Viruserkrankung

RSV-Welle: Kritische Kliniksituation – kaum noch freie Kinder-Intensivbetten!

Auch in diesem Jahr trifft uns die Erkältungswelle besonders heftig. Und schon wieder ist es das RS-Virus, das Kinderarztpraxen und -krankenhäuser füllt. Mediziner warnen: Besonders Babys und Kleinkinder sind davon schwer betroffen. Und durch anhaltenden Personalmangel seien kaum noch Kinder-Intensivbetten frei …

Immer mehr Kleinkinder müssen dieses Jahr mit Atemwegsinfekten durch das RS-Virus ins Krankenhaus.
© Foto: Getty Images/JLBarranco
Immer mehr Kleinkinder müssen dieses Jahr mit Atemwegsinfekten durch das RS-Virus ins Krankenhaus.

Wer sich aktuell im Dunstkreis von Familien mit kleinen Kindern bewegt, wird an laufenden Nasen und Dauerhusten nicht vorbeikommen. Die Erkältungszeit ist in vollem Gange. Aber so richtig! Besonders die Kleinsten leiden extrem. Die Wartezimmer in Kinderarztpraxen sind überfüllt, genauso wie (Kinder-)Kliniken. Häufig steckt das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) hinter dem Leiden der Kleinen. Die massive Welle an RSV-Erkrankungen bei Kindern bringt eine erhöhte Nachfrage an Intensivbetten mit sich. Doch die Anzahl dieser Betten ist durch den anhaltenden Pflegemangel stark reduziert. Notfallmediziner und Pflegekräfte schlagen Alarm …

Die RSV-Welle wütet – und es fehlt an Kinder-Intensivbetten

"Es gibt leider eine Zuspitzung", warnt Jakob Maske, Kinderarzt aus Berlin und Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, gegenüber der dpa. "Wir haben mehr kranke Kinder als sonst zu dieser Zeit und immer weniger Betten in den Kinderkrankenhäusern, weil Personal fehlt." Das Robert-Koch-Institut warnt aktuell vor allem vor der Influenza und dem RS-Virus. 

Intensivmediziner warnen, dass die Versorgung von Kindern mit RS-Virus immer schwieriger wird. Aufgrund von starkem (bundesweit vorkommenden) Personalmangel sind teils 40 Prozent der Kinder-Intensivbetten außer Betrieb. Die Lage sei sowieso schon sehr prekär in deutschen Kliniken, doch die enorme Welle von RSV-Infektionen habe diese angespannte Situation noch einmal stark verschlimmert. Die Krankenhäuser sind überfordert: Kinder werden mittlerweile sogar auf normalen Stationen behandelt, wenn sie eigentlich auf Intensivstationen liegen müssten.

Weniger als ein freies Intensivbett pro Standort

Besorgniserregend: Einer aktuellen Klinikumfrage der Divi zufolge steht durchschnittlich kein Intensivbett mehr für kritisch kranke Kinder zur Verfügung. Es gebe auf den pädiatrischen Kinderintensivstationen rechnerisch lediglich noch 0,75 freie Betten pro Klinik – das ist weniger als ein Bett pro Standort, so heißt es bei der Divi.  Gesundheitsminister Karl Lauterbach zeigt sich "sehr besorgt" über die kritische Situation. Es sollen erste Schritte zur Abhilfe folgen …

Insgesamt wurden 110 Kinderkliniken befragt, davon hätten 43 Einrichtungen zudem kein freies Bett mehr auf der Normalstation gehabt. Und: Jede zweite Klinik habe in den vergangenen 24 Stunden mindestens ein Kind auf der Kinderintensivmedizin ablehnen müssen, nachdem der Rettungsdienst oder die Notaufnahme angefragt hatte.

Das RS-Virus kann besonders für Babys und Kleinkinder gefährlich werden …

Das RS-Virus zieht einen Infekt der oberen Atemwege nach sich – und es kann die Jüngsten, also Babys und Kleinkinder, Frühgeborene und vorerkrankte Kinder stark gefährden. Grundsätzlich kann sich jeder damit infizieren, auch Erwachsene. Aber bei den Kleinsten kommt es häufig zu den größten Komplikationen. Sie benötigen im schlimmsten Fall eine Krankenhauseinweisung mit ständiger Überwachung, da ein lebensbedrohlicher Sauerstoffabfall folgen kann.

Entwarnung gilt aber für ansonsten gesunde Kinder: In den meisten Fällen verläuft eine Infektion mit diesem Virus wie eine ganz normale Erkältung ab. Die kann zäh sein, muss dann aber auf keinen Fall im Krankenhaus enden. 

Wie wird das RS-Virus übertragen und was können besorgte Eltern im Ernstfall tun?

Zuallererst: Ruhe bewahren! Zum Glück gehören die meisten Kinder nicht zur Risikogruppe für schwer verlaufende Erkältungskrankheiten. Schnupfnase und Halsschmerzen können zwar ganz schön nerven, aber gehören eben dazu. Das RS-Virus wird, wie die meisten Erkältungsviren, über eine Tröpfchen-(Husten, Niesen, Sprechen) oder Schmierinfektion (Geschirr, Spielzeug...) übertragen. Das Löffelchen muss also nicht unbedingt geteilt werden, aber Experten raten trotzdem dazu, die Kleinen auf keinen Fall in Watte zu packen. Nur so können sie ein intaktes Immunsystem aufbauen.

Ob der Besuch der Kita nun mit beziehungsweise trotz laufender Nase stattfindet, liegt im Ermessen der Eltern in Absprache mit der Einrichtung. (Hier könnte aktuell ein Corona-Test von der Kita eingefordert werden.)

Sollten Eltern beunruhigt sein, ihr Kind zur Risikogruppe zählen, dann wenden sie sich am besten direkt an ihren Kinderarzt. Eine Impfung gibt es derzeit noch nicht gegen das RS-Virus. Gegen die Influenza schon. Diese wird zwar nicht unbedingt für Kinder empfohlen. Es wird aber auch nicht davon abgeraten. Hier hilft ein Gespräch mit dem Experten. 

Lade weitere Inhalte ...