Vorteile und Risiken

Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft: Gut für Mama, gefährlich für Baby?

Masturbieren in der Schwangerschaft – ist das wirklich eine gute Idee? Viele Schwangere haben sogar mehr Lust auf Sex, sind aber verunsichert. Meist ohne Grund: Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft kann sich positiv auf Mama und Baby auswirken. In einigen Fällen wiederum sollten Frauen sich lieber zurückhalten ...

Das Gefühl nach dem Orgasmus: unbezahlbar! Aber ist es auch in der Schwangerschaft sicher?
© Foto: Getty Images/Boris Jovanovic
Das Gefühl nach dem Orgasmus: unbezahlbar! Aber ist es auch in der Schwangerschaft sicher?

Ist Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft gefährlich fürs Baby?

In einer gesunden Schwangerschaft ohne Komplikationen spricht grundsätzlich nichts gegen Sex und Selbstbefriedigung. Im Gegenteil: Wenn die werdende Mama für ihr Wohlergehen sorgt, tut das in der Regel auch dem Baby gut.

Beim Masturbieren werden nicht nur Endorphine freigesetzt, auch der Blutfluss in der Gebärmutter wird angeregt. Dadurch bekommt das Baby eine Extraportion Glückshormone und Sauerstoff ab. Die Unsicherheit oder das ungute Gefühl, dem ungeborenen Kind könnte etwas passieren, sind reine Kopfsache. "Das Baby ist im Körper der Mutter vor äußeren Reizen optimal geschützt", erklärt uns Friederike Ruof, Hausgeburtshebamme aus Hamburg. "Die Fruchtblase, das Fruchtwasser, die Gebärmutterwand und der Gebärmutterhals wirken wie eine Art Puffer. Sex oder Masturbieren können dem Baby nichts anhaben. Vielmehr wird das ungeborene Kind sogar positiv beeinflusst, zum Beispiel durch den Abbau der mütterlichen Stresshormone und die Ausschüttung der Endorphinen."

Auch die Sorge, dass die Muskelkontraktionen in der Gebärmutter eine Früh- oder Fehlgeburt auslösen könnten, ist laut dem Bundesverband der Frauenärzte unbegründet. Frauen mit einer komplikationslosen Schwangerschaft müssen ihre Lust also nicht zügeln, sondern dürfen ihr auch in der Schwangerschaft unbesorgt nachgehen.

Kann Selbstbefriedigung die Wehen auslösen?

Es stimmt, dass Sex rund um den Entbindungstermin zum natürlichen Geburtshelfer werden und die Wehentätigkeit auslösen kann. Das liegt jedoch nicht, wie lange angenommen, am weiblichen Orgasmus. Verantwortlich dafür sind spezielle Gewebshormone im Sperma, die sogenannten Prostaglandinen. Selbstbefriedigung hat im Umkehrschluss keinen Einfluss auf die Wehen.

Mehr zum Thema: Wann geht’s endlich los? Anzeichen für die Geburt

Wann sollten Frauen auf Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft verzichten?

Erlaubt ist grundsätzlich, was der werdenden Mutter guttut und ihr – auf sanfte Art und Weise – Lust bereitet. Das gilt zumindest so lange, wie die Schwangerschaft komplikationslos verläuft. Es gibt Fälle, in denen Frauen auf Empfehlung des Bundesverbands für Frauenärzte hin, auf Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft verzichten sollten. Beispielsweise ist besonders in den ersten drei bis vier Monaten beim Sex Vorsicht geboten, wenn eine Frau bereits Fehlgeburten hatte oder aus anderen Gründen eine Risikoschwangerschaft vorliegt.

Zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche kann eine gynäkologische Untersuchung Aufschluss über die Entwicklung des Kindes und die Frauenärztin oder der Frauenarzt grünes Licht für sexuelle Aktivitäten geben.

Bei folgenden Schwangerschaftsproblemen wiederum sollten Frauen von Selbstbefriedigung und Sex bis zur Geburt absehen beziehungsweise nur in sehr sanfter Form ohne Penetration masturbieren:

  • Vaginalblutungen
  • vorzeitige Wehen oder eine Vorgeschichte damit
  • eine Uterusinfektion
  • ein verkürzter Gebärmutterhals (Zervixinsuffizienz)
  • ein tiefer Sitz der Plazenta (Placentainsuffizienz)
  • Wachstumsbeschränkungen innerhalb der Gebärmutter

Wichtig zu wissen: Nicht jede kleinste Blutung spricht automatisch gegen Sex oder Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft. Ein offenes Gespräch mit der Hebamme oder dem Frauenarzt kann im Einzelfall Klarheit schaffen und der werdenden Mutter ihre Sorgen nehmen. 

Welche Vorteile hat Masturbieren in der Schwangerschaft?

Bei einer komplikationslosen Schwangerschaft kann Selbstbefriedigung ein echter Zugewinn sein. Ein Grund dafür: Die meisten Frauen erleben in den rund vierzig Wochen zwischen Befruchtung und Geburt intensivere Orgasmen als gewöhnlich. Das liegt an einem Anstieg der stimulierenden Hormone und einer stärkeren Durchblutung von Klitoris und Vagina. Der weibliche Körper wird dadurch empfänglicher für sexuelle Reize und Berührungen.

Doch nicht immer hat auch der Partner Lust oder Zeit für Sex. Irgendwann ist womöglich auch der Babybauch im Weg. Dank diverser Selbstbefriedigungstechniken muss die Frau deshalb aber nicht auf ihre Höhepunkte verzichten. Friederike Ruof von Zuhause Gebären aus Hamburg ergänzt: "Sex mit dem Partner wird von einigen schwangeren Frauen zeitweise als zu intensiv empfunden. Beim Masturbieren wiederum kann die Frau die Intensität leicht selbst steuern und sanft in ihrem Tempo zum Orgasmus kommen."

Außerdem hilft Selbstbefriedigung aus Sicht der Expertin dabei, das Bewusstsein für den eigenen Körper zu stärken. "Frauen, die in der Schwangerschaft weiter sexuell aktiv sind und regelmäßig masturbieren, sind meist besser auf eine natürliche, spontane Geburt vorbereitet", sagt Ruof.

Hinzu kommt, dass Selbstbefriedigung typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Ischias- und Rückenschmerzen oder Übelkeit lindern kann, weil sich der Körper nach dem Orgasmus komplett entspannt. Außerdem kann sexuelle Aktivität dabei helfen, Stresshormone abzubauen und den Schlaf zu verbessern. Noch ein Pluspunkt: "Regelmäßiges Masturbieren kann ganz nebenbei den Beckenboden kräftigen, wovon Frauen während der Schwangerschaft und natürlich auch nach der Geburt profitieren", so Friederike Ruof. Nicht zuletzt sorgen die freigesetzten Endorphine nach einem Orgasmus sowohl bei der werdenden Mutter als auch beim ungeborenen Kind für ein wohliges Gefühl.

Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft – auch mit Sextoys?

Verläuft die Schwangerschaft ohne Komplikationen, spricht bei korrekter Anwendung nichts dagegen, Sextoys zu verwenden. Wenn die Ärztin, der Arzt oder die Hebamme keine Warnung ausspricht, kann die Frau ruhigen Gewissens einen Vibrator oder Dildo zur Hand nehmen. Eine Ausnahme: "Bei einem verkürzten Gebärmutterhals sollten Frauen von penetrativem Sex mit dem Partner oder einem Toy absehen", rät die Hebamme. Gegen eine klitorale Stimulation sei meist jedoch nichts einzuwenden. Am besten besprechen Frauen ihre Bedenken mit ihrer betreuenden Nachsorge-Hebamme, um kein unnötiges Risiko einzugehen.  

Vorsicht ist grundsätzlich geboten bei Sextoys, die sich per App oder Fernbedienung bedienen lassen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Funkwellen einen negativen Einfluss auf das ungeborene Kind haben könnten. Auch von Liebeskugeln, die nicht speziell für Schwangere sind, raten Expertinnen und Experten ab. Sie könnten den Muttermund reizen. 

Frauen, die in der Schwangerschaft Sexspielzeug benutzen, sollten generell auf folgende Dinge achten:

  • Das Sextoy sollte schadstofffrei und aus haufreundlichem oder medizinischem Silikon sein.
  • Auf den Einsatz besonders großer oder langer Spielzeuge sollten schwangere Frauen verzichten.
  • Ein Gleitgel auf Wasserbasis kann die Selbstbefriedigung noch sanfter gestalten.
  • Nach jedem Gebrauch sollte das Sextoy mit einem speziellen Reiniger gründlich gesäubert werden.
  • Das Spielzeug sollte immer sicher und frei von Schmutz oder Staub aufbewahrt werden.
  • Bei kleinsten Schäden das Toy lieber sofort entsorgen oder an den Hersteller zurücksenden.

Autorin: Lisa Gutknecht 

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