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Wie viel ist gesund?

Sport in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft verändert sich so vieles. Wie sieht es beim Thema Sport aus? Gibt es Fitness-Regeln, die für alle werdenden Mütter zählen? Unsere Autorin Silke hat Frauenarzt Prof. Dr. med. Kai Bühling interviewt. Und ihm alle Fragen gestellt, die ihr uns in den letzten Monaten zugeschickt habt.

Herr Prof. Bühling, wie viel Sport ist in der Schwangerschaft erlaubt? Gibt es da unabhängig von den Schwangerschaftsbeschwerden allgemeingültige Regeln? Welche Sportarten sollte man kategorisch ausschließen?

Prinzipiell sollten schwangere Frauen sämtliche Sportarten vermeiden, die ein Verletzungs- oder Prellungsrisiko bergen. Dazu gehören unter anderem Reiten, Ballspiele und Leichtathletik. Sport, der eine gute Balance voraussetzt, ist in der Schwangerschaft rein technisch schwierig. Beim Bergsteigen zum Beispiel fehlt das gute Körpergefühl. Schließlich verändert sich der Körperschwerpunkt ständig. 
 

Angenommen, ich wäre schwanger – und Ihre Patientin. Welche Sportart würden Sie mir ans Herz legen?

Meinen Patientinnen rate ich natürlich von den ungeeigneten Sportarten ab. Aber Sportarten wie Joggen, Schwimmen, Walken oder auch Golfspielen, die die Frauen bereits vor der Schwangerschaft betrieben haben, können sie natürlich auch in der Schwangerschaft weitermachen.
 

Was ist mit Skifahren?

Moderates Skifahren kann man vermutlich in der ersten Hälfte machen – vorausgesetzt, man beherrscht den Sport sicher. Dabei sollte man aber zusätzlich beachten, dass in der Schwangerschaft keine längeren Aufenthalte über 1.500 Höhenmeter empfohlen werden.
 

Und welches Pensum ist beim Sport in der Schwangerschaft sinnvoll?

Ich empfehle, die Leistung um etwa 20 Prozent zu reduzieren. Stellen Sie sich vor, dass Sie für Ihre übliche Jogging-Route einen See umlaufen. In der Schwangerschaft merken Sie vielleicht selbst, dass sie nach 80 Prozent der Strecke nicht mehr können – auch wenn die Route sonst kein Problem für Sie war. Also: lieber die Ziele niedriger setzen.
 

In der Schwangerschaft möchten viele Frauen besonders fit und gesund leben. Ist es sinnvoll, mit Baby im Bauch eine neue Sportart zu erlernen?

Schwangere können jederzeit mit Walken und Schwimmen beginnen, sicherlich auch mit leichterem Joggen und natürlich mit Fahrradfahren. 
 

Woran erkennt eine schwangere Frau, ob die sportliche Belastung zu hoch ist?

Die Leistungsfähigkeit ist in der Schwangerschaft schlichtweg reduziert. Es muss alles mehr durchblutet werden, es wird Gewebe aufgebaut und der Sauerstoffbedarf ist erhöht. Daher empfehle ich die 20-prozentige Leistungsreduzierung. Mein Tipp, der ganz leicht beim Sport selbst anzuwenden ist: Machen Sie den „Talking-Test“. Können Sie sich beim Ausüben des Sports noch unproblematisch unterhalten? Dann ist die Anstrengung angemessen.
 

Und wenn das nicht mehr geht?

Aufhören, Pause machen und sich keine ehrgeizigen Ziele setzen. Die sind in der Schwangerschaft ungesund!
 

Was kann denn schlimmstenfalls geschehen, wenn ich meinem Körper in der Schwangerschaft eine zu hohe sportliche Belastung zumute?

Zum einen kann der Kreislauf der Schwangeren zusammenbrechen. Zum anderen kann zu ausgeprägter Sport eine verminderte Blutversorgung des ungeborenen Kindes nach sich ziehen.
 

Gibt es ein Training, das den Geburtsschmerz verringert? Ist es zum Beispiel sinnvoll, schon während der Schwangerschaft den Beckenboden zu trainieren?

Aufgrund des Geburtsmechanismus wäre die zweckmäßigste Maßnahme eine Dehnung des Scheideneingangs. Dafür gibt es medizinische Trainingsgeräte, die die Muskulatur dehnen und stärken.
 

Welchen positiven Effekt bringt denn der Sport in der Schwangerschaft der Mutter und dem Kind? Bekommen fitte, schlanke, gesunde Mütter automatisch fitte, schlanke, gesunde Babys?

Sport führt zu einem gesunden Stoffwechsel der Schwangeren. Die Blutzuckerwerte werden in den Normbereich gesenkt und damit bekommt auch das Kind den Sport mit. Kinder von Schwangeren, die Sport treiben, sind schlanker und haben seltener Probleme mit den Blutzuckerwerten. Also ja, die Babys sind fitter.
 

Und wann darf man nach der Schwangerschaft wieder mit dem Sport loslegen?

Mütter können nach einer Geburt zunächst einmal Rückbildungsgymnastik machen. Nach etwa sechs bis acht Wochen kann wieder mit Sport begonnen werden, wobei dies natürlich auch von der Sportart abhängig ist. Ich würde Sportarten, bei denen Druck auf den Bauch ausgeübt wird, acht bis zwölf Wochen nach der Geburt vermeiden, um dem Beckenboden eine ausreichende Zeit für die Rückbildung zu ermöglichen. Schwimmen ist natürlich schneller möglich.
 

Unser Experte

Prof. Dr. Kai Bühling ist Frauenarzt mit Privatpraxis in Hamburg-Blankenese, Professor am Universitäts-Klinikum Eppendorf und Vater von drei Kindern.

 

Nach der Geburt: Tipp für den Wiedereinstieg

Ein Rückbildungskurs ist wichtig für deinen Beckenboden. Du solltest auf keinen Fall darauf verzichten! Wenn es in deiner Umgebung keinen geeigneten Kurs gibt, such dir ein Online-Angebot, das zu dir passt: Auf Mami-first.de kannst du einen klassischen Rückbildungskurs bequem von zu Hause aus machen (Kosten: 57 Euro). Gymondo.de bietet mit "Pilates für junge Mütter" sichere, postnatale Bauch- und Beckenboden-Übungen für Frauen mit Diastase. (Kosten: zum Beispiel etwa 39 Euro für ein Drei-Monats-Abo, eine Testwoche gratis; wenn du bei der Knappschaft versichert bist, bekommst du bei Gymondo.de übrigens 30 Prozent Rabatt und wirst zusätzlich mit 70 Euro Bonus belohnt – hier gibt es auch einige Kurse für Schwangere, z. B. Yoga, mehr Infos dazu findest du hier).

Und Pelvina (im App-Store, bei Google Play und in Apotheken erhältlich) ist der erste Beckenbodenkurs als App, der von den Krankenkassen teilweise oder sogar ganz erstattet wird. (Kosten: etwa 75 Euro. Prüfe bitte, ob deine Krankenkasse den Kurspreis erstattet. Die Techniker Krankenkasse und die DAK übernehmen zum Beispiel 80 Prozent des Preises, die Knappschaft sogar 100 Prozent.)

 

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