5. April 2019

Ein tiefgreifendes Ereignis

Das Geburtserlebnis verarbeiten

© kieferpix/iStockphoto.com

Die Geburt ist nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche ein tiefgreifendes Erlebnis. Wie sie diese Erfahrung verarbeitet hat, darüber schreibt unsere Kollegin Steffi in ihrem Blog. Sie hat vor zwei Jahren Tochter Julia und vor sieben Monaten die kleine Mona zur Welt gebracht.

Vor ein paar Wochen kam in meinem Freundeskreis ein Baby zur Welt. Als ich der frisch gebackenen Mama gratulierte und nach der Geburt fragte, erfuhr ich: Dem Kleinen geht es gut, dafür musste die Freundin einiges mitmachen. Der Geburtsprozess war sehr schmerzhaft und zog sich wegen der Größe des Kindes über Stunden hin, ähnlich lange dauerte die Versorgung der entstandenen Verletzungen.

Von null auf hundert

Dass eine Geburt generell ein sehr einschneidendes Erlebnis ist, weiß jede, die eine Entbindung durchgestanden hat. Ich darf mich glücklich schätzen, dass bei beiden Mädels alles unkompliziert ablief, bei Mona musste ich noch nicht einmal genäht werden. Die Schmerzen waren dennoch stellenweise grenzwertig. Zeit für die Verarbeitung dieses Ereignisses blieb erst einmal wenig: Wir wurden mit zwei wundervollen Geschöpfen belohnt, die all unsere Aufmerksamkeit beanspruchten. Julia bekam bereits am ersten Lebenstag starke Koliken und weinte viel. Ich machte zwei Nächte durch, erst in der dritten Nacht gab ich sie völlig entkräftet für wenige Stunden bei der Kinderkrankenschwester ab. Das Stillen bereitete mir Probleme und spielte sich erst nach etwa zehn Tagen ein. Dazwischen machten mir neben Schlafmangel auch Nachwehen, Hormone und die Lebensumstellung zu schaffen.

Was ist mit dem Wochenbett?

Dass eine Geburt für den Körper kein Spaziergang ist, führte der mir immer wieder auf eindrucksvolle Weise vor Augen. Drehte ich mit dem Kinderwagen eine Runde an der frischen Luft, musste ich mich danach sofort wieder hinlegen. Selbst Wochen später bedeuteten einfache Hausarbeiten wie Staubsaugen noch große Kraftanstrengung. „Du weißt schon, dass das Wochenbett eigentlich sechs Wochen lang dauert“, schimpfte mich meine Hebamme Anna, als sie mich draußen einmal beim Laubkehren erwischte. Und sie hatte völlig recht. Denn leider gönnt man sich zu wenig Ruhe, weil es einfach immer irgendwo etwas zu tun gibt (und man zugegebenermaßen mal ganz froh über einen kleinen Tapetenwechsel ist). Und auch aus dem Umfeld kommt stellenweise eine gewisse Erwartungshaltung, beispielsweise wenn es um das Empfangen von Besuchen oder die Vereinsarbeit geht. Wir waren deshalb sehr dankbar, dass uns meine Mama anfangs öfter die Wäsche abnahm und häufig für uns mitkochte.

Die Gedanken kreisen um die Geburt

Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass die beiden Geburten nicht nur meinen Körper, sondern auch die Psyche stark beschäftigten. Nacht für Nacht spielte ich den Geburtsprozess immer wieder gedanklich durch, und das über einen Zeitraum von vielen Wochen. Daneben hatte ich das starke Bedürfnis, mich mit meinem Mann darüber auszutauschen. Es war wohl meine Art, das Geschehen zu verarbeiten.
Inzwischen stelle ich fest, dass die Erinnerung an den schmerzhaften Teil beider Geburten immer stärker nachlässt. Es bleiben mir vor allem die Erinnerung an die ersten Minuten mit unseren kleinen Wundern, das pure Glück, als wir die frohe Nachricht Familie und Freunden überbringen konnten. Es ist schon erstaunlich, welche Leistung jede Mama da vollbringt. Auf die dürfen wir mächtig stolz sein!

Was wir als Familie noch alles erleben, davon erzähle ich euch an dieser Stelle bald mehr.

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