5 Kinder in 13 Monaten

Erst Zwillinge, dann Drillinge

2016 adoptierten Vanessa und ihr Mann Philipp Zwillinge. Ein halbes Jahr später wurde die Münchnerin schwanger – mit Drillingen! So wurde das Paar innerhalb von 13 Monaten zu Fünffach-Eltern. Uns hat Vanessa erzählt, wie sich ihr Leben seitdem verändert hat.

Es ist Samstagvormittag, als ich Vanessa in ihrer Noch-Wahlheimat, einem kleinen Küstenort in Südafrika, erreiche. "Ich habe mich gerade im Garten versteckt", sagt sie, "so haben wir hoffentlich kurz Ruhe für unser Telefonat." Ich muss lachen: Als Zwillingsmama kenne ich Situationen wie diese. Der "kleine" Unterschied: Die Frau, die am anderen Ende der Leitung ist, hat nicht wie ich nur ein Doppelpack zu Hause – sondern zusätzlich auch noch Drillinge.

Es kommt oft anders, als man denkt

Aber von vorn. 2008 zog die gebürtige Münchenerin zu Philipp nach Kapstadt. Ihr Freund gründete dort bereits 2002 seine eigene Firma, Vanessa hatte gerade in Indien eine Ausbildung als Yoga-Lehrerin gemacht und eröffnete ein Studio in der Hafenstadt. 2012 beginnt das Paar, sich über Kinder Gedanken zu machen. "Unsere Vorstellung war ursprünglich, dass wir erst biologische Kinder bekommen, später dann adoptieren", erzählt Vanessa, "aber es kommt ja bekanntlich meist anders, als man denkt."

Tatsächlich dauert es ein Weilchen, bis der Kinderwunsch in Erfüllung geht, und auch für die Reihenfolge hat das Schicksal andere Pläne. Vanessa beginnt eine Zusatzausbildung zur Doula, hat in dieser Zeit auch Kontakt zu einer Adoptionsagentur – und bekommt an einem warmen Märztag 2016 einen überraschenden Anruf. "Die Mitarbeiterin sagte mir, dass sie auf der dringenden Suche nach einer Pflegefamilie für sechs Monate alte Zwillinge sind", erzählt Vanessa. Sie und Philipp zögern nicht lange. "Es sollte zunächst nur vorübergehend sein, weil die Mama der beiden 90 Tage Zeit hatte, um ihre Entscheidung zu überdenken. Wir sagten zu – und organisierten mithilfe von Freunden innerhalb von einer Woche alles, was man für zwei Säuglinge so braucht."

Zehn Tage nach dem Telefonat ziehen Lina und Maya bei Vanessa und Philipp ein. "Ich setzte im Job aus, kümmerte mich von heute auf morgen Vollzeit um die Zwillinge", erzählt Vanessa. "Wir waren innerhalb kürzester Zeit total verliebt in die zwei."

Die leibliche Mutter bleibt bei ihrem Entschluss – Vanessa und Philipp leiten die offizielle Adoption in die Wege. Gerade als die vier sich als Familie eingegroovt haben, bleibt überraschend Vanessas Regel aus. Keine sieben Monate nachdem Vanessa Zwillingsmama wurde, sitzt sie beim Frauenarzt und erkennt auf dem Bildschirm sofort, dass sie nicht nur ein Baby im Bauch hat. Sondern drei.

Der große Schock beim Blick auf das Ultraschall-Bild

"Für mich tat sich der Boden auf, ich fiel und fiel und fiel", erinnert sich Vanessa, "ich hatte eine ganz krasse Panikattacke." Tagelang kann sie überhaupt nicht über die Schwangerschaft sprechen. "Dann sickerte die Realität ein, und damit auch die Angst. Dadurch, dass ich im Geburtsbereich tätig bin, wusste ich viel über solche Mehrlingsgeburten. Vielleicht zu viel."
Trotzdem ist für Vanessa auch klar: Eine Schwangerschaftsreduktion, die ihr die Ärzte vorschlugen, oder gar Abtreibung kommt nicht infrage. "Auch wenn es natürlich schon mit den Zwillingen eine große Herausforderung war, war klar, dass wir das durchziehen."

Alle zwei Wochen muss sie ab sofort zum Ultraschall – ihr Körper verändert sich rasend schnell. "Ich sah im vierten Monat schon aus wie im neunten", sagt sie. "Und zur Ruhe kam ich durch Lina und Maya natürlich auch kaum." Bis zur 24. Woche ist Vanessa zu Hause, dann kommt sie in die Klinik. Fünf Wochen lang liegt sie hier. Viel zu weit weg von zu Hause und von ihren Zwillingen. "Diese Zeit war totale Folter", sagt Vanessa. "Ich habe gar nicht so sehr wegen meiner diversen körperlichen Wehwehchen gelitten – es tat mir einfach so leid, nicht mehr richtig für die Mädchen da sein zu können."

Nacht-Nanny hilft bei der Fließband-Fütterung

Am Osterwochenende 2017 kommen Alba, Maxi und Henry in der 29. Woche innerhalb von drei Minuten per Kaiserschnitt zur Welt. "Ich hatte ein unglaubliches Gefühl von Leichtigkeit", sagt Vanessa, "ich konnte endlich wieder atmen." Und das, obwohl ihr die härtesten Monate ihres Lebens bevorstehen.

"In den ersten Wochen saß ich eigentlich ausschließlich an der Milchpumpe und abwechselnd an ihren Betten", sagt Vanessa. "Wir hatten einen total durchgetakteten Rhythmus, die Fütterungen liefen wie am Fließband, anders ging es gar nicht. Zum Glück hatten wir zu Hause eine Nachtschwester, damit wir zwischendurch ein bisschen Schlaf bekommen."

Das Leben des vor 13 Monaten noch kinderlosen Paares wandelt sich komplett. "Es war unglaublich, auf einmal zu siebt zu sein. Unglaublich schön, aber natürlich auch unglaublich anstrengend."

5 Kinder in 13 Monaten

Inzwischen sind die Drillinge dreieinhalb Jahre alt, die Zwillinge sind gerade fünf geworden. Und für die Familie steht ganz aktuell ein neuer Lebensabschnitt vor der Tür: "Wir ziehen in der ersten Jahreshälfte 2021 zurück nach München", sagt Vanessa. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Unsere Kids sollen in unserer Heimat zur Schule gehen. Außerdem wollen wir unsere Eltern wieder in der Nähe haben."

Als Vanessa diesen Satz sagt, wird sie im Garten entdeckt. Die Kinder haben sie gefunden. Vanessa lacht nur, und ich bewundere sie zum ca. 98. Mal in diesem etwa 60-minütigen Telefonat.

Als das Schicksal beschloss, diese Frau in gut einem Jahr fünfmal zur Mama zu machen, da suchte es sich offenbar exakt die Richtige für diese besondere Aufgabe aus.

... und hier gibt's mehr von Vanessa

Wenn euch die Geschichte von Vanessa ähnlich beeindruckt hat wie uns, hört mal in den (tollen!) Podcast von Nora Pinck rein. Bei "The Mompany" erzählt die Fünffachmama in Folge 17 ganz ausführlich von den vergangenen Jahren und ihrem trubeligen Alltag. 

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Unsere Autorin

Claudia Weingärtner

Jahrelang reiste sie als Reporterin um die Welt. 2014 aber begann ihr größtes Abenteuer: Sie wurde Mama von Zwillingen.

Seitdem übt sie täglich den Spagat zwischen Jobdingen und Kinderkram – und verarbeitet den Muskelkater und andere Konsequenzen u.a. in Briefen, die sie an ihre beiden Kinder schreibt und auf zwillimuddi.com veröffentlicht. Seit April 2020 ist sie Chefredakteurin von "Leben & erziehen".

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