Auch das können wir Eltern

Kindern schwimmen beibringen – die besten Tipps!

(Nicht nur) pandemiebedingt hinken viele Kinder mit dem Schwimmenlernen hinterher. Der Sprecher von Bäderland Hamburg verrät uns, wie Eltern ihren Kindern das Schwimmen selbst beibringen können.

Das Wichtigste beim Schwimmenlernen: Der Spaß im Wasser!
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Das Wichtigste beim Schwimmenlernen: Der Spaß im Wasser!

Dass viele Kinder im Vorschul- oder selbst im Grundschulalter noch nicht schwimmen können, ist nicht nur schade, sondern kann auch gefährlich werden. "Die Vergabe des Seepferdchens ist im Jahr 2020 um 70 Prozent eingebrochen", zitiert die Dülmener Zeitung den DLRG-Vorsitzenden Volkmar Brockhausen. Hier besteht definitiv Nachholbedarf. Schließlich will man seinem fünfjährigen Kind am Strand, im Urlaub oder bei Freunden nicht mehr überall hin hinterherlaufen. Doch ohne schwimmen zu können, sollten Kinder nicht unbeaufsichtigt in der Nähe eines Gewässers sein. Michael Dietel, Sprecher von Bäderland Hamburg, hat viele Tipps parat, was Eltern selbst tun können, damit der Nachwuchs schwimmen lernt:

Leben & erziehen: Ab welchem Alter können Kinder schwimmen lernen?

Michael Dietel: Schwimmenlernen beginnt mit der Wassergewöhnung – und damit kann man schon im Alter von drei Monaten starten. Gemeint ist nicht nur das Babyschwimmen im Schwimmbad. Auch zu Hause können Eltern viel machen. Denn selbst das Reinigungsbaden und Planschen in der Babybadewanne ist schon Wassergewöhnung. Dazu gehört zum Beispiel auch das Tröpfeln von Wasser auf den Kopf und später das eigenständige Sitzen und Aufstehen im Wasser.

Zielgerichtete Schwimmbewegungen können Kinder im Schnitt mit fünf Jahren umsetzen. Daher beginnen unsere Seepferdchenkurse in diesem Alter. Hier müssen die Kinder auch in der Lage sein, sich von ihren Eltern zu lösen und den Anweisungen der Schwimmlehrer zu folgen. Unabhängig von den Kursen: Eltern kennen ihre Kinder am besten, manche Kinder können auch schon mit drei Jahren schwimmen, andere haben noch mit fünf Jahren ihre Schwierigkeiten. Und das ist okay. Der größte Fehler ist es, das Kind zu drängen und ihm somit die Freude am Umgang mit Wasser zu nehmen.

Wichtig ist, Schwimmen nicht mit einem sauberen Schwimmstil gleichzusetzen. Um den Stil geht es erst in den Bronzekursen. Am Anfang geht es darum, über Wasser zu bleiben und sicher von A nach B zu kommen.

Woran erkennen Eltern, dass ihre Kinder bereit sind, Schwimmen zu lernen?

Bevor es richtig losgeht, müssen die Kinder wie gesagt ans Wasser gewöhnt werden. Dabei gibt es einige gute Hinweise, die zeigen, ob ein Kind zum Schwimmenlernen bereit ist. Lässt es das Kind zum Beispiel zu, wenn ihm für etwa zehn bis 15 Sekunden lang Wasser über Gesicht und Haare läuft? Das kann man auch zu Hause unter der Dusche oder in der Badewanne üben. Im Schwimmbad ist es dann wichtig zu schauen, wie frei sich das Kind im Wasser bewegt, also ob es sich wohlfühlt. Ein wichtiger Indikator ist auch, ob das Kind das Gleichgewicht auf einer Schwimmnudel sitzend halten kann, ohne den Boden zu berühren. Unsere Schwimmlehrer überprüfen außerdem vor jedem Seepferdchenkurs, ob die jungen Teilnehmer das "Krokodil an der Treppe" schaffen. Also mit den Armen die Treppe hochkrabbeln können, ohne die Beine zu benutzen. Außerdem gehen sie sicher, dass die Kinder sich mit losgelösten Füßen an einer Treppenstufe ins Wasser legen, den Kopf ablegen und es dabei zulassen, dass die Ohren unter Wasser sind. Das können Eltern gut mit ihren Kindern üben – egal ob als Vorbereitung auf einem Schwimmkurs oder unabhängig davon.

Was müssen Eltern beachten, wenn sie ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen wollen?

Einige Eltern neigen dazu, ihre Kinder zu überfordern und bringen zu wenig Geduld mit. Da sieht man schon mal Mütter und Väter, die ihr Kind dazu auffordern, vom Einer zu springen, obwohl es sich noch nicht mal traut, das vom Beckenrand zu tun. Es gibt Dinge, die Kinder in bestimmten Entwicklungsstadien noch nicht können. Wenn sich das Kind zum Beispiel noch nicht traut, mit dem Kopf unterzutauchen, kann es nicht schwimmen lernen. Das ist auch der Grund dafür, dass eine Kursdidaktik die Übungen sinnvoll aufeinander aufbaut. Das Wichtigste ist: Ein Kind sollte sich im Wasser wohlfühlen. Am Anfang steht also immer die Wassergewöhnung.

Welche konkreten Übungen können Eltern mit den Kindern schon zu Hause, zum Beispiel in der Badewanne oder Dusche, machen?

Kinder können in der Badewanne ins Wasser pusten und blubbern. So lernen sie das Ausatmen ins Wasser. Auch das Rieseln von Wasser über den Kopf ist hilfreich. Grundsätzlich müssen Eltern natürlich immer dabei sein, wenn ihre kleinen Kinder in der Badewanne sind. Aber sie können ab einem gewissen Alter schon alleine sitzen und sollten sich frei bewegen dürfen – sich zum Beispiel unter Aufsicht spielerisch vom Rücken auf den Bauch drehen und Ähnliches. Wenn sie richtig planschen, mit Wasser spritzen und Spaß dabei haben, ist das ein sehr gutes Anzeichen dafür, dass es später beim Schwimmenlernen klappen wird. Auch das Öffnen der Augen unter Wasser kann der Nachwuchs zu Hause üben. Ganz wichtig ist, dass dies ohne Schwimmbrille geschieht. Wer keine Badewanne hat, kann – natürlich eingeschränkt – eine Babybadewanne oder ein kleines Planschbecken nutzen. Und pusten können Kinder auch in ein Waschbecken.

Wie können Eltern ihren Kindern im Schwimmbad das Schwimmen beibringen?

Anfangs kann sich das Kind im Nichtschwimmerbecken mit dem Bauch auf die Stufen legen, ins Wasser blubbern und mit gestreckten Beinen strampeln. Dann kann es sich lang machen und sich wie ein Torpedo vom Beckenrand oder der Treppe abstoßen, ins Wasser ausatmen und gleiten. Dies ist mit Brettchen oder auch mit gestreckten Armen möglich. Eine gute Übung ist auch der sogenannte Seestern, bei dem sich die Kinder mit dem Rücken nach unten wie ein Stern auf die Wasseroberfläche legen. Dabei lernen sie, dass sie vom Wasser getragen werden, wenn der Po nicht nach unten hängt. Eltern unterstützen anfangs natürlich den Kopf und haben auch mal eine Hand unter dem Po. Dann können die Kinder üben, sich im Wasser vom Rücken auf den Bauch zu drehen.

Sie sollten auch lernen, ihren Kopf komplett unter Wasser zu halten und sich dort mit offenen Augen zu orientieren – ohne Schwimmbrille. Denn bei einem etwaigen Unfall haben sie ja in der Regel auch keine Schwimmbrille auf. Keine Angst: Das Wasser brennt nicht in den Augen.

Wenn es ums Erlernen von Schwimmbewegungen geht, orientieren wir uns am natürlichen Bewegungsablauf, den Kinder vom Krabbeln und Gehen kennen. Wechselseitige Bewegungen sind ergonomisch sinnvoll und instinktiv bekannt. Daher ist dieser Bewegungsablauf natürlicher und einfacher für die Kinder umzusetzen als die typische "Froschbewegung" des Brustschwimmens. Auch ruhiges Atmen ist wichtig. Dabei sollte der Kopf nicht zu hoch aus dem Wasser beziehungsweise in den Nacken genommen werden, denn dabei sinkt automatisch der Po nach unten und die stromlinienförmige Wasserlage wird verändert. Vorwärtsbewegung ist dann nur noch mit größter Kraftanstrengung möglich. Schwimmen soll aber ganz leicht sein.

Viele denken, im Seepferdchenkurs lernen die Kinder sauberes Brustschwimmen. Dem ist aber nicht so. Damit die Kinder anfangs nicht auch noch das richtige Atmen üben müssen, starten wir die wechselseitige Bewegung in der Rückenlage. Rückenkraul ist demnach die erste Schwimmart in unserer Schwimmschule. Diese kann sowohl mit der Schwimmnudel als auch mit dem Brett geübt werden.

Wie lange dauert es, bis ein Kind schwimmen kann?

Das ist ganz individuell. Einflussfaktoren können das Alter, aber auch der Charakter des Kindes oder persönliche Ängste sein. Das eine Kind braucht nur wenige Stunden, das andere wiederholt auch mal einen Kurs – braucht also länger. Alles ist okay. Und auch bei unseren Seepferdchenkursen raten wir Eltern, parallel zum Kurs regelmäßig mit den Kindern im Wasser zu üben. Übung macht den Meister. Generell ist Geduld ganz wichtig. Die Kinder sollen den Spaß am Wasser nicht verlieren. Druck ist nicht hilfreich. Und: Niemand kann erwarten, dass sein Kind ohne vorherige Wassergewöhnung in kürzester Zeit schwimmen lernt.

Welche weiteren Tipps haben Sie, wenn man Kindern das Schwimmen beibringen will?

Eltern sollten von Anfang an regelmäßig mit ihren Kindern ins Schwimmbad gehen. Die Kinder schauen sich viel ab und da kommt das Schwimmen irgendwann ganz natürlich.

Was tun, wenn die Kinder sich von den Eltern nichts zeigen lassen wollen?

Für Eltern kann es herausfordernd sein, in die Rolle der Lehrerin oder des Lehrers zu schlüpfen. Da kann es zu Rollenkonflikten kommen – denn im Kopf vieler Kinder sind die Eltern eher für Spiel und Spaß verantwortlich. Und manche Eltern haben eine hohe Erwartungshaltung. Manchmal ist es auch schwierig, wenn Mama und Papa im Kopf des Kindes eher als Spielpartner verankert sind. Dann sollte eventuell lieber eine andere Person die Lehrerrolle übernehmen. Vielleicht findet sich eine Freundin oder ein Freund der Familie, vielleicht eine Tante oder ein Onkel. Oder die Eltern buchen einen Schwimmkurs. Die haben in der Regel den Vorteil, dass die Schwimmlehrer das tagtäglich machen und nicht nur auf Erinnerungen "von früher" zurückgreifen.

Hat man zurzeit denn eine Chance auf einen Platz im Schwimmkurs? Wie lang sind die Wartelisten, wie lange dauert es, bis man einen Platz bekommt?

Bei Bäderland gibt es keine Wartelisten. Wer flexibel hinsichtlich des Bades und Wochentages ist, findet immer wieder einen Kurs. Monatlich sind neue Kurse verfügbar. Die Nachfrage ist natürlich groß und durch die Pandemie noch gewachsen, daher gibt es derzeit mehrere Sonderprogramme mit noch mehr Kursangeboten. In den Ferienzeiten bieten wir Intensiv-Kurse an.

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