Schwanger in Zeiten des Coronavirus

"Eine Schwangerschaft ist gerade eine Extremsituation"

Janina ist schwanger und verlässt schon seit zwei Wochen das Haus nur noch zum Spazierengehen, Einkaufen oder wenn sie zum Arzt muss. Wir sprachen mit der Senior Account Managerin darüber, wie es ist, in Zeiten von Corona ein Baby zu erwarten. 

Das Interview wurde am 24. März 2020 geführt. 

Janina (39) aus Berlin ist in der 25. Woche schwanger. Ihr erstes Kind Hugo (5) freut sich riesig auf seine kleine Schwester – und bekommt nur am Rande mit, dass sich zu den ganz normalen Gedanken, die sich alle werdenden Eltern machen, gerade noch andere Sorgen bei seiner Mama und seinem Papa mischen. 

Liebe Janina, wie geht es dir aktuell?

Gerade wieder etwas besser, aber die vergangene Woche war nicht gut. Ich hatte neben einer normalen Erkältung Nervenschmerzen im Gesicht, die so heftig waren, dass ich gleich mehrere Ärzte abgeklappert habe. Natürlich überlegt man vor jedem Arztbesuch jetzt drei- oder viermal, ob das wirklich sein muss – aber weil ich wirklich schlaflose Nächte hatte und wegen der Schwangerschaft ja keine Medikamente nehmen kann, sah ich keine andere Möglichkeit. Auslöser war am Ende eine Zahnnerventzündung, die lokal behandelt werden musste. Leider bin ich kurz nach dem Eingriff in der Praxis kollabiert, wurde mit Blaulicht in die Klinik gebracht. Zum Glück durfte ich schnell wieder nach Hause.  

In vielen Krankenhäusern dürfen Väter den Kreißsaal und die Wochenbettstation nicht mehr betreten. Was geht dir durch den Kopf, wenn du darüber nachdenkst?

Natürlich finde ich die Vorstellung, mein Mann könnte die Geburt unseres Kindes verpassen, schrecklich. Außerdem hatte ich mir auch immer schön ausgemalt, wie unser Sohn uns dann im Krankenhaus besucht und seine Schwester kennenlernt ... Schon jetzt ist ja klar, dass es das in der Form nicht geben wird. Andererseits ist mir natürlich auch bewusst, dass diese Schutzmaßnahmen für mich, mein Baby und alle anderen Beteiligten stattfinden und durchaus Sinn machen. 

Zieht ihr alternativ eine Hausgeburt in Erwägung?

Ich glaube, man stellt als Schwangere gerade ganz automatisch nicht nur einen Plan B, sondern auch gleich Plan C und D mit auf. Natürlich ist auch die Hausgeburt eine Möglichkeit, über die man sich Gedanken macht – andererseits wäre ich eben auch gern in einer Klinik mit allen medizinischen Optionen, erst recht dann, wenn ich mich mit Corona infiziere. Das Problem ist gerade einfach, dass man niemanden im Umfeld hat, der eine solche Extremsituation rund um die Geburt schon erlebt hat, mit dem man sich austauschen kann. Bei den Freundinnen, die auch schwanger sind, herrscht ebenso große Ratlosigkeit. Die eine hat in zwei Wochen Termin, hofft aber jetzt, dass das Baby früher kommt – bevor die richtig große Corona-Welle kommt. Und die andere kann durch die Reisewarnungen gerade nicht mal den Vater ihres Kindes sehen, weil er im Ausland arbeitet. 

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Wie groß ist deine Angst, dich bei der Geburt oder im Krankenhaus mit dem Coronavirus anzustecken?

Sie ist auf jeden Fall da – zumal ja im Moment auch schwer absehbar ist, wie die Lage sich bis zum Geburtstermin noch entwickelt. Das Problem ist, dass mir bei den Studien, die angeblich belegen, dass Schwangere kein größeres Risiko haben oder das Baby nicht in Gefahr ist, schlicht die Erhebungsgrundlage fehlt. Ich versuche trotzdem, zuversichtlich zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass alles gut ausgeht. 

Konntest du noch einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen oder wurde er abgesagt?

Ich wollte eigentlich tatsächlich noch einen zweiten machen, obwohl ich die Inhalte ja schon aus der ersten Schwangerschaft kenne – habe mich dann aber, noch bevor alle abgesagt wurden, dagegen entschieden, weil ich schon vor ein paar Wochen begann, mich so gut es geht zu isolieren. Jetzt kläre ich alle Fragen individuell mit der Hebamme und finde das sogar ganz praktisch, weil man gezielt bestimmte Themen ausführlicher behandeln und andere ganz auslassen kann. 

Besucht dich deine Hebamme derzeit noch zu Hause?

Nein, sie war noch nicht da. Aber ich habe sie privat kennengerlernt und sie deshalb zumindest schon ein paarmal gesehen. Wir telefonieren viel – sie wird auch zur Geburt nur dann da sein, wenn die Reisesperre noch gilt, denn eigentlich hat sie Urlaub für Mai gebucht und mich aktuell lediglich für die Vor- und Nachsorge eingeplant.

Wie regelst du die Nachsorge mit deiner Hebamme im Wochenbett?

Zur Nachsorge wird sie persönlich vorbeikommen, aber die Termine werden kürzer sein – und mein Sohn und mein Mann dürfen nicht dabei sein. Vieles wird vermutlich auch gut per Skype und FaceTime funktionieren – aber auch nur, weil es quasi meine zweite Runde ist und ich vieles ja von meinem Sohn schon kenne.  

Versuchst du dich im Moment besonders zu schützen?

Absolut. Selbst beim Einkaufen habe ich kein gutes Gefühl mehr. Mein Hauptproblem ist aber gar nicht so sehr, dass ich mich einigele, das kann ja auch gemütlich sein in den letzten Wochen der Schwangerschaft. Ich hadere eher damit, dass ich meine Eltern nicht sehen kann, weil wir die beiden natürlich schützen wollen. Sonst sind sie sehr eingebunden in unseren Familienalltag, und natürlich hatte ich auch Hugo gedanklich schon bei ihnen "geparkt" in den Tagen der Geburt. Jede Mama weiß, dass es Gold wert ist, im Wochenbett die eigene Mama als Unterstützung da zu haben. Dass sie das Baby jetzt vermutlich anfangs nicht mal persönlich kennenlernen wird, daran will ich gar nicht denken. 

Vielen Dank für das Interview, liebe Janina. Wir wünschen dir für den Rest deiner Schwangerschaft und für die Geburt alles Gute. 

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