Allergie-Alarm

Lebensmittelunverträglichkeiten bei Kindern: Wenn Essen krankt macht

Fruchtsaft, Milch, Weizen – Lebensmittel, die nicht selten Probleme machen. Meist sind dafür Unverträglichkeiten, manchmal aber auch Allergien verantwortlich. Wir erklären, wieso das so ist.

Manche Lebensmittel können bei Kindern wegen einer Unverträglichkeit Bauchweh hervorrufen.
© Foto: Getty Images/Daniela Solomon
Manche Lebensmittel können bei Kindern wegen einer Unverträglichkeit Bauchweh hervorrufen.

Wenn Christina Spaghetti kocht, muss sie zweimal Nudelwasser aufsetzen. Einmal für die Hartweizen-Pasta und einen kleineren Topf für glutenfreie Nudeln. Ihr Sohn braucht eine Spezialkost. Konstantin hat Zöliakie, eine Unverträglichkeit gegen Getreide-Eiweiß. Vor gut zwei Jahren ging es los. Der Kleine hielt sich oft den Bauch, weinte viel und hatte Durchfall. Seitdem er keine glutenhaltigen Lebensmittel mehr isst, kann er kann ohne Beschwerden leben. Für Mama Christina ist das eine logistische Meisterleistung. Sie muss glutenfreies Brot, Nudeln oder Kuchen kaufen. Die Zutatenlisten von allen Lebensmitteln überprüfen, denn auch Pommes, Joghurt, Wurst oder Chips können Gluten enthalten. Sie muss selbst bei Kleinigkeiten aufpassen: So darf Konstantins Brot nicht mit dem selben Messer abgeschnitten werden wie das Vollkornbrot für den Rest der Familie.

Zöliakie bei Kindern

Was passiert bei einer Glutenintoleranz im Körper?
Der Dünndarm ist mit sogenannten Zotten, winzigen  Ausstülpungen, ausgekleidet. So entsteht eine große Oberfläche, um Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen. Bei einer Zöliakie reagiert das Immunsystem auf Gluten und löst eine Entzündungsreaktion im Darm aus. Die Darmzotten schrumpfen, eine glatte Oberfläche entsteht. Weniger Nährstoffe werden aufgenommen.

Welche Beschwerden treten bei einer Glutenunverträglichkeit auf?
Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen. Oft untypische Symptome wie Wachstumsstörungen, Gelenkbeschwerden, Müdigkeit.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Durch einen Antikörper-Bluttest und eine Dünndarmspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe. 

Was kann man dagegen tun?
Lebenslange, glutenfreie, strikte Diät: Das Klebereiweiß ist enthalten in heimischen Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen und Hafer.

"Glutenfrei" zu einem regelrechten Ernährungstrend geworden

Nicht immer sorgt eine echte Krankheit für Bauchgrummeln. Viele Menschen meinen, dass Weizen generell verantwortlich ist für ihr Unwohlsein. In Gesundheitsforen liest man den Tipp, mal den Weizen wegzulassen. So ist "glutenfrei" zu einem regelrechten Ernährungstrend geworden. Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund ist skeptisch. "Weizen macht nicht per se krank und auch nicht dick, sondern oft ist der Grund ein Zuviel, z. B. an ungesundem Weißbrot, Aufbackbrötchen oder Gebäck." Das uralte Getreide pauschal zu verteufeln hält die Ökotrophologin für gefährlich, vor allem ohne gesicherte Diagnose. Nur ein Arzt könne testen, ob eine Zöliakie wirklich vorliegt.

Laktoseintoleranz bei Kindern

Was passiert im Körper?
Der Zucker in der Milch, die Laktose, wird nicht verdaut. Ursache: Der Körper bildet zu wenig Laktase. Dieses Enzym spaltet den Milchzucker in kleinere Bestandteile, die im Dünndarm ins Blut aufgenommen werden. Wird er nicht gespaltet, landet er im Dickdarm. Dort zersetzen ihn Bakterien und bilden Gase.

Welche Beschwerden treten auf?
Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall

Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Durch einen Wasserstoff-Atemtest. Schnelltests für zu Hause sind nicht zu empfehlen!

Was kann man gegen Laktoseintoleranz tun?
Milch, Buttermilch, Molke, Frischkäse, Joghurt und Quark reduzieren bzw. meiden. Butter und Schnittkäse enthalten wenig Laktose. Achtung: Auch in Backwaren, Fertigsuppen, Ketchup und Wurst steckt der Zucker.

Fruktose-Malabsorption bei Kindern

Was passiert im Körper?
Fruktose (Fruchtzucker) wird von den Zellen im Dünndarm aufgenommen und mittels eines Transporters ins Blut befördert. Bei einer Fruktose-Malabsorption ist dieser Transport gestört, sodass der Zucker unverdaut in den Dickdarm gelangt. Dort wird er von Bakterien zersetzt, Gase entstehen.

Welche Beschwerden treten auf?
Blähungen, Krämpfe und Durchfall

Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Durch einen Wasserstoff-Atemtest

Was kann man dagegen tun?
Meistens hilft es schon, fruchtzuckerhaltige Lebensmittel für eine gewisse Zeit einzuschränken, um den Fruchtzucker-Transporter zu schonen.

Die meisten Kinder vertragen Milch und Obst gut

Auch Milch oder Obst können schuld sein am Bauchgrummeln. Sollten Eltern bei solchen Symptomen vorsorglich zu Spezialprodukten greifen? "Auf gar keinen Fall", sagt Sonja Lämmel. "Die Laktoseintoleranz kommt bei Kindern gar nicht so häufig vor. Und: Auch bei einer echten Laktoseintoleranz werden viele normale Milchprodukte vertragen. In Naturjoghurt stecke z. B. zwar viel Milchzucker, der wird aber wegen der Milchsäurebakterien besser abgebaut.

Fruchtzuckerprobleme liegen meist daran, dass der Darm zu viel zu tun hat: "Obst in großen Mengen, Fruchtsaft und Kinderlebensmittel mit Fruktose überfordern den Darm", sagt Lämmel. Dann lieber mal eine Pause einlegen vom Süßen: Säfte, Smoothies, Nektare oder Marmeladen streichen; Obst nur in Miniportionen und in Kombination mit Joghurt essen. Hilft das nicht, sollten Eltern mit dem Kinderarzt sprechen. Oder sich Hilfe bei einer Ernährungsfachkraft holen. Denn fallen zum Beispiel Milchprodukte weg, fehlen wiederum Nährstoffe wie Kalzium, Vitamin D und B12, die Kinder für die Entwicklung brauchen. Nur ein professioneller Ernährungsplan kann Mangelerscheinungen vorbeugen.

Lebensmittelallergie bei Kindern

Was passiert im Körper?
Das Immunsystem bekämpft normalerweise harmlose Stoffe (meistens Eiweiße) in Lebensmitteln. Es werden spezielle Antikörper gegen die vermeintlichen Feinde gebildet. Wird das Lebensmittel erneut verzehrt, kann das eine allergische Reaktion auslösen.

Welche Beschwerden treten auf?
Juckreiz und Schwellungen (z. B. an Lippe, Mund, Rachen), Quaddeln oder Neurodermitis, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Asthma oder Atemnot

Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Antikörper-Test (IgE) im Blut, Hauttests

Was kann man dagegen tun?
Das Lebensmittel konsequent vom Speiseplan streichen. Ein Jahr später wieder beim Arzt testen.

Wirklich gefährlich: Allergien

Wenn die Reaktion auf ein Lebensmittel sehr plötzlich auftritt, kann eine echte Allergie vorliegen. Eltern, die selbst allergisch sind, kennen die Symptome wie Atemnot oder Quaddeln zum Beispiel nach dem Verzehr von Äpfeln oder Nüssen nur zu gut. Bei Kindern arbeitet die Verdauung noch nicht perfekt, Eiweiße werden schlechter verdaut. Kinder haben deshalb häufiger Lebensmittelallergien als Erwachsene. "Milch, Ei, Erdnuss, Hasel- und Walnuss sowie Weizen sind die häufigsten Allergieauslöser", weiß Sonja Lämmel. Doch vorsorglich Lebensmittel zu streichen, könne mehr schaden als nutzen: "Das Immunsystem muss trainiert werden, es braucht den Kontakt mit vielen verschiedenen Lebensmitteln." Passiert das nicht, kann es sein, dass das Kind Lebensmittel später tatsächlich nicht verträgt. Die gute Nachricht: Eine Allergie kann sich verwachsen. In gut drei Vierteln der Fälle ist sie bis zum Grundschulalter wieder verschwunden.

Autorin: Angela Murr

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