Leihmutterschaft zu Coronazeiten

Hunderte Babys: bestellt und nicht abgeholt

In der Ukraine sind Hunderte Babys, die von Leihmüttern ausgetragen wurden, "gestrandet". Aufgrund der geschlossenen Grenzen können Paare ihre Kinder nicht abholen.

19. Mai 2020: In der Ukraine sind offenbar Hunderte Babys von Leihmüttern in Hotels untergebracht, wo sie von Kinderkrankenschwestern und anderem Personal versorgt werden. Aufgrund der Grenzschließungen und Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus dürfen die Eltern aus dem Ausland zurzeit nicht einreisen, um ihre Babys abzuholen.

Alleine in der Ukraine warten geschätzt um die 500 Babys auf ihre Eltern, wie Focus Online berichtet. Anders als in den meisten europäischen Ländern ist die Leihmutterschaft in der Ukraine erlaubt und legal. Deshalb wenden sich zahlreiche Paare, unter anderem aus Deutschland, mit unerfülltem Kinderwunsch an Reproduktionszentren wie "BioTexCom" in der Ukraine. Doch auch in anderen Ländern ist das gängige Praxis. Werden die Corona-Reisebeschränkungen fortgeführt, können wohl bald mehrere Tausend Babys nicht von ihren Eltern abgeholt werden.

Das Unternehmen selbst stellte unlängst ein Werbevideo ins Netz, das sich an die wartenden Eltern richtet. Man kümmere sich hingebungsvoll um ihre Babys, es werden Video-Anrufe organisiert, damit die Eltern ihr Baby zumindest schon einmal kurz sehen könnten. Zudem sollten die Eltern Kontakt zu ihrer Botschaft aufnehmen, um eine Ausnahmegenemigung zu erhalten, ihr Baby abzuholen, wie der Deutschlandfunk einen ukrainischen Anwalt aus dem Werbevideo zitiert.

Während viele Eltern sehnsüchtig auf ihre Babys warten, gerät die Leihmutterschaft – auf Englisch auch als "Rent-a-womb" (etwa: Miete eine Gebärmutter) bezeichnet – allgemein einmal mehr in die Kritik. Schließlich sieht man an dieser Stelle, dass der Kinderwunsch zum Teil auch auf Kosten der Kinder ausgelebt wird. Denn es kann ja nicht gut für die kindliche Entwicklung sein, tage-, möglicherweise sogar wochenlang mit zig anderen schreienden Babys in einem Raum zu liegen, zweimal täglich aus dem Bettchen genommen zu werden, ansonten aber zunächst ohne Liebe auskommen zu müssen ...

In vielen Ländern fällt Leihmutterschaft unter den Begriff des Menschenhandels und ist deshalb verboten. Leihmütter bekommen Geld, um das Baby für eine andere Familie auszutragen. Oftmals ist die Leihmutter genetisch nicht mit dem Kind verwandt, da ihr eine befruchtete Eizelle der Eltern mit Kinderwunsch eingeplanzt wurde.

Zunächst müssen sich Länder wie die Ukraine nun darum kümmern, dass die Babys ohne Eltern versorgt sind. Noch so ein Kollateralschaden der Coronakrise. Im weiteren Verlauf sorgen Videos wie das der Firma "BioTexCom" dafür, dass Länder, in denen Leihmutterschaft legal ist, ihr Vorgehen und die Rechtslage überdenken müssen. Und nicht zuletzt auch Familien mit Kinderwunsch – sei er noch so nachvollziehbar – hierzulande reflektieren sollten, ob eine Leihmutterschaft wirklich das Richtige ist.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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