Wenn Kinder wieder einnässen

Das Kind macht wieder in die Hose: Was tun?

Viele Kinder scheinen bereits verlässlich trocken zu sein und machen dennoch wieder in die Hose. Das verunsichert Eltern und belastet Kinder. Dabei lautet die Devise: Ruhig bleiben – denn diese Phase geht in den allermeisten Fällen ganz von selbst wieder vorbei.

Wenn Kinder wieder einnässen, brauchen sie vor allem eins: Mitgefühl und Verständnis.
© Foto: Getty Images/Juanmonino
Wenn Kinder wieder einnässen, brauchen sie vor allem eins: Mitgefühl und Verständnis.

"Mein Sohn ist 3,5 Jahre und eigentlich braucht er schon seit einem Jahr keine Windel mehr. Doch in letzter Zeit passiert ihm immer wieder ein Malheur. Woran liegt es, dass mein Sohn plötzlich wieder in die Hose macht?" Sandra Thiele ist verzweifelt. Seit zwei Monaten nässt sich ihr Sohn Theo regelmäßig ein. Und das, obwohl er eigentlich längst trocken war.

Jedes vierte Kind unter fünf Jahren macht manchmal in die Hose

So unangenehm diese Situation für Theo und seine Mutter auch ist – die beiden stehen damit nicht alleine da. Denn immerhin jedes vierte Kind unter fünf Jahren durchlebt Phasen, in denen es den Weg zur Toilette nicht mehr rechtzeitig schafft. Die Wechselkleidung wird zum Dauerbegleiter, nicht selten gesellt sich Scham dazu. Dabei muss das nicht sein, darüber sind sich die Experten einig. Denn die Blase zu kontrollieren ist ein steter Lernprozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist. Vor allem nachts kann das länger dauern.

Die häufigsten Ursachen, warum ein Kind plötzlich wieder in die Hose macht

War das Kita- (oder Schul-)Kind aber schon über einen längeren Zeitraum verlässlich trocken und macht ganz plötzlich wieder in die Hose, kann es dafür mehrere Gründe geben. Dies sind die häufigsten:

  • Keine Zeit aufs Klo zu gehen. Oft ist das Kind in sein Spiel vertieft, abgelenkt und einfach zu beschäftigt, um rechtzeitig aufs Klo zu gehen. Vor allem, wenn es schon eine Weile trocken und der Weg auf die Toilette keine Besonderheit mehr ist, lässt die Aufmerksamkeit für die eigene Blasenfunktion wieder nach. Macht das Kind dann plötzlich in die Hose, kommt die Erinnerung automatisch wieder zurück.
  • Veränderungen im Alltag. Kinder reagieren oft sensibel auf neue Abläufe. Das kann die Eingewöhnung im Kindergarten sein, ein Umzug oder die Geburt eines Geschwisterkindes. Werden solche Phasen liebevoll und verständnisvoll begleitet, verschwindet das Problem mit dem Einnässen mit der Zeit ganz von selbst wieder.
  • Stress in der Familie. Darüber hinaus können natürlich auch seelische Belastungen auf die Blase schlagen. Wenn das Gefühl überwiegt, dass Kummer und Stress der Grund für die nassen Hosen sind, sollte man versuchen, hinter das Problem zu schauen und an der Ursache zu arbeiten.
  • Medizinische Gründe. Macht das Kind plötzlich wieder in die Hose, kann das aber auch körperliche Ursachen haben. Legt sich das Problem nicht von alleine, ist ein Besuch beim Kinderarzt ratsam, um etwa Blasen- und Nierenentzündungen auszuschließen. Auch eine Diabetes mellitus kann für verstärkten Harndrang sorgen und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Ganz schön normal: nächtliches Bettnässen

Nasse Bettlaken, unterbrochene Nächte – ist das Kind tagsüber trocken, macht aber nachts immer wieder ins Bett, kann das ebenfalls sehr belastend sein. Dennoch ist Abwarten auch hier in der Regel die beste Strategie. Denn in den allermeisten Fällen liegt dem Problem eine Entwicklungsverzögerung im Hormonhaushalt (Vasopressin) zugrunde, die das Zusammenspiel von Schlaftiefe, Harnproduktion und Blasenkontrolle regelt. Erzieherische Maßnahmen können diese körperliche Entwicklung nicht beschleunigen.

Autorin: Marlene Mayer

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