkeit – es wird ein Mädchen. Um die Schwangerschaft ranken sich viele Mythen. Experten sagen, was von solchen überlieferten Geschichten zu halten ist.

Herzogin Kate leidet auch in ihrer dritten Schwangerschaft unter extremer Morgenübelkeit. Studien zufolge spricht das eigentlich für ein Mädchen. Jedoch hätte demnach mancher Christian eine Christiane werden müssen, manche Antonia ein Anton. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Und der kleine George hat dann ja tatsächlich ein Schwesterlein bekommen.

Runder Bauch – es wird ein Mädchen, spitzer Bauch – es wird ein Junge!

Ein Körnchen Wahrheit ist dran, aber nicht mehr, sagt die Frauenärztin Dr. Barbara Schmalfeldt, Oberärztin am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München. Die Form des Bauches hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Form des Beckens oder der Größe des Kindes. Ist das Ungeborene groß (und das sind Jungen häufig), fügt es sich nicht so leicht ins kleine Becken ein. Die Folge: Der Bauch wirkt größer.

Außerdem: Je fester die Muskeln, desto kleiner der Bauch. Bei Frauen, die sehr schlank sind oder zu einem Hohlkreuz neigen, wirkt der Bauch spitzer. Je mehr Kinder eine Frau schon hat, umso runder sieht ihr Bauch aus.

Ein Junge macht die Mama schöner, ein Mädchen gibt Pickel.

Stimmt nicht. Die Hormone von Mutter und Baby beeinflussen sich nicht. Entscheidend ist, welche Hormone sich während der Schwangerschaft im Körper der Frau bilden, erklärt Dr. Barbara Schmalfeldt. Hatte die Frau vorher ein hormonelles Ungleichgewicht, kann die Schwangerschaft ausgleichend wirken. Die Schwangere erblüht, bekommt eine schönere Haut und ihre Haare fetten nicht so schnell. Leider ist es oft auch umgekehrt.

Schwangere müssen für zwei essen! Ein Ammenmärchen?

Stimmt nicht. Eine werdende Mutter braucht nur etwas mehr Kalorien. Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel sind das etwa 300 Kalorien zusätzlich am Tag. Die Devise ist deshalb: nicht mehr, sondern besser essen! Damit das Baby ordentlich wachsen und gedeihen kann, sollten Schwangere auf eine abwechslungsreiche Mischkost mit genügend Mineralstoffen und Vitaminen achten. Wichtig sind Vitamin B12, Jod und Kalzium, aus dem sich Knochen und Zähne entwickeln. Ob die zusätzliche Einnahme einzelner Stoffe sinnvoll ist, bespricht man am besten mit dem Frauenarzt.

Jedes Kind kostet einen Zahn.

Das war früher so, gilt inzwischen aber als überholt. Der Zahnschmelz ist während der Schwangerschaft keineswegs weicher, erklärt Dr. Rainer Seemann, Zahnarzt am Universitätsklinikum Charité in Berlin. Nur der Speichel ändert sich durch die hormonelle Umstellung und den erhöhten Mineralbedarf. Dadurch kommt es eher zu Karies, ebenso kann das Zahnfleisch empfindlicher sein und häufiger bluten. Deshalb ist gerade jetzt eine sorgfältige Mundhygiene wichtig. Das heißt: häufig die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta und einer weicheren Zahnbürste putzen und die Zwischenräume mit Zahnseide reinigen. Wichtig ist außerdem der Besuch beim Zahnarzt zur Prophylaxebehandlung.

"Wenn das Kind zu spät kommt, ist es ein Mädchen, ...

... weil es sich noch kämmen und schön machen muss." Stimmt nicht. Nach der Statistik, so die Frauenärztin, kommen etwa genauso viele Jungen wie Mädchen nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt.

Einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt.

Das ist mittlerweile dank feinerer Nahttechniken und besserer Überwachung während der Geburt überholt. Ausnahmen: Frauen mit anatomischen Veränderungen des Beckens oder starken Krampfadern in der Scheide. Auch wenn das zweite Baby außergewöhnlich groß ist, muss wieder ein Kaiserschnitt gemacht werden.

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