Progesteron nach ICSI

Fehlgeburt durch vorzeitiges Absetzen?

Wie lange sollte Progesteron nach einer ICSI-Behandlung gegeben werden? Und kann ein vorzeitiges Absetzen zu einer Fehlgeburt führen? Unser Experte kennt die Antworten.

"Ich hatte nach einer ICSI-Behandlung in der 11. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt mit anschliessender Kuerettage. Zufällig habe ich nun gelesen, dass man bei Stimulationsbehandlungen und darauffolgender Schwangerschaft bis zur 12. Schwangerschaftswoche Progesteron verabreichen sollte. Ich bekam nur bis zur 5. Schwangerschaftswoche Progesteron-Zäpfchen und hatte fünf Tage nach dem Absetzen leichte Schmierblutungen (vier Tage lang). Mich würde nun interessieren, ob meine Fehlgeburt damit zusammenhängen könnte."

Antwort: Leider gibt es zu dieser Frage noch keine endgültige Antwort. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Zeitraum der notwendigen Unterstützung der Gelbkörperphase sind nicht eindeutig. Da aber bekannt ist, dass auch eine Gelbkörperschwäche zu einer Fehlgeburt führen kann, gilt auch hier wie fast überall in der Medizin der Grundsatz: "Nicht zu schaden und sich nur soviel wie nötig und gleichzeitig so wenig wie möglich einzumischen."

Ob nun eine Unterstützung der Gelbkörperphase notwendig erscheint, hängt auch von den gemessenen Hormonwerten ab. Vermutlich hat Ihr behandelnder Arzt die Progesteron-Unterstützung ausgesetzt, da die Werte völlig in Ordnung waren. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, daß eine "Missed abortion", also eine Fehlgeburt, die zwar vorherzusehen, aber noch nicht passiert ist, in der 11. Woche etwas mit dem Absetzten des Progesterons in der 5. Woche zu tun hat. Der häufigste Grund für eine Fehlgeburt ist meist ein Entwicklungsstopp des neuen Lebens wegen eines Fehlers bei der Teilung und Ausdifferenzierung der einzelnen Zellen und nicht der Mangel an Progesteron. Die Schmierblutung vier Tage nach Absetzten der Zäpfchen könnte allerdings ein erstes Warnzeichen gewesen sein.

Wir arbeiten im Moment an einer wissenschaftlichen Untersuchung zu diesem Thema und versuchen noch andere Behandlungzentren für eine Mitarbeit zu gewinnen. Nur bei ausreichend vielen behandelten Schwangerschaften lässt sich klären, ob eine bestimmte Therapie tatsächlich sinnvoll ist oder ob die Ergebnisse reiner Zufall sind.

Wagen Sie trotzdem wieder einen Versuch. Die eigentliche ICSI-Behandlung war ja erfolgreich und wird auch wieder erfolgreich sein. Wenn Sie können, sorgen Sie dafür, dass die äußeren Umstände nach der Behandlung optimal sind. Viel Ruhe, keine Hektik, keine übermäßige körperliche Anstrengung und keine seelischen Belastungen! Und Vertrauen in sich selbst und seinen Körper, dann wird es auch klappen.

Dr. Friedrich Gagsteiger

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