Teilzeitjob, Elterngeld, Recht

Volle Kraft für die halbe Stelle

Ein Teilzeit-Job hat viele Vorteile: Du bleibst im Beruf, hälst Kontakt zu den Kollegen und hast trotzdem Zeit für dein Kind. Gut zu wissen, was dir zusteht und wie du deinen Chef überzeugen kannst.

Ein Teilzeit-Job hat gerade für Eltern viele Vorteile: Sie können Beruf und Familie leichter vereinbaren und haben mehr Zeit für ihr Kind. Dafür verzichten sie auf einen Teil ihres Gehalts.

In Deutschland arbeiten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 73 % der erwerbstätigen Mütter auf Teilzeitbasis (bei den Vätern sind es dagegen aktuell etwa nur 6,5 %). Doch nicht jeder Chef stimmt gleich zu, wenn seine Mitarbeiterin ihre Arbeitszeit reduzieren möchte. Da ist es gut, die eigenen Rechte und Pflichten zu kennen.

Wer darf Teilzeit beantragen?

Jeder, der länger als sechs Monate im Unternehmen ist und dessen Firma regelmäßig mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt (Azubis werden nicht mitgezählt). Es gibt sogar einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Allerdings kann der Chef den Antrag aus betrieblichen Gründen ablehnen, etwa wenn der Betrieb finanziell zu stark belastet würde, die Sicherheit gefährdet wäre oder die Arbeitsabläufe zu stark gestört würden. Im Zweifel entscheidet ein Arbeitsgericht, wer Recht bekommt. Wer Teilzeit arbeiten will, muss den Antrag dafür drei Monate vorher abgeben, am besten schriftlich (möglichst quittieren lassen). Übrigens brauchst du deinen Wunsch nach Teilzeit nicht zu begründen. Entscheidend ist allein, ob deine Vorstellungen für die Firma zumutbar sind. Allerdings erleichterst du deinem Chef vielleicht die Entscheidung, wenn du ihm deine Situation schilderst.
Spätestens einen Monat bevor die neue Arbeitszeit beginnen soll, muss der Vorgesetzte sagen, wie er sich entschieden hat. Versäumt er diesen Termin, darfst du weniger arbeiten.

Tipp: Am besten schreibst du gleich dazu, wie du deine Arbeitszeit künftig aufteilen möchten. Deine Chancen stehen besonders gut, wenn deine Vorstellungen zu den Abläufen im Betrieb passen.

Welche Regelung in der Elternzeit?

Auch während der Elternzeit haben Mütter und Väter Rechtsanspruch auf Teilzeit – sofern keine dringenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Eltern können zwischen 15 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Acht Wochen vor Arbeitsbeginn muss der Antrag eingereicht werden. Während der Elternzeit dürfen Mütter und Väter auch in einem anderen Unternehmen arbeiten – aber nur unter der Voraussetzung, dass der eigentliche Vorgesetzte zustimmt.

Zurück zur Vollzeit-Stelle?

Die Kinder sind gut betreut und du würdest wieder gern mehr arbeiten oder zur vollen Stundenzahl zurückkehren? Darauf gibt es keinen Rechtsanspruch. Der Chef soll nach dem Gesetz aber deine Bewerbung bevorzugt prüfen, wenn er eine Vollzeit-Stelle zu besetzen hat. Einzige Ausnahme: Mütter und Väter am Ende der Elternzeit. Sie haben Anspruch auf ihren alten Arbeitsplatz mit voller Stundenzahl – sofern sie das wünschen. Ansonsten gilt für sie die allgemeine Teilzeit-Regelung. Und der Chef hat dann schlechtere Karten, ihren Wunsch nach Teilzeit abzulehnen. Sie haben in der Elternzeit ja bewiesen, dass sie auch in weniger Stunden einen guten Job machen.

Gleiches Recht für alle?

Ja, das hat der Gesetzgeber ausdrücklich festgelegt. Die Regelungen für Teilzeitarbeit im Einzelnen:

  • Gehalt: Du musst so viel verdienen wie Kollegen, die vergleichbare Arbeit machen. Das heißt auch: Werden die Kollegen nach Tarif bezahlt, gilt das auch für dich. Auch vom Weihnachts- und Urlaubsgeld darfst du nicht ausgeschlossen werden. Du bekommst es anteilig ausbezahlt – gemäß deiner Arbeitszeit.
  • Urlaub: Bist du an allen Tagen der Woche im Betrieb, hast du so viel Urlaub wie deine Kollegen, mindestens vier Wochen. Üblich sind bei uns aber inzwischen fünf bis sechs Wochen. Kommst du nur an einigen Tagen ins Unternehmen, hilft folgende Faustformel: die Urlaubstage (z. B. 30) durch die Arbeitstage pro Kalenderwoche (z. B. 5) teilen und mit den vereinbarten Arbeitstagen pro Woche (z. B. 3) multiplizieren. Ein Beispiel: Eine Mutter arbeitet an 3 Tagen pro Woche. Dann hat sie 18 Urlaubstage.
  • Kündigungsschutz: Teilzeit-Kräfte haben denselben Kündigungsschutz wie Vollzeit-Kollegen. Für Schwangere, Frauen in Mutterschutz und Mütter und Väter in Elternzeit gilt: Ihnen darf in der Regel gar nicht gekündigt werden.
  • Feiertage: Fällt ein Feiertag auf einen deiner üblichen Arbeitstage, hast du frei und bekommen trotzdem dein volles Gehalt.

Darf man die Arbeitsstunden noch weiter reduzieren?

Grundsätzlich ja, einen Antrag darauf kannst du immer stellen. Einen Rechtsanspruch hast du allerdings erst zwei Jahre nach der letzten Verringerung (oder Ablehnung). Anders während der Elternzeit: Mütter und Väter können währenddessen zweimal beantragen, ihre Arbeitszeit zu kürzen.

Der Teilzeit-Rechner

Infos und einen Teilzeit-Rechner, mit dem du dein Netto-Gehalt mit verringerter Stundenzahl vorausbestimmen kannst, findest du hier.

Das "Elterngeld Plus"

Paare können sich die Zeit beim Kind und in der Arbeit nun besser aufteilen. Die Idee: Wer Teilzeit arbeitet, bekommt monatlich zwar nur die Hälfte des Elterngelds, das dafür aber doppelt so lange. Diese können auch auf einen späteren Zeitpunkt wie z. B. die erste Kita-Zeit oder die Einschulung verteilt werden. Zusätzlich zum Standard (12 bzw. 14 Monate Elterngeld), der unangetastet bleiben soll, wären Eltern damit in Zukunft flexibler. 

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