29. November 2018

In einem der modernsten Krankenhäuser

Hebammen-Mangel: Eine weitere Station muss schließen

Geburt
© nd3000/iStockphoto.com

Der Hebammen-Mangel ist inzwischen in vielen Teilen Deutschlands spürbar geworden. Auch die Heimatstadt unserer Kollegin Steffi hat es nun getroffen: Die Geburtsstation des neugebauten Krankenhauses musste schließen, noch bevor sie überhaupt eröffnet hat.

Es ist wirklich ein Jammer: Jetzt haben wir eine der modernsten Kliniken Bayerns bei uns in unmittelbarer Nähe. Leider finden dort aber keine Spontangeburten statt. Wegen der schlechten Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, hohe Haftpflichtbeiträge) gibt es nicht mehr genügend Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sein wollen.

Eine familiäre Atmosphäre ist wichtig

Dass in unserer Heimatstadt vielleicht bald gar keine Babys mehr auf die Welt kommen, macht viele Menschen fassungslos. Denn auch im Nachbarlandkreis musste die Geburtsstation des Krankenhauses vor einiger Zeit schließen. Wer schon einmal ein Baby zur Welt gebracht hat, weiß um die Vorzüge eines nahe gelegenen Krankenhauses: Wenn die Wehen eingesetzt haben, ist eine lange Autofahrt echte Quälerei. Außerdem setzt sich jede werdende Mutter andere Prioritäten für die Geburt. Mir war es beispielsweise wichtig, meine Töchter in familiärer Atmosphäre zur Welt bringen zu können. Deshalb war ich auch sehr dankbar, die Vorzüge eines kleinen Krankenhauses genießen zu können. Die Hebamme war von der ersten bis zur letzten Sekunde der Geburt anwesend und vermittelte mir nicht nur Sicherheit, sie unterstützte mich auch mit Tipps und übernahm die komplette Erstversorgung. Die Stationsschwestern taten alles, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Mathias durfte nach Monas Geburt bei uns übernachten, außerdem hatten wir ein Zimmer für uns alleine. Ein Luxus, der mir viel bedeutet hat, weil ich dort nach zwei schlaflosen Nächten wenigstens zu ein paar Stunden Schlaf kam.

Es stimmt mich sehr traurig, dass meine Entbindung hier nun eine der letzten gewesen sein soll. Die Hebammen und Belegärzte haben einen unglaublich tollen Job gemacht und ich hätte ihnen so sehr Verstärkung gewünscht, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Unsere wundervolle Hebamme wird sich nun hauptsächlich um die Nachsorge kümmern. Denn auch in diesem Bereich gibt es mittlerweile einen Hebammen-Mangel.

Was können wir tun?

Hoffnungsvoll macht mich, dass die Menschen hier nicht tatenlos zusehen. Die Lokalpolitiker haben in den vergangenen Wochen diverse Maßnahmen auf den Weg gebracht und prüfen beispielweise die Einrichtung einer Hebammenschule. Mit Unterschriftenlisten soll den zuständigen Politikern vor Augen geführt werden: Wir wollen die Schließung der Geburtsstation nicht einfach so hinnehmen! Dazu gibt es auch eine Online-Petition, die sich an den Bayerischen Landtag richtet. Ob damit etwas erreicht werden kann? Das wird sich noch zeigen.
Sicher ist aber: Wir setzen ein Zeichen. Ein Zeichen, dass wir nicht auf die wohnortnahe Geburtshilfe verzichten wollen. Ein Zeichen, dass dringend eine Änderung im Gesundheitssystem erfolgen muss. Ein Zeichen für faire Rahmenbedingungen – für Ärzte, Hebammen und auch alle anderen, die Tag für Tag ihr Bestes geben, Familien einen guten Start zu ermöglichen.

Was wir als Familie noch alles erleben, davon erzähle ich euch an dieser Stelle bald mehr.

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Ein Kommentar

  1. Susanne Ehring sagt:

    Gleich vorab, als vierfache Mutter wertschätze ich die Arbeit der Hebammen sehr und es ist ein herausfordernder und verantwortungsvoller Job! Doch diesen Satz „Wegen der schlechten Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, hohe Haftpflichtbeiträge) gibt es nicht mehr genügend Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sein wollen. “ kann ich in Aichach nicht wirklich nachvollziehen. Hier werden den Hebammen seit Jahren die Haftpflichtversicherungsbeiträge gezahlt und sorry, aber die Arbeitszeiten haben Krankenschwestern, Altenpfleger etc. auch bei wesentlich schlechterer Bezahlung. Hier hätte man in Aichach einfach viel früher etwas für die Hebammen-Nachwuchs-Gewinnung tun müssen, so wie es jeder Handwerksbetrieb auch macht, damit ihm die Facharbeiter nicht ausgehen.

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