Verlieren können will gelernt sein

Mein Kind kann nicht verlieren! Was tun?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder vor Wut mal ein Spielbrett durch die Gegend pfeffern oder beim Sport total durchdrehen, wenn sie verlieren. Ein Psychologe verrät, wie man mit schlechten Verlierern gut umgeht.

Schlechter Verlierer: Kinder können manchmal ganz mies drauf sein.
© Foto: iStock/Juanmonino
Schlechter Verlierer: Kinder können manchmal ganz mies drauf sein.

Das haben wohl alle Eltern schon mal erlebt: Ihr Sprössling ist außer sich vor Wut, weil er es einfach nicht erträgt, ein Spiel zu verlieren. Dabei bereitet uns das Spielen doch auf das "echte" Leben vor, oder? Wir haben mit zwei Psychologen darüber gesprochen, was dahintersteckt, wenn Kinder nicht verlieren können, ob man sie gewinnen lassen sollte, und wie man mit schlechten Verlierern am besten umgeht.

Warum Kinder manchmal ausrasten, wenn sie verlieren

Es gibt Kinder, die regelrecht ausrasten, wenn sie ein Spiel verlieren. Sie schmeißen dann schon mal wutentbrannt ein Spielbrett samt Spielfiguren durch die Gegend oder schmollen lange, wenn sie verloren haben. Auch beim Sport ist das kein seltenes Phänomen. Sie schmeißen sich auf den Boden und scheinen (erst mal) untröstlich. Ist das "normal"? Was kann dahinterstecken, woher kommt das?

Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Ralph Schliewenz aus Soest erklärt, dass ein solches Verhalten in einem bestimmten Alter durchaus normal sei. Schließlich müssen Kinder erst lernen, ihre Emotionen zu regulieren. Und das brauche Geduld – vonseiten der Kinder UND der Eltern. "Von Geburt an kennen wir nur existenzielle Angst und Ekel – das rettet uns das Leben. Später kommen noch unendlich viele Ängste und weitere Gefühle hinzu, für die erst einmal Worte gefunden werden müssen", sagt der Psychologe.

Soll man Kinder gewinnen lassen?

"Klar kann man Kinder auch mal gewinnen lassen", sagt die Familienpsychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. "Es ist eine Gefühlssache, wann das passt und wann es auch okay ist, wenn sie mal verlieren." Wenn sie sich große Mühe geben, sei es schön, wenn sie dafür belohnt werden, indem sie gewinnen. "Wir müssen als Erwachsene unseren Kindern nicht beweisen, dass wir die Stärkeren sind. Das spüren sie in vielen Punkten sowieso", so Elisabeth Raffauf weiter.

Gefühle zu regulieren will gelernt sein – auch beim Verlieren

Beim Verlieren komme es auch oder gerade bei Kindern oft vor, dass sie frustriert, ärgerlich oder enttäuscht sind. "Wütend werde ich erst, wenn all das nicht verstanden ist und ausreichend versorgt wird", so Ralph Schliewenz. Als Ausdruck mangelnder Emotionsregulation ist das Wütendwerden bei Kinder also eine normale Reaktion, da sie die Abläufe noch nicht genau verstehen. Da Wut aber körperlich ausagiert werden muss, um sich nicht im Menschen zu stauen, gilt es eben zu lernen, Gefühle angemessen zu regulieren. "Bei manchen Kindern hat sich der Ablauf schon so sehr verselbstständigt, dass es sehr schwierig ist, rechtzeitig Stopp zu sagen", weiß der Experte aus Erfahrung. Dann kommt es zu regelrechten Wutausbrüchen.

Das Verlieren lernen

Glücklicherweise halten diese Wutausbrüche oder auch die Frustration bei Kindern meist nicht lange an und es gelingt ihnen, schnell wieder zur Normalität zurückzufinden. Bleibt das Kind allerdings in seinem negativen Empfinden gefangen, brauche es Hilfe. "Dahinter kann ein Entwicklungsrückstand oder auch eine Überforderung stecken. Vielleicht wurde es aber auch unfair behandelt", erklärt Ralph Schliewenz.

Für Kinder ist es wichtig, auch das Verlieren und einen angemessenen Umgang damit zu lernen. Denn: "Wer in seinem Leben noch nie gescheitert ist, kann sich vermutlich gar nicht weiterentwickeln oder hat vielleicht auch keine Ahnung, was Glück bedeutet", stellt der Kinderpsychologe fest. Schließlich lerne man aus Fehlern (die möglicherweise zum Verlieren geführt haben). Und: "Glücklich sein heißt, ein Problem gelöst zu haben!"

Wie Eltern ihr Kind unterstützen, das Verlieren zu akzeptieren

Das Kind auf jeden Fall auch mal verlieren lassen (aber eben nicht immer, siehe oben)! Sonst kann es das ja nicht lernen. Und ihm dann ermutigend und unterstützend beiseitestehen, es trösten und ihm Hoffnung geben: Beim nächsten Mal klappt es vielleicht besser.

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