Schlafsprechstunde

Mein Baby schläft nur an der Brust ein

In unserer Schlafsprechstunde beantwortet unsere Expertin eure Fragen zum Thema Babyschlaf. Dieses Mal: Was kann man tun, wenn das Baby nur an der Brust in den Schlaf findet?

Das Baby schläft nur an der Brust ein und nimmt keinen Schnuller

Frage einer Leserin*:  "Meine Tochter (10 Monate) wacht nachts öfter auf. Sie findet dann nur in den Schlaf zurück, wenn sie an meiner Brust nuckelt. Daher schläft sie meist die ganze Nacht neben mir, weil ich sonst gar keinen Schlaf bekomme. Ihr Babybett steht aber direkt neben meinem. Einen Schnuller hat sie schon immer komplett verweigert. Wie kann ich sie darin unterstützen, selbst wieder einzuschlafen, wenn möglich in ihrem Bett?"

Antwort von Dr. med. Daniela Dotzauer:

Zunächst einmal sollte ein zehn Monate altes Kind grundsätzlich eine Beruhigungs- und Einschlafstrategie entwickeln – ohne Saugen und Schlucken. Ihre Tochter erwartet das Stillen als Weiterschlafservice beim nächtlichen Erwachen.

Wichtig zu wissen: Alle Menschen erwachen nachts, im Schlafphasenwechsel, leicht. Dieser Schlafphasenwechsel findet in der Nacht etwa alle zwei Stunden statt. Jeder Mensch muss lernen, damit zurechtzukommen, also die Schlafphasen zu verbinden, um weiterzuschlafen. Und es ist wichtig, was das Kind bisher "gelernt" hat. Wenn bei jedem Erwachen gestillt wurde, ist das Kind dies gewohnt – es wird weiter an Mamas Brust nuckeln wollen. Um davon wegzukommen, müssen das Baby und auch die Mama neu und anders das Einschlafen "lernen". Beide machen die Erfahrung, dass Einschlafen auch anders gelingen kann. 

Wenn Neues gelernt werden soll, muss es allerdings zu einem günstigen Zeitpunkt geübt werden. Ich empfehle dazu, den ersten Tagschlaf nach ein paar Wachstunden einzuführen. Nach zehn Monaten kann das schon sehr gut klappen, denn das Kleine spürt nun seine körperliche Müdigkeit. Doch wie genau kriegt man ein sattes Kind ohne das Saugen beim Stillen müde?

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Zum Abgewöhnen muss eine neue Einschlafroutine muss her

Folgendes Szenario müssen wir uns vorstellen: Das Baby ist satt durch Stillen oder Essen im Vorfeld, es beginnt nun ein immer wiederkehrender Ablauf – wir dunkeln das Zimmer ab, sind leise, bewegen uns langsam – und sind langweilig. Wir tragen das Kind senkrecht, wie zum Bäuerchen, durch den Raum. Natürlich müssen wir geduldig sein. Also singen oder reden wir ganz leise, wiegen das Kleine – nehmen uns auf jeden Fall Zeit. Irgendwann wird uns das Baby nicht mehr interessiert beobachten und spürt seine Müdigkeit. Meist legt es das Köpfchen auf das Schlüsselbein der Mama ab und signalisiert so: Jetzt bin ich schlafbereit! Nun wird es in die Waagerechte rutschen, wie beim Stillen. Leises Singen und Wiegen begleitet diesen Prozess. Sehr "schlafnah" sollte das Kind jetzt abgelegt werden und damit zum Einschlafen gebracht werden. "Anfänger" kommen mit ins Elternbett – später werden die Babys ins Kinderbett gelegt. 

Wichtig ist es in der ersten Zeit der Umgewöhnung, dass das Kind "eine eigene Einschlafstrategie entwickelt", wie wir Mediziner das nennen. Das ist wichtig: Die Eltern gucken dem Kind auf keinen Fall mehr in die Augen, sie drehen sich weg und machen von Mal zu Mal schneller einen Schritt weg vom Schlafplatz. So kann das Kind immer mehr mit weniger Elternhilfe einschlummern. Diese Routine muss ohne Schreien und ohne Gegenwehr der Kleinen passieren. Nach ein paar Tagen sollte das Ganze schon schneller gehen. Das Kind baut eine "Schlaferwartungshaltung" auf, die aber nicht mehr mit dem Stillen zusammenhängt. Und was am Tage klappt, gelingt dann auch leichter nachts.

Ein wichtiges Einschlaf-Hilfsmittel

Sind eigentlich Kuscheltiere sinnvoll beim Einschlafen? Ja, denn das Kleine kann sich damit selbst in den Schlaf kuscheln. Allerdings muss auch das Kind erst mal lernen, sich z. B. durch einen Teddy oder auch ein weiches Tuch zu "beruhigen". Viele Babys werden durch heftiges Saugen an einem Schnuller müde – doch diesen Effekt kann auch das Kuscheltier erzeugen. Das aber muss gelernt werden: etwa tagsüber, wenn das Kleinkind mit dem Bären oder der Stoffpuppe im Arm getröstet wird und sich damit beruhigt. Das Kind sollte also ein "Wohlfühlgefühl" mit dem Kuscheltier verknüpfen. Das klappt natürlich nicht sofort und problemlos, denn das "eigentliche Kuscheltier" ist ja die stillende Mutter. Aus einem passiven Stoffobjekt kommt ja nun weder Milch, noch beruhigt es.
Also brauchen wir Geduld, Ausdauer – und einen Plan: Das Kuscheltier ist halt immer dabei! Ist beim Stillen und Trösten präsent und wird im Laufe der Zeit ganz vertraut und für das Kind zu einer "kleinen Heimat". Es ist somit auch nachts für die Nachteule da, wenn Mama und Papa schlafen. 

Nachts aufwachen ist kein Problem

Also halten wir fest: Kinder müssen satt, müde und schlafbereit sein, um gut einschlafen zu können. Haben sie die besprochene Einschlafroutine gelernt, können sie auch abends im Vorfeld gestillt, dann "runtergekuschelt" werden und im Bett zunehmend selbstständiger einschlafen. Sie haben gelernt, dass Einschlafen leicht geht. Wenn sie dann nachts wach werden, ist es notwendig, prompt – aber moderat – zu helfen. Dann hilft das, was wir "Weiterschlafsprache" nennen: "Sch, sch, sch", "alles gut", Popoklopfen, sanft bewegen, etwas umbetten, kurz streicheln, Kuscheltier geben, singen. Also wird ein "Wohlfühlgefühl geliefert". Es sollte also auf keinen Fall automatisch zur Beruhigung gestillt werden. 

Aufwachen darf natürlich nicht für das nächtliche Wohlfühlklima zum Problem werden, sondern muss normal behandelt werden. Gestillt wird nur zu sinnvollen Zeiten – also in etwa zweimal pro Nacht. Und das Weiterschlafen lässt sich lernen – anfangs mit Hilfe, später selbstständig.

Experten-Bild

Unsere Schlaf-Expertin:

Dr. med. Daniela Dotzauer ist Ärztin und Eltern-/Säuglings/Kleinkindberaterin aus Krailling.

* der Name der Mutter ist der Redaktion bekannt

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