Leseliebe

Ist es schlimm, wenn Kinder nur Comics lesen wollen?

Es gibt sie, die Kinder, die einfach nichts anderes als Comics lesen wollen. Warum das so ist und wie Eltern am besten damit umgehen, haben wir einen Experten gefragt.

Kind liest einen Comic© iStock/2thirdsphoto
Viele Kinder lieben Comics – und lesen keine Bücher.

Comics haben ohne Frage ihren Reiz. Auch viele Erwachsene haben ganze Sammlungen und lesen bestimmte Werke immer wieder. Doch muss man sich eigentlich Sorgen machen, wenn ein Kind keine anderen Bücher lesen will? Und wie gut sind Comics eigentlich zum Lesenlernen geeignet? Wir haben bei Michael Schwarzkopf, einem Lehrer (Oberstudienrat) für Deutsch, Englisch und Theater, nachgefragt. 

Comics sind besser, als gar nicht zu lesen

"Gegen Comiclektüre ist an und für sich nichts einzuwenden", betont der Lehrer. Definitiv sei es besser, Comics zu lesen, als gar nicht zu lesen. "Ich selbst bin großer Comic- und Graphic Novel-Fan. Da hat sich unglaublich viel auf dem Markt getan. Gerade auch textlich", stellt Michael Schwarzkopf klar. Und Eltern müssen auch keine Angst haben, dass ihre comicliebenden Kinder nur noch in Schallwörtern wie "Uff", "Boing" oder "Peng" reden oder schreiben würden. Schließlich bekommen sie diese Sprechweise um sich herum ja auch nicht zu hören.

Woher kommt die ausschließliche Comic-Liebe?

Will man sich der Verweigerungshaltung anderen Büchern gegenüber nähern, kommt es zunächst darauf an, wer damit einen Umgang sucht – Lehrer oder Eltern. "Als Lehrer würde ich zunächst einmal das Gespräch mit den Eltern suchen, um herauszufinden, welche Rolle Bücher und Lesen im Elternhaus spielen", erklärt Michael Schwarzkopf. Davon hänge viel ab. Wenn niemand im Elternhaus liest oder ein Interesse an Büchern hat, dann könne man das erst einmal auch nicht vom Kind erwarten. "Dann wäre die Comic-Lektüre ja schon ein erster Schritt", so der Lehrer.

Wenn wir Eltern uns damit konfrontiert sehen, dürfen wir uns einmal selbst fragen, ob wir irgendwie dazu beigetragen haben, dass das Kind Büchern nicht offener begegnet. Haben wir ihm von klein auf vorgelesen? Lesen mein Partner und/oder ich selbst überhaupt in der Gegenwart des Kindes? Haben wir die "richtigen" Bücher angeboten? Oder hat unser Kind möglicherweise eine Leseschwäche und scheut daher längere Texte?

Was tun, wenn mein Kind nur Comics liest – wie bringe ich ihm auch andere Bücher näher?

Michael Schwarzkopf sieht mehrere Möglichkeiten, Jugendliche oder Kinder an "richtige" Bücher heranzuführen. Zum Beispiel könnte man die (textliche) Komplexität der Comics erhöhen. Der Lehrer berichtet, dass es auf dem Comic-Markt mittlerweile Werke gibt, die in bildlicher und textlicher Komplexität an Romane heranreichen. Wichtig sei es, die Kinder bei dem abzuholen, was sie interessiert, betont der Deutsch-Lehrer:

Wenn wir ihnen Texte anbieten, die sie nicht interessieren, werden sie sie auch nicht lesen.

Eine gute Idee können Bücher sein, die eine Art Mischform zwischen Comic und Romanform darstellen. Michael Schwarzkopf empfiehlt zum Beispiel die Kinderbuch-Reihe "Gregs Tagebuch" von Jeff Kinney. "Die ist durchaus beliebt und kann auch Jungen, die ja meistens die Lesemuffel sind, fürs Lesen begeistern", sagt der Lehrer aus Erfahrung. Auch Einzelbände, die mit Bildmaterial, das Comics sehr nahekommt, den eigentlichen Text erleichtern oder bereichern, je nach Sichtweise, seien eine gute Option. Für Pubertierende fällt dem Pädagogen zum Beispiel Sherman Alexies  "Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers" ein. Solche Bücher können den Übergang von Comics zu "richtigen" Büchern sicherlich erleichtern. 

Abschließend betont Schwarzkopf noch einmal, wie wichtig es ist, Kinder frühzeitig ans Lesen und damit an Bücher heranzuführen. Das müsse – im Idealfall – im Elternhaus geschehen. Also, so oft wie möglich vorlesen und Kinder von Anfang an mit der Bücherwelt vertraut machen. Was im Elternhaus nicht geschieht, könne man auch in der Schule nur sehr schwer auffangen. Aber auch da gilt dann: "Leseraum schaffen. Bücherkisten pflegen, Kindern Zeit zum Entdecken geben und sie ans gemeinsame stille Lesen heranführen", rät der Lehrer.

Lesetipps einer Bücherbloggerin

Und hier findet ihr noch ein paar Tipps der Buchbloggerin Eliane Fischer von @mintundmalve: