Beschwerden in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsvergiftung: Woran erkenne ich eine Präeklampsie?

Sie tritt zwar eher selten auf, aber sollte im Ernstfall schnellstmöglich behandelt werden: Die Schwangerschaftsvergiftung ist eine lebensbedrohliche Erkrankung für Mutter und Kind. Lest hier alles zu den Ursachen, den Symptomen und zur Behandlung.

Was ist eine Schwangerschaftsvergiftung?

Eine Schwangerschaftsvergiftung ist eine Komplikation, die in fünf bis acht Prozent aller Schwangerschaften auftritt. Streng genommen gilt der Begriff übrigens als überholt. Glaubte man früher, der Körper produziere während der Schwangerschaft ein Gift, weiß man heute: Es ist eine Anpassungsstörung des Körpers an die Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen. Dennoch hat sich der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt. Auch Schwangerschaftshypertonie (hoher Blutdruck in der Schwangerschaft) oder Präeklampsie werden häufig synonym verwendet. Eine Schwangerschaftsvergiftung entsteht meist ab der 20. Woche. Sehr selten kann sie sogar bis zu 14 Tage nach der Entbindung auftreten.

Was sind die Anzeichen einer Schwangerschaftsvergiftung?

  • Wassereinlagerungen und/oder plötzliche starke Gewichtszunahme
  • Eiweiße im Urin
  • Bluthochdruck (über 140/90 mmHg)
  • verringerte Urinmenge
  • starke Kopfschmerzen oder Schwindel
  • Sehstörungen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit
  • Muskelzucken
  • Atemnot

Die Ursachen einer Schwangerschaftsvergiftung

Noch immer ist nicht ganz klar, welche Ursachen eine Präeklampsie hat. Mediziner und Medizinerinnen gehen davon aus, dass sie mit einer Störung der Plazenta zusammenhängt. Diese nistet sich innerhalb der ersten Wochen nicht komplett in die Gebärmutterwand ein, sodass ihre Blutgefäße verkleinert bleiben. Die Folge: Plazenta und Baby werden nicht ausreichend mit Blut versorgt. Um das zu verhindern, schüttet der Körper bestimmte Moleküle ins Blut der werdenden Mama aus. Sie steigern die Blutzufuhr des Babys, indem sie den Blutdruck der Schwangeren erhöhen. Dadurch wird das Immunsystem der Schwangeren aktiviert: Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen aus, es entstehen die für die Präeklampsie typischen Wassereinlagerungen.

Wer ist gefährdet?

Prinzipiell kann jede Schwangere an einer Präeklampsie erkranken. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen: 

  • Präeklampsie in vorherigen Schwangerschaften oder bei nahen Verwandten wie Mutter oder Schwester
  • Vorerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Blutgerinnungsstörungen
  • erste Schwangerschaft
  • Adipositas
  • unter 18 oder über 40 Jahren
  • Nährstoffmangel

Wie wird eine Schwangerschaftsvergiftung diagnostiziert?

Da die Anzeichen vielfältig sind, sollte bei jeder Unsicherheit die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt aufgesucht werden. "Ein erhöhter Blutdruck, rasche Gewichtszunahmen durch Wassereinlagerungen und Eiweiße im Urin können Hinweise auf eine Schwangerschaftsvergiftung sein", erklärt die Hamburger Hebamme Julia Heermann. Eine Präeklampsie äußert sich auch anhand veränderter Blut-, Leber- und Nierenwerte. Ein Dopplersono hilft, Unregelmäßigkeiten in den Blutgefäßen festzustellen und kontrolliert die Entwicklung des Babys, die bei einer Schwangerschaftsvergiftung häufig verzögert ist. Mittlerweile gibt es zwischen der 11. und 14. SSW einen Früherkennungstest, der das Risiko bestimmt, an einer Präeklampsie zu erkranken.  

Wie verläuft eine Präeklampsie?

"Rechtzeitig erkannt und engmaschig überwacht, ist der Verlauf meist milde, und die Symptome klingen nach der Geburt schnell wieder ab", beruhigt Julia Heermann. "Es kann jedoch zu schweren Komplikationen kommen, die sowohl für die Mutter als auch das Kind lebensbedrohlich sind." Dazu zählen Krampfanfälle (Eklampsie), Hirnblutungen, Ödeme (Wassereinlagerungen) in Hirn oder Lunge, Leberriss oder Nierenversagen. Eine besonders gefährliche Komplikation ist das HELLP-Syndrom, das mit starken Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Beim HELLP-Syndrom (Hämolyse, Elevated Liver Enzymes, Low Platelets) zerfallen rote Blutkörperchen, die Leberwerte steigen und die Anzahl der Blutplättchen sinkt. Dadurch wird die Blutgerinnung gestört – schon die kleinste Verletzung der Blutgefäße kann zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führen. Auch Nieren- und Leberversagen und ein plötzliches Ablösen der Plazenta sind mögliche Folgen.

Wie wird eine Schwangerschaftsvergiftung behandelt?

Die Behandlung hängt von Verlauf und Symptomen ab. "Bei einem behandlungsbedürftigen Verlauf werden blutdrucksenkende Mittel und Magnesium gegeben, um Krämpfen vorzubeugen. Gegen Wassereinlagerungen können Kompressionsstrümpfe und Hochlagern der Beine helfen", so Julia Heermann. Wird die Präeklampsie rechtzeitig erkannt, lässt sie sich oft gut in Schach halten. Schwangere mit schweren Verläufen werden stationär aufgenommen. Besteht eine Gefahr für Mama und Baby, raten Ärzte zur Geburtseinleitung – idealerweise erst ab der 34. SSW. Da eine Präeklampsie jedoch bereits ab der 20. Woche auftreten kann, sind auch deutlich frühere Geburten möglich. Beim lebensbedrohlichen HELLP-Syndrom etwa wird das Kind sofort per Kaiserschnitt geholt. Nach der Entbindung erholen sich die frisch gebackenen Mamas meist schnell, werden jedoch im Wochenbett noch engmaschig kontrolliert. Bei manchen Patientinnen kann es auch einige Zeit dauern, bis sich alles wieder normalisiert hat.

Kann man einer Präeklampsie vorbeugen?

Eine aktuelle Studie der Johns Hopkins University of Medicine in Baltimore mit 8500 Schwangeren ergab, dass tatsächlich die Ernährung einen Einfluss auf die Entwicklung einer Schwangerschaftsvergiftung haben kann. Genauer gesagt, haben schwangere Frauen, die sich vornehmlich auf die sogenannte Mittelmeer-Diät konzentrieren, ein 20 Prozent niedrigeres Risiko für eine Präeklampsie. 

Diese Lebensmittel gehören hauptsächlich zu der mediterranen Kost dazu:

  • Olivenöl
  • Fisch
  • Gemüse
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse

Also, liebe Schwangere, greift bei diesem Essen gut und gerne zu!

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Unsere Expertin für diesen Artikel:

Julia Heermann arbeitet als Hebamme in Hamburg: Sie ist Ansprechpartnerin für Schwangerenvorsorge, Schwangerschaftsbeschwerden, Geburtsvorbereitung für Paare und Wochenbettbetreuung. Außerdem ist sie ausgebildete Kursleiterin für Babymassagen und Fortbildungsbeauftrage im Hebammenlandesverband Hamburg.

Autorin: Laura Drühe

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