Was passiert eigentlich bei der Schwangerschaftsvorsorge?

Die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind selbstverständlich. Aber was passiert bei diesen Terminen überhaupt? Franziska Luck ist zweifache Mutter und ausgebildete Hebamme. Sie erklärt, welche Untersuchungen in der Schwangerschaft auf dich zukommen und warum diese Termine wichtig sind.

"Du bist doch nur schwanger und nicht krank! Warum gehst du denn ständig zum Arzt?" Diese Frage stellst du dir vielleicht auch manchmal. Natürlich bist du nicht krank, sondern "nur" schwanger. Doch die regelmäßigen Kontrollen sind wichtig. Dein Körper braucht zwar keine Hilfe, um schwanger zu sein, das klappt alles von allein. Aber aufgrund der Schwangerschaft verändern sich viele Dinge in deinem Körper und es ist sinnvoll diese zu beobachten. Ob die Vorsorge allein von einem Arzt, ausschließlich von einer Hebamme oder in Kombination von beiden durchgeführt wird, kann und darf jede Frau selbst entscheiden. Viele Praxen arbeiten auch mit Hebammen zusammen und wechseln sich mit ihnen praxisintern bei der Vorsorge ab. Das bedeutet: Einen Termin hast du bei der Hebamme, den nächsten beim Arzt, den übernächsten wieder bei der Hebamme und so weiter.

Das zeitliche Intervall der Vorsorgeuntersuchungen ändert sich im Verlauf der Schwangerschaft. Wenn die Schwangerschaft normal und ohne Probleme verläuft, finden bis zur 30. Schwangerschaftswoche die Vorsorgeuntersuchungen in einem zeitlichen Abstand von vier Wochen statt. Ab der 30. Schwangerschaftswoche sind die Kontrolltermine alle zwei Wochen. Sobald du den errechneten Termin überschreitest, musst du jeden zweiten Tag zu einer Kontrolluntersuchung. Die findet dann unter der Woche in der Praxis beim Gynäkologen oder auch bei der Hebamme statt. Am Wochenende gehst du für diese Kontrolltermine ins Krankenhaus deiner Wahl.

Mutterschaftsrichtlinien, IGeL-Leistungen und Pränataldiagnostik

Es gibt Mutterschaftsrichtlinien, die festlegen, welche Untersuchungen in der Schwangerschaft von den Krankenkassen bezahlt und den Ärzten empfohlen werden. Diese finden sich auch alle im Mutterpass wieder. Es gibt zudem sogenannte IGeL-Leistungen. Diese Untersuchungen werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Sie beinhalten unter anderem auch Pränataldiagnostik wie zum Beispiel die Nackenfaltenmessung sowie einige Blutuntersuchungen. Ob diese Untersuchungen für dich persönlich Sinn ergeben, solltest du mit deinem Arzt und deiner Hebamme besprechen. Die meisten Krankenkassen übernehmen dafür aber zum Beispiel die Kosten für den Geburtsvorbereitungskurs für dich. Oder sie belohnen eine besonders gewissenhafte Vorsorge: Die Knappschaft zum Beispiel bezahlt dir einen Bonus in Höhe von 100 Euro, wenn du alle Untersuchungen der Schwangerschaftsvorsorge wahrnimmst.

Der Mutterpass: das große Mysterium

Der Mutterpass ist eins der wichtigsten Dokumente während deiner Schwangerschaft. Du solltest ihn bis zur Geburt immer bei dir haben. Warum? In diesem Heft stehen alle wichtigen Informationen zu deiner Schwangerschaft. Was für dich böhmische Dörfer voller Abkürzungen sind, enthält für eine Hebamme oder einen Arzt wichtige Informationen. Nicht nur dein errechneter Termin (ET) ist dort vermerkt, sondern auch alle Untersuchungen, die in der Schwangerschaft durchgeführt wurden – natürlich auch alle Vorsorgeuntersuchungen.

Ultraschalluntersuchungen

In den Mutterschaftsrichtlinien sind drei Ultraschalluntersuchungen bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft vorgesehen. Diese beinhalten den ersten Ultraschall, bei dem eine regelrechte Schwangerschaft festgestellt wird. Er findet in der 8. bis 12. Schwangerschaftswoche (SSW) statt. Der nächste geplante Schall ist um die 20. SSW herum. Bei dieser Untersuchung werden alle Organe genau unter die Lupe genommen und das Baby wird von Kopf bis Fuß vermessen. Hierbei kannst du auch die Herzfrequenz hören. Dieser Termin ist besonders spannend für die werdenden Eltern, da im Zuge der Untersuchung häufig das Geschlecht des Babys festgestellt wird. In der 30. SSW werden noch ein weiteres Mal das Baby und seine Organe von oben bis unten durchgecheckt. Jede weitere Untersuchung ist unnötig und sollte nur im Fall von Notwendigkeit oder bei einem auftretenden Risiko durchgeführt werden. Du darfst nicht vergessen: Auch wenn es schön ist, dein Ungeborenes zu sehen – ein Ultraschall ist eine Untersuchung und kein "Baby TV". Ab 2021 wird es ein Gesetz geben, das die Ungeborenen vor unnötigen Ultraschalluntersuchungen schützen soll. Ohne medizinische Begründung sind dann sowohl Ultraschall als auch CTG gesetzlich verboten und gelten als Ordnungswidrigkeit. Dies ist auch absolut berechtigt, denn Studien haben gezeigt, dass zu viele Ultraschallwellen negative Auswirkungen auf die Entwicklung deines Babys haben können. Die drei Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der regulären Schwangerschaftsvorsorge sowie medizinisch begründete weitere Untersuchungen werden natürlich weiterhin zulässig sein. 

Herztöne und Wehen

Im Verlauf der Schwangerschaft wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ein CTG geschrieben. Die Abkürzung kommt vom englischen Wort Cardiotocography, zu Deutsch Kardiotokografie. Dabei wird ein sogenanntes Kardiotokogramm geschrieben. Einerseits wird hier die Herzfrequenz von deinem Baby gemessen und aufgezeichnet, andererseits auch eine mögliche Wehentätigkeit auf dem Papier dokumentiert. Ein CTG wird üblicherweise 30 Minuten lang geschrieben, da es erst nach dieser Zeit bewertet werden kann. Anhand der – im besten Fall – zackig verlaufenden Linie kann eine Hebamme oder ein Arzt erkennen, ob es deinem Bauchbewohner gut geht. Es gibt auch eine Art Punkte-System, mit dem ein CTG bewertet werden kann. Die zweite Linie – die untere der beiden – dokumentiert die Wehentätigkeit. Hierfür wird über den Knopf, der auf dem oberen Bereich deines Bauches befestigt wird, die Oberflächenspannung gemessen. Diese Methode kann relativ ungenau sein, da auch ein Tritt oder Lachen zum Aufzeichnen einer "Wehe" führen kann. Dennoch ist es eine wichtige Art der Feststellung, ob eine werdende Mutter vorzeitige Wehen hat.

Ablauf einer normalen Schwangerschaftsvorsorge

Eine Vorsorge läuft meist in einem ähnlichen Schema ab. Als Erstes gibst du eine Urinprobe ab, damit diese auf Unregelmäßigkeiten getestet werden kann. Darauf folgen eine Blutdruckkontrolle und die Messung der Gewichtszunahme. Zusätzlich wirst du gefragt, ob du Wassereinlagerungen oder Krampfadern bemerkt hast. Diese Untersuchungen mögen für dich nicht immer sinnvoll erscheinen, aber nur kleine Veränderungen können auf Schwangerschaftserkrankungen hindeuten. Nun ist der Bauch an der Reihe: Es wird getastet, wie hoch die Oberkante der Gebärmutter gewachsen ist und wie dein Baby liegt. Der Arzt stellt diese Untersuchungen meist per Ultraschall fest. Eine Hebamme braucht als Werkzeug hierfür lediglich ihre Hände. Bei jeder Vorsorge werden die Herztöne von deinem Baby kontrolliert. Zusätzlich wirst du gefragt, ob du Bewegungen deines Babys spürst. Eine vaginale Untersuchung sollte nicht als Standard bei jeder Vorsorge durchgeführt werden – lediglich, wenn es gute medizinische Gründe dafür gibt. Denn jede Untersuchung birgt natürlich das Risiko einer Infektion. Manchmal muss auch noch eine Blutuntersuchung vorgenommen werden, damit regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden können.

Hebamme oder Arzt?

Die Untersuchungen der Mutterschaftsrichtlinien können von beiden Berufsgruppen durchgeführt werden. Die einzige Ausnahme liegt hier bei der Ultraschalluntersuchung, diese wird nur von einem Arzt durchgeführt. Eine Hebamme kann und darf eine Schwangerschaft aber auch komplett allein begleiten. Die Kombination von beiden Fachleuten ist in meinen Augen eine ideale Kombination, da die Schwangere so eine Rundumbetreuung erhält.

Welche Art der Begleitung für deine Schwangerschaft die richtige ist, kannst nur du für dich entscheiden. Es ist gut zu wissen, dass du Anrecht auf die Betreuung durch Arzt und Hebamme hast und die Kosten – sofern es keine IGeL-Leistungen sind – komplett von der Krankenkasse übernommen werden. Bei der Vorsorge gilt es, gut informiert zu sein beziehungsweise eben gut beraten zu werden. Viel zu untersuchen bedeutet nicht immer nur Gutes: Manche unnötigen Untersuchungen können dich auch verunsichern. Die Babys werden ab 2021 vor unnötigen Untersuchungen geschützt. Du musst diese Dinge für dich entscheiden. Aber eins sei gesagt: Lass dir niemals einreden, eine schlechte Mutter zu sein, weil du nicht jede teure Extra-Untersuchung machen lässt! Höre auf deinen Bauch. Er wird dir sagen, was das Richtige für euch ist.

 

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