Lieb gemeint, aber …

Babysachen leihen: “Nein, danke! Mein Keller ist auch voll!”

Klamotten, Spielzeug, Kindersitze, Buggys: Unsere Autorin hat sich anfangs noch darüber gefreut, von allen Seiten Sachen für ihren Nachwuchs zu bekommen. Aber irgendwann leuchtet ihr etwas ein …

In den Kellern aller Eltern stapeln sich die Babyklamotten. Wohin damit, wenn der Platz begrenzt ist?
© Foto: iStock/Sophie Walster
In den Kellern aller Eltern stapeln sich die Babyklamotten. Wohin damit, wenn der Platz begrenzt ist?

Hach, ich liebe meine Freunde. So sehr. Viele sind wie Familie. Und, wow, habe ich mich gefreut, als mir nach der Verkündung meiner Schwangerschaft von hier und dort angeboten wurde, mir dieses und jenes auszuleihen. Sehr sperrig. Okay. Aber: Musst du haben. Ohne geht's nicht. "Cool, danke, super gerne", habe ich dann gesagt. Das kam auch von Herzen. Gefreut habe ich mich. Aber irgendwann musste ich etwas anderes antworten – und das fiel mir wirklich schwer: "Der. Platz. Ist. Begrenzt. Tut mir leid!" Auch mein Keller ist voll.

"Ich bin schwanger": Wie die Platzprobleme anfingen

Als wir verkündeten, dass wir Nachwuchs erwarten, dauerte es nicht mehr lang. Es schien so, als hätten unsere lieben Familienmitglieder und Freunde mit Kids nur darauf gewartet. Klar, in erster Linie, weil sie sich so für uns freuten (und, ja, das taten sie alle). Aber auch, weil sie loslegen wollten. Loslegen mit dem Ausmisten ihrer Keller. Da stapelten sich nämlich schon sämtliche Babyklamotten, Spielzeuge und sonstige Kinderprodukte gen Horizont. Man, habe ich mich gefreut, als ich zum ersten Mal mit vier (!) vollen Ikea-Taschen von einer Freundin nach Hause fuhr. Super, dachte ich. War es auch, natürlich. Und super lieb! Bitte nicht falsch verstehen. Aber: Es sollten noch zig Angebote und Tüten folgen.

Über die Scham, sich keine Dinge (mehr) auszuleihen

Irgendwann war es mir richtig unangenehm, sämtliche Babysachen abzulehnen. Wir wollten Freunden und Familie kein schlechtes Gefühl geben. Oh man, das Ganze hat mich belastet. Aber was sollte ich denn tun: Wir hatten keinen Platz mehr. In unserem Kellerabteil kann man sich sowieso nur einmal um sich selbst drehen. Das war's. Wie sollten wir da jetzt noch 1000 Sachen unterbringen? Ein Ding der Unmöglichkeit.

Wenn Ausgeliehenes in den Keller der Großeltern wandert

Ich habe noch heute das Gefühl, dass niemand sich traut, über dieses Thema zu sprechen. Gerade in Zeiten der Zero-Waste-Bewegung. Es ist ja nicht so, dass wir GAR NICHTS secondhand kaufen. Oder uns nichts ausgeliehen haben. Aber ich mochte es eben, meinem Baby auch etwas Neues zu kaufen. Punkt. Und dafür habe ich mich etwas geschämt. Heute nicht mehr. Es hat mir eben Freude bereitet.

Als ich mich mit einer meiner besten Freundinnen über diese Problematik unterhielt (und zwar ohne Scham), fiel mir wirklich ein Stein vom Herzen. Ihr ging es genauso. Sie hatte den Keller bereits in der Frühschwangerschaft voll mit ausgeliehenen Sachen von Freunden und Familie. Sie traute sich einfach nicht, NEIN zu sagen. Und als ihr eigener Keller dann irgendwann aus allen Nähten platzte, nun, da brachten sie und ihr Mann die restlichen Tüten und Kisten eben zu ihren und seinen Eltern. Wahnsinn. Benutzen wollten sie die Dinge nicht. War schon alles vorhanden. Neu und ungebraucht. Doch sie wollte sich nicht unbeliebt machen und ablehnen.

Will man sich als Mama wirklich ALLES ausleihen?

Spielzeug: Okay. Strickjäckchen: Gerne. Aber Bodys? Sorry, da habe ich schon etwas genauer hingeschaut. Und auch meiner bereits erwähnten Freundin erging es genauso. Wir wollten unseren Babys einfach keine schon ein- bis tausendmal vollgekackten Stoffe überstülpen. No way. Das mag für manche komisch klingen, aber ich würde wetten, dass sich hier auch viele Mamas wiedererkennen. Wir wollen doch auch selbst keine gebrauchten Schlüppis tragen müssen, oder? Da hab ich gerne ein paar Euro in neue Bodys investiert. 

Ein bisschen Schmunzeln musste ich übrigens, als mir der Buggy der ersten Tochter als "super in Schuss" und "mega praktisch" angepriesen wurde, ich ablehnte und dieser dann auf dem Sperrmüll landete. Entlarvt!

Jetzt als Kleinkind-Mama verstehe ich es besser

Unser Kleiner ist nun schon aus unzähligen Sachen rausgewachsen. Und nun weiß ich nur zu gut, weshalb man sich über jedes Teil freut, das in anderen Haushalten gebraucht wird und dorthin wandert. Es wird einfach immer mehr. Eine gute Möglichkeit, all das Zeug loszuwerden: Flohmärkte. Doch auch dafür muss man gemacht sein. Ich stellte mich hin und wieder ganz gerne hin (mit ein paar Freundinnen und genügend Prosecco). Doch als ich meinen Mann mal dazu überredete, mit mir einen Stand aufzustellen, wusste ich ganz schnell: Es wird das erste Mal zusammen und gleichzeitig das letzte Mal sein. 

Mein Mann hasst Flohmärkte. Na, gut, unser Start hätte nicht schlechter sein können: Im Rahmen der Proteste gegen den damals bald anstehenden G20-Gipfel in Hamburg wurde der Standort unseres Flohmarktes durch Vandalismus zerstört. Nachdem wir innerhalb einer Stunde nichts loswurden, verkaufte er irgendwann einen ganzen Tisch für 5 Euro. Nur, um der Szenerie fix zu entkommen. "Einen Return-on-Investment habe ich da schon nicht mehr gesehen." Ich habe die Stellung gehalten. Zusammen mit meiner Freundin fand ich es nämlich ganz witzig. Alle waren happy.

"Wer will noch, wer hat noch nicht?" Jetzt mache ich auch mit.

Seitdem weiß ich, dass mein Mann nie wieder mit mir auf einen Flohmarkt gehen wird. Doch auch uns stellt sich jetzt diese eine Frage: Was machen wir mit unseren ganzen Babysachen im Keller? Einzeln im Internet verkaufen? Für 1-Euro-Artikel wie Bodys von H&M eher eine aufwendige Option. Mich allein oder mit Freunden auf den Flohmarkt stellen? Puh, als Mama fehlt mir da oft die Muße und Zeit. Noch mehr bei den Großeltern einlagern? Ebenfalls keine Option, die Freudensprünge auslösen würde. Oder sollten wir alles aufbewahren? In der Hoffnung, dass wir irgendwann nochmal mit Baby Nr. 2 gesegnet werden? Wir haben doch aber (auch) keinen Platz mehr!

Also reihen wir uns nun ein und verschenken und verleihen vieles an unsere Freunde, die bekommen. Und wenn es von denen keiner haben möchte, spenden wir die Sachen meistens. Und eines habe ich dann schnell gemerkt: Die Freude, die wir unseren Liebsten damit bereiten, macht mich wirklich glücklich. Von Herzen. Allerdings ist die Wahrheit, wie wir sehen, ja doch häufig eine andere. Deshalb schiebe ich nach meinem Angebot immer etwas wie "Du darfst auch NEIN sagen" hinterher. Und, siehe da: Viele lehnen tatsächlich ab. Und wer dann noch "Ja" sagt, der freut sich wie ein Honigkuchenpferd. Und ich dann auch.

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