Hyponatriämie

Wasservergiftung: Bitte gebt euren Babys kein Wasser!

Eltern meinen es nur gut, wenn sie ihrem Säugling bei hohen Temperaturen Wasser geben. Eine lebensgefährliche Wasservergiftung beim Baby kann allerdings die dramatische Folge sein. Wie viel ist zu viel? Und was sind die Symptome?

Babys benötigen ausreichend Flüssigkeit. Klar. Doch vor allem bei der Gabe von Wasser müssen Eltern vorsichtig sein. Grundsätzlich könnt ihr euch merken: Ein Baby unter sechs Monaten braucht neben dem Stillen oder der Flaschennahrung keine zusätzliche Flüssigkeit. Auch nicht im Sommer! Im Gegenteil! Mit zusätzlichem Wasser könnt ihr eurem Säugling sogar schaden. Schon mal von einer Wasservergiftung oder auch Hyponatriämie gehört?

Was dem Baby bei einer Wasservergiftung passiert:

Die Nieren von Kindern sind im ersten Lebensjahr noch nicht voll funktionstüchtig. "Babynieren können noch keine großen Mengen an Wasser ausscheiden", erklärt Stillberaterin Sandra Werlich-Praetzel. "Das Blut verdünnt sich, wenn ein Baby Wasser trinkt, weil dieses wenig Natrium enthält. Der Körper versucht den niedrigen Natriumgehalt im Blut auszugleichen. Das Wasser tritt ins Gewebe und schwemmt die Zellen auf." Die Expertin rät in den ersten sechs Monaten grundsätzlich von Getränken abseits des Stillens oder der Säuglingsmilch ab: Zusätzliches (Baby-)Wasser, aber auch Tee, Schorle oder ähnliches – alles tabu! Denn: Im schlimmsten Fall kann eine Wasservergiftung mit lebensgefährlichen Folgen wie Nierenversagen oder Hirnschwellungen enden. Das passiert zwar in den seltensten Fällen, dennoch sollte die Gefahr durchs Wassertrinken bei Säuglingen nicht unterschätzt werden.

An diesen Symptomen könnt ihr eine Wasservergiftung bei eurem Baby erkennen:

  • Lethargie
  • aufgedunsenes Gesicht
  • abfallende Körpertemperatur
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Krampfanfälle, Zuckungen
  • Bewusstlosigkeit

Ab welcher Menge wird es gefährlich?

Besorgte Eltern fragen sich oft, wie schnell die Symptome einer Wasservergiftung bei ihrem Baby zu erkennen sind. "Das Wasser sammelt sich schnell im Körper an und kann somit auch schnell gefährlich werden", erklärt Sandra Werlich-Pretzel, aber beruhigt gleichzeitig: "Mir ist immer wichtig, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und auf die Signale des Babys zu achten. Wenn ein Baby einen Schluck Wasser trinkt, wird es nicht gleich eine Wasservergiftung bekommen. Wir sollten bewusst mit der Gefahr umgehen und sie kennen." Voll gestillte Kinder sind optimal mit Flüssigkeit versorgt. Wird bei Flaschenkindern die genaue Dosierungsanleitung eingehalten, sind auch ihre Körper ideal hydriert – und somit keinem Risiko durch eine Wasservergiftung ausgesetzt, aber auch nicht dem der Dehydrierung. 

Wie erkenne ich bei Hitze, ob mein Baby genug getrunken hat?

Auch bei heißen Temperaturen brauchen Babys in den ersten sechs Monaten keinerlei zusätzliche Flüssigkeit. Die Experten-Empfehlung lautet hier: Öfter an die Brust, mehr Milchfläschchen. Aber bitte nicht strecken! Wer Pre-Milch füttert, sollte sich auch im Sommer unbedingt an die Zubereitungsempfehlung halten. Sandra Werlich-Pretzel erklärt: "An sehr warmen Tagen melden sich die Kinder automatisch häufiger zum Trinken. Wenn das Baby gesund wirkt, fröhlich ist, einen rosigen Teint hat, wird es auch genug Flüssigkeit erhalten haben. Die Fontanelle ist ein guter Anhaltspunkt. Diese sollte nicht eingesunken sein. Und das Baby sollte zwischen vier und sechs nassen Windeln in 24 Stunden haben, dann hat es genug getrunken."

Welche Wasser-Menge für Babys ab sechs Monaten gilt:

Ab dem ersten Breilöffel ändert sich die Situation. Nun kann das Baby langsam ein paar Schlucke Wasser probieren. Wenn mehrere Portionen Brei pro Tag gefüttert werden, sollte mit dem Wassertrinken aus einem Becher zu dem Mahlzeiten begonnen werden.

Kinder zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat benötigen etwa 200 ml zusätzliche Flüssigkeit neben der Beikost. Denn die benötigten 400 ml Flüssigkeit pro Tag sollten laut Empfehlung der WHO immer noch mindestens zur Hälfte durch Milch (Stillen oder PRE-Milch) abgedeckt werden.

Ab Übergang zur Familienkost (rund um den zwölften Monat) steigert sich die Trinkmenge auf ca. 600 ml bis 700 ml. 

Können auch Kleinkinder eine Wasservergiftung erleiden?

Im Grunde kann es jeden treffen. Auch Erwachsene können eine Wasserintoxikation erleiden.Vor allem Marathonläufer und andere Extremsportler sind betroffen, die in kurzer Zeit mehrere Liter Wasser zu sich nehmen. Die Gefahr einer Vergiftung durch Wasser besteht aber hauptsächlich bei Säuglingen, bei Kleinkindern ist das Risiko wesentlich geringer. Das Kind müsste extrem viel Wasser zu sich nehmen.

Was tun bei einer akuten Wasservergiftung?

Seid ihr besorgt, dass euer Baby zu viel Wasser getrunken haben könnte, kontaktiert umgehend euren Kinderarzt. Treten bereits typische Symptome einer Wasservergiftung auf, solltet ihr sofort eine Kinderambulanz bzw. Notaufnahme aufsuchen.

Unsere Expertin

Sandra Werlich-Praetzel

... arbeitet als Elterncoach und Stillberaterin in Hamburg. Zudem ist sie selbst Mama zweier Kinder.

Mehr Infos unter: praxis-swp.de

Reicht Muttermilch an heißen Sommertagen? Eine Zusammenfassung:

Autorin: Astrid Christians

Teile diesen Artikel: