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Natürliche Familienplanung: Sicher verhüten und schwanger werden mit NFP?

Mit der Natürlichen Familienplanung (NFP) lassen sich die fruchtbaren Tage im weiblichen Zyklus bestimmen. Das Wissen hilft Paaren, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen oder aber hormonfrei zu verhüten. Wie NFP funktioniert und wie sicher die Methode ist.

Die Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) können Paaren helfen, schneller schwanger zu werden.
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Die Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) können Paaren helfen, schneller schwanger zu werden.

Was bedeutet Natürliche Familienplanung (NFP)?

Mit Natürliche Familienplanung, kurz NFP, sind verschiedene Methoden zur Messung eines oder mehrerer Einsprunganzeichen gemeint. Dazu zählen 


  • die Körpertemperatur, 
  • der Zervixschleim und 
  • die Beschaffenheit des Muttermundes. 

Ziel ist es, die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus zu bestimmen. Die Natürliche Familienplanung erfüllt somit zwei Aufgaben: Paare können in dieser Zeit bei bestehendem  gezielt Geschlechtsverkehr haben oder während der empängnisbereiten Tage enthaltsam sein beziehungsweise auf Verhütungsmittel zurückgreifen. Bei korrekter Anwendung hat die natürliche Verhütung nach NFP einen Pearl-Index von 0,4 bis 1,8. Zum Vergleich: Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. Hier gilt: Je niedriger der Wert, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Wie schnell kann man mit NFP schwanger werden?

Die Natürliche Familienplanung ist eine gute Unterstützung für Paare, die sich ein Baby wünschen. Eine Untersuchung der Universität Düsseldorf zeigt, dass 81 Prozent der Frauen, die NFP anwenden, innerhalb von sechs Monaten schwanger werden. Ohne NFP-Methode liegt die Rate bei 60 Prozent. 

Wie funktioniert die NFP-Methode?

Wenn von NFP die Rede ist, ist in der Regel die symptothermale Methode gemeint. Sie gilt als die sicherste Vorgehensweise der Natürlichen Familienplanung. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Dies sind die gängigsten NFP-Methoden:

1. Kalendermethode 

Die einfachste Art, den Eisprung zu bestimmen, ist die Kalendermethode. Dafür müssen Frauen ihre Zyklusdauer kennen. Der weibliche Zyklus besteht aus zwei Phasen: Die erste endet mit dem Eisprung und ist unterschiedlich lang. Die zweite Phase dauert bei den meisten Frauen 14 Tage und endet mit dem ersten Tag der Menstruation. Voraussetzung für die Kalendermethode ist ein regelmäßiger Zyklus. Schwankt der Zeitraum zwischen den Regelblutungen zu stark, ist diese Vorgehensweise eher unzuverlässig. Lest auch: Mit dem Zykluskalender die fruchtbaren Tage berechnen

2. Basaltemperaturmethode 

Während des weiblichen Zyklus verändert sich üblicherweise die Körpertemperatur. Sie steigt in der zweiten Phase, etwa ein bis zwei Tage nach dem Eisprung, meist um einige Zehntel Grad Celsius an. Für diese NFP-Methode misst man seine Basaltemperatur täglich am Morgen nach dem Aufstehen, idealerweise immer zur gleichen Zeit. Thermometer und Messpunkt dürfen ebenfalls nicht variieren. Am genauesten ist der Wert, wenn ihr rektal oder vaginal messt. Alternativ geht es auch unter der Zunge.

Wer die Werte über mehrere Zyklen notiert und vergleicht, kann anhand der Kurve recht sicher den fruchtbaren Zeitraum bestimmen. Voraussetzung ist auch hier, wie bei der Kalendermethode, ein regelmäßiger Zyklus. Außerdem ist zu beachten, dass Schlafmangel, Alkoholkonsum und Infekte die Körpertemperatur beeinflussen und das Ergebnis verfälschen können. 

3. Zervixschleimmethode (Billingsmethode)  

Der Zervixschleim, welcher im Gebärmutterhals produziert wird, kann ebenfalls Aufschluss über die Zyklusphase geben. Nach der Regelblutung ist kaum Schleim zu ertasten. Kurze Zeit später nimmt der Schleimfluss zu, die Konsistenz ist dickflüssig und klebrig, die Farbe weißlich-gelb. Rund um den Eisprung wird der Zervixschleim flüssiger, zieht Fäden und ist klar. Das Deuten der Schleimkonsistenz und -farbe bedarf etwas Übung und sollte über einige Zyklen erprobt werden, bevor man sich auf das Ergebnis verlässt. 

4. Symptothermale Methode

Die symptothermalen Methode gilt als die zuverlässigste Vorgehensweise. Sie kombiniert mehrere Messmethoden beziehungsweise Eisprungsymptome miteinander. Das Verfahren ist dadurch weniger fehleranfällig. 

NFP-Hilfsmittel: Hormoncomputer, Zyklus-App & Co.

Wer die Natürliche Familienplanung nutzen will, ist nicht auf sich allein gestellt. Es gibt eine Vielzahl an technischen Hilfsmitteln auf dem Markt, welche die Messungen und Datenauswertungen erleichtern. Die da wären:

Eisprung-Computer 

Zyklus- oder Verhütungscomputer* messen mithilfe von Mikroprozessoren verschiedene Körpervorgänge wie den Hormonstatus, die Körpertemperatur und den Zervixschleim. Der Fruchtbarkeitsstatus ist ganz einfach auf dem Display abzulesen. Es gibt verschiedene Modelle in unterschiedlichen Preisklassen: Hormoncomputer werten über den Urin den Hormongehalt im Körper aus, Temperaturcomputer testen die Aufwachtemperatur und symptothermale Zykluscomputer kombinieren mehrere Messwerte für noch mehr Genauigkeit. 

Eisprung-Apps

Zyklus-Apps funktionieren ähnlich wie die Eisprung-Computer. Anstelle eines weiteren Geräts sammelt und analysiert das Smartphone sämtliche Werte. Zusätzlich haben Nutzerinnen häufig die Möglichkeit, das Profil mit dem Partner oder der besten Freundin zu teilen. Es gibt komplexe Zyklus-Apps, die nach der symptothermalen Methode funktionieren, und einfache, preisgünstige Menstruationskalender, die natürlich weniger genau sind.

Einfache Fruchtbarkeitsbestimmung

Wer auf technische Hilfsmittel verzichten will, kann die Datensammlung und -auswertung auch selbst übernehmen mithilfe von Papier und Stift. Außerdem werden je nach Messmethode ein Basalthermometer*, ein Eisprungtest* zum Bestimmen des Hormonstatus oder bei Bedarf ein Zervixschleim-Mikroskop benötigt. Für diese Art des Trackings ist ein hohes Maß an Disziplin erforderlich. 

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