Vorteile und Herausforderungen

Stadt oder Land – wo wachsen Kinder besser auf?

Stadt, Land oder irgendwas dazwischen? Wer nicht ständig umziehen will, muss sich früher oder später festlegen. Wo lebt es sich als Familie am besten? Eine Grundsatzfrage, auf die es viele unterschiedliche Antworten gibt. Wir haben nachgehakt.

Sollten Kinder auf dem Land aufwachsen oder reichen Ausflüge in die Natur?
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Sollten Kinder auf dem Land aufwachsen oder reichen Ausflüge in die Natur?

Kinder in der Stadt großziehen

Carolina B. hat die letzten Jahre mit ihrem Mann in einem ländlichen Vorort von Hamburg verbracht. Vor sechs Monaten kam ihre gemeinsame Tochter Mathilda zur Welt und nun steht ein Umzug in die Stadt an. Mitten in Hamburg hat die dreiköpfige Familie eine schicke Altbauwohnung ergattert – zur Miete. 

"An Eigentum ist bei den aktuellen Preisen gar nicht zu denken", erklärt die frischgebackene Mama. Selbst eine bezahlbare Mietwohnung zu finden, war für sie eine Herausforderung und mit Kompromissen verbunden. Ein eigener Balkon war nicht drin, dafür ist ein Park direkt vor der Haustür. "Man muss kreativ werden, wenn man gerne in der Stadt leben möchte und nicht endlos viel Miete zahlen kann oder will", so Carolina. Ihr Einrichtungsgeschick will die 32-Jährige jetzt nutzen, um aus drei Zimmern fünf Räume zu machen. 

 

Die Vorzüge des Großstadtlebens – auch mit Kind

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Pro Stadtleben: Mama Carolina mit Tochter Mathilda.

Der jungen Mutter ist bewusst: Sobald ein zweites Kind kommt, wird es zu eng in der 3-Zimmer-Wohnung und ein weiterer Umzug steht an. Doch bis dahin will sie zusammen mit Mann und Kind die Vorzüge des Großstadtlebens genießen. "Wir haben uns aus egoistischen Gründen dafür entschieden, zurück in die City zu ziehen und gar nicht wegen des Babys", gibt die gebürtige Hamburgerin zu. "Mathilda ist noch sehr klein, ihr ist es egal, wo sie wohnt. Deshalb sind wir nach unseren Wünschen gegangen." Für Carolina liegen die Vorteile auf der Hand: Alles, was sie im Alltag braucht, kann sie fußläufig erreichen. Es gibt gleich mehrere KiTas, viele Spielplätze und gute Ärztehäuser in der Nähe. Ihr Auto, das sie ohnehin nur ungern fährt, kann stehen bleiben. Das entlastet nicht nur sie selbst, sondern auch die Umwelt. 

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Mit Kindern auf dem Land leben

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Meike und ihr Sohn Luca genießen das Landleben.

Meike N. aus dem Stuttgarter Raum hatte eigentlich den Wunsch, mit ihrer Familie in der Stadt zu bleiben. Gleichzeitig träumten sie und ihr Mann schon lange von einem eigenen Haus mit mehr Platz für sich selbst und ihren knapp zweijährigen Sohn Luca. "Für uns war es die Abwägung: In unserer kleinen Stadtwohnung bleiben oder weiter raus aufs Land ziehen und dort die Freiheiten haben, die wir uns als Familie wünschen", verrät Meike. Die Entscheidung fürs Landleben war in erster Linie finanziell motiviert. "Obwohl wir beide gut verdienen, könnten wir uns ein Stadthaus gar nicht leisten. Selbst im ländlichen Raum war die Finanzierung eine Herausforderung."

Es war aber nicht nur eine Frage des Budgets, warum die dreiköpfige Familie jetzt die Kisten packt. Für Meike hat der Umzug aufs Dorf weitere Vorzüge: Sie freut sich, mehr Zeit an der frischen Luft zu verbringen und ihrem Sohn die Natur näher zu bringen. "Ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen und habe das sehr genossen. Mein Bruder und ich haben Baumhäuser gebaut, am Bach gespielt und im See gebadet. Das wünsche ich meinem Sohn auch." Mit ihrer Meinung steht Meike übrigens nicht allein da: Laut einer aktuellen Statista-Umfrage finden 78 Prozent der Deutschen, dass Kinder auf dem Land besser aufwachsen.

"Ich glaube, auf dem Land ist das Leben etwas beschränkter. Das muss aber kein Nachteil sein ..."

Einige Vorzüge der Stadt wird die 33-Jährige allerdings auch vermissen: zum Beispiel die große Auswahl an Spielplätzen für Luca und die vielen kulturellen Möglichkeit für sich selbst. "Ich glaube, auf dem Land ist das Leben etwas beschränkter. Das muss aber kein Nachteil sein. Für Kinder kann es sogar hilfreich sein, wenn sie nicht von vornherein so eine riesen Auswahl haben an Sportarten, Vereinen und Freizeitbeschäftigungen. Das macht es vermutlich leichter, die eigenen Interessen zu finden."

Noch etwas, das Meike am Landleben zu schätzen weiß, ist die Hilfsbereitschaft untereinander. Sie hat die Stadt immer als sehr anonym wahrgenommen. "Auf dem Land kennt man sich und im Zweifelsfall achten eher sechs Augen auf das Kind als nur zwei."

Fazit: Stadt oder Land – wo werden Kinder besser groß?

Stadt, Land oder irgendwas dazwischen? Es werden sich für alle Optionen immer Vor- und Nachteile finden lassen. Mal fehlt der Bezug zur Natur, mal der frühe Umgang mit dem Straßenverkehr. Mancherorts sind die Schulen besser, woanders gibt es mehr Auswahl an Freizeitaktivitäten. Hier kann aufs Auto verzichtet werden, dort muss man ständig mobil sein.

Gesünder soll unterm Strich das Landleben sein. Das bestätigen Forscher der dänischen Universität Aarhus. Ihre Untersuchungen legen nahe, dass sich Grünflächen im Umfeld von Heranwachsenden positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirken können. Die Frage, ob auch ein nahegelegener Stadtpark als grün genug gilt, ist noch offen. Experten zufolge ist es wichtig, dass Kinder viele Gleichaltrige um sich haben – das kann überall der Fall sein. Abgesehen davon ist es letztlich immer eine Frage, wie man als Familie leben möchte und welchen Preis man dafür zahlen kann und will. 

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