Schwanger in Zeiten der Corona-Krise

"Ich bin so froh, gerade KEIN Kind zu erwarten!"

Eigentlich ist die Vorfreude auf ein Baby riesengroß. Aber in Zeiten des grassierenden Coronavirus mischen sich Unsicherheit und Angst dazu. Genau deshalb ist unsere Autorin erleichtert, sich gegen ein zweites Kind entschieden zu haben.

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben mein Mann und ich überlegt, ob wir ein zweites Kind wollen. Eigentlich waren wir uns vorher einig, dass es bei einem bleiben soll. Die Gründe sind eher pragmatisch: Wir sind nicht mehr die Allerjüngsten, wir bräuchten eine größere Wohnung und müssten unseren riesigen Garten aufgeben, wir möchten wieder mehr reisen und tatsächlich arbeiten wir auch beide sehr gerne.

Und dann gibt es diese Momente, in denen man das Thema eher emotional betrachtet: So alt sind wir ja nun auch nicht und schließlich gibt es immer mehr Frauen, die auch spät Mutter werden. Eine neue Wohnung würden wir schon finden, vermutlich mit Abstrichen: teurer, weniger Garten, weiter draußen. Reisen geht auch zu viert, kostet halt (noch) mehr Geld und noch mehr Nerven. Und arbeiten könnte ich ja auch mit zwei Kindern, vielleicht nicht mehr so viel wie zuvor.

Ich mache es an dieser Stelle kurz: Wir haben uns GEGEN ein zweites Kind entschieden. Und so schwer dieser finale Gedanke, kein Baby mehr zu bekommen, anfänglich auch war, desto mehr erleichtert er mich gerade. Die Corona-Krise stellt unser gesamtes Leben auf den Kopf. Und ich bin gerade unheimlich froh, NICHT schwanger zu sein!

Darf man so einen Satz laut sagen? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass ich gerade große Angst hätte ...

  • ... ein Kind unter dem Herzen zu tragen und bei jedem Gang aus dem Haus einer möglichen Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu sein. 
  • ... mein Mann könnte nicht bei der Geburt dabei sein. Zum einen, weil er eine wahnsinnige Stütze für mich bei der ersten Entbindung war. Zum anderen auch, weil es ein so besonderer Moment ist, den er verpassen würde.
  • ... dass ich meinen Sohn die ersten Tage auf der Wochenbettstation nicht sehen könnte. Und ihm sein Geschwisterchen erst vorstellen könnte, wenn wir zu Hause sind.
  • ... meinen Mann auf der Wochenbettstation nicht an meiner Seite zu haben. Wie gut es war, als er gerade in den ersten Stunden nach der Geburt einfach da war. Oder das Baby genommen hat, weil ich mal aufs Klo musste oder duschen wollte. Und immer ein offenes Ohr hatte für die vielen Fragen, die plötzlich auf einen einprasseln: Wie ging das nochmal mit dem Wickeln? Wie hält man das Köpfchen richtig? Ist es normal, dass das Kind nur schläft? Müsste es nicht mal trinken? Sollen wir jetzt wirklich schon zufüttern?
  • ... mich im Krankenhaus infizieren zu können. Noch unerträglicher wäre aber der Gedanke, dass es mein Baby erwischen könnte.
  • ... wie sich die Pandemie und damit die Lage in den Krankenhäusern weiter entwickelt. Sind im Notfall genügend Ärzte da? Nehmen Krankenhäuser überhaupt noch Schwangere an?
  • ... dass die Nachsorge nur per Video-Chat stattfinden könnte. Eine Hebamme ist eine so große Unterstützung – gerade in der ersten Zeit. Besonders, wenn es das erste Baby ist. 

Ich habe mich häufig gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, sich gegen ein zweites Kind auszusprechen. In der jetzigen Situation hat das Coronavirus zumindest dafür gesorgt, dass sich die Wahl dagegen richtig anfühlt. 

Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt. 

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