Komplizierte Geburt

Beckenendlage: Wenn sich das Kind nicht dreht

Liegt das Baby mit dem Kopf nach oben im Bauch, also in der Beckenendlage, ist das fast immer ein Grund für einen Kaiserschnitt. Aber muss das so sein? Kann das Baby nicht gedreht werden? Unsere Hebamme Franziska Luck weiß Bescheid.

Was ist eine Beckenendlage?

Bei der Beckenendlage – kurz auch BEL genannt – liegt anstelle des Kopfes der Po des ungeborenen Babys in Richtung Beckenausgang. Diese Abweichung von der Norm tritt bei etwa fünf Prozent der Frauen zum Ende der Schwangerschaft auf. Bei der BEL unterscheiden sich noch verschiedene Varianten der Position des Kindes: Die häufigste ist die reine Steißlage, bei der nur der Po in Richtung Geburtskanal liegt. In anderen Fällen zeigen die Füße oder Knie des Babys in Richtung Geburtskanal.

Kann das Baby auch aus der Steißlage von außen gedreht werden?

Ja, es gibt Ärzte, die eine sogenannte äußere Wendung des Babys durchführen können. Da dies aber ein großer Eingriff ist, wird sie immer im Krankenhaus unter höchsten Sicherheitsbedingungen durchgeführt. Viele Ärzte prüfen vor einer äußeren Wendung anhand eines Wendungsscores, ob sie Erfolg versprechend ist. Hierbei werden unter anderem die Lokalisierung der Plazenta, die Position und Größe des Kindes sowie die Menge des Fruchtwassers mit Punkten bewertet. Je mehr Punkte erreicht werden, desto wahrscheinlicher ist eine erfolgreiche Wendung. Erfolgreich bedeutet, dass das Baby anschließend in der gewünschten Schädellage bleibt.

Wann ist ein Kaiserschnitt nicht zu vermeiden?

Auch wenn die meisten Kinder aus Beckenendlage per Kaiserschnitt geboren werden, ist der Versuch einer spontanen Geburt bei guten mütterlichen und kindlichen Bedingungen möglich. Hierbei spielt die Lage des Babys eine sehr große Rolle. Die ideale Position für eine spontane Geburt bei BEL ist die reine Steißlage. Liegen aber die Füße vorne, lässt sich ein Kaiserschnitt in den meisten Fällen nicht vermeiden.

Welche Faktoren sind wichtig für eine Spontangeburt?

Mutter und Kind müssen gesund sein, und die 37. Schwangerschaftswoche sollte vollendet sein. Zusätzlich spielen das Gewicht des Kindes, die Menge des Fruchtwassers und die exakte Positionierung des Kindes eine große Rolle. Wünscht sich eine Schwangere eine vaginale Geburt bei einer Beckenendlage, ist es am wichtigsten, ein Krankenhaus zu finden, das über die größtmögliche Erfahrung verfügt. Die Position des Kindes in BEL stellt nämlich auch die Geburtshelfer auf eine besondere Probe. Das Handwerk und die Erfahrung, die nötig sind, werden in unseren Kreißsälen immer mehr zur Rarität.

Warum werden so wenige Kinder spontan aus der BEL geboren?

Aufgrund mangelnder Erfahrung der Geburtshelfer entscheiden sich die Ärzte häufig für einen Kaiserschnitt. Hierbei spielt auch eine Studie (die "Hannah-Studie") aus den Jahren 1997 bis 2000 eine Rolle. Diese kam zu dem Schluss, dass die Gefahr für das Baby, bei einer spontanen Geburt aus BEL eine Schädigung zu erfahren oder gar zu sterben, überdurchschnittlich hoch ist. Jedoch haben andere Studien gezeigt, dass die Ergebnisse nicht den Tatsachen entsprechen. Leider hat es daraufhin aber kein Umdenken im Kreißsaal gegeben.

Was ist das Richtige für mich?

Schlussendlich ist die Entscheidung über die Art der Geburt – egal aus welcher Position des Kindes – immer eine individuelle und persönliche. Definitiv ist eine Beckenendlage kein absoluter Grund für einen Kaiserschnitt. Lasst euch also nicht verunsichern, sondern entscheidet nach guter Aufklärung und eurem Bauchgefühl, was die richtige Geburt für euch und euer Baby ist, wenn es in dieser besonderen Position liegt. Und ich möchte euch versichern: Ob Kaiserschnitt oder vaginal geboren – jede Geburt ist eine "richtige" Geburt.

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Unsere Expertin

Franziska Luck

... ist seit 2009 ausgebildete Hebamme. Sie arbeitet in der Metropolregion Hamburg und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern südlich der Elbe.

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