Tipps vom "Mamsterrad"

"Ich bin noch gar nicht müde!" – Darum will euer Kind nicht ins Bett

Sätze wie "Ich bin noch gar nicht müde" oder "Ich will noch nicht schlafen!" kennen wohl alle Eltern. Warum sich die lieben Kleinen oft so gegen ihr Bett sträuben, können sie dabei kaum verstehen. Die Autorinnen von "Mamsterrad" helfen euch deshalb bei einem Perspektivwechsel und geben Tipps, wie ihr auf derartige Aussagen gut reagiert.

Bis Kinder so friedlich schlummern, vergehen bisweilen mehrere Stunden ...
© Foto: Getty Images/Matt Carr
Bis Kinder so friedlich schlummern, vergehen bisweilen mehrere Stunden ...

"Jetzt aber ab ins Bett!", hörst du dich sagen, "Geh schon mal vor und such dir ein Buch aus." Noch die Wasserflasche füllen und schnell hinterher ins Kinderzimmer, bevor dein Kind noch mal den Turbo einlegt. Es empfängt dich mit drei Pixi-Büchern in den Händchen. Eigentlich wolltest du nur eines vorlesen, es ist schließlich schon spät, und du möchtest noch ein bisschen auf der Couch sitzen und deine Lieblingsserie schauen. Vielleicht musst du auch noch ein Formular für die Kita ausfüllen, oder die Steuer ist fällig. So oder so sehnst du dich nach deinem "Feierabend". Ihr einigt euch auf zwei Bücher, dann heißt es hinlegen und Licht aus. Aber dein Kind hat andere Pläne. Nach den beiden Büchern geht natürlich die Diskussion um die dritte Geschichte los. Dann ist das liebste Kuscheltier verschwunden, als es endlich am Einnicken ist, steckt dein Kind sich versehentlich den Finger ins Auge und zack, ist es wieder hellwach: "Ich bin noch gar nicht müde! Ich schlafe nie, Mama!" Also noch mal von vorn …

Jeden Abend das gleiche Zu-Bett-geh-Drama ...

Vielleicht schläft dein Kind aber auch allein ein. Also gibst du ihm nach der letzten Geschichte einen Kuss und verlässt wie üblich das Zimmer. Du bist noch nicht mal an der Couch angekommen, da steht dein Kleines schon wieder hinter dir, weil es Durst hat. Also Flasche holen, Kindchen wieder ins Bett bringen, unter dem Bett ein paar Monster verjagen, Gute-Nacht-Kuss, "Träum süß, mein Schatz".

Du atmest tief aus und gehst in die Küche, zum Abendessen bist du nämlich noch gar nicht gekommen. Ihr wart spät zu Hause, und alles musste schnell gehen, um den Zu-Bett-geh-Moment nicht zu verpassen, also hast du nur das "Kinderabendbrot" vorbereitet. Du überlegst gerade, was du essen könntest – da hörst du es hinter dir tapsen … "Ich kann nicht einschlafen, Mama!" Orrrr, das darf doch alles nicht wahr sein!

Druck abbauen, Nähe und Wärme sicherstellen

Der Tag war wirklich pickepackevoll für dein Kleines! Den ganzen Vormittag über hat es geregnet, und die Kinder konnten in der Kita nicht raus – war das eine Lautstärke im Gruppenraum! Als es dann am Nachmittag endlich vor die Tür ging, kamst du auch schon zum Abholen, und dein Kind musste sein Spiel unterbrechen. Danach wart ihr zwar nur noch schnell beim Bäcker, aber auch solche Wege sind für dein Kind voller neuer Eindrücke, die es aufsaugt wie ein Schwamm. Vielleicht wart ihr recht spät zu Hause, und der Zu-Bett-geh-Prozess musste heute etwas schneller gehen. Hinzukommen die vielen kleinen Kooperationen, die dein Kind über den ganzen Tag mit anderen Kita-Kindern, seinen Betreuungspersonen und auch mit dir eingehen musste. Aber obwohl dein Kind eigentlich hundemüde ist und sein kleiner Körper nach nichts mehr verlangt als sich auszuruhen, kann es einfach nicht zur Ruhe kommen.

Auch wenn es das vielleicht noch nicht in Worte fassen kann: Manchmal will (oder kann) dein Kleines zum Abend hin schlichtweg nicht mehr "mitmachen". Dann kann es bei deinem zügigen Tempo nicht mithalten, und der Druck, den du dabei – bestimmt noch nicht einmal bewusst – ausübst, ist ihm einfach zu viel. Indem dein Kind nun, wenn es endlich im Bett liegt, plötzlich wieder aufspringt und umherläuft, versucht es, noch einmal "Dampf abzulassen" – aufgestaute Energie des Tages muss erst noch freigegeben, Erlebtes einmal mehr mitgeteilt werden. Hinzukommt, dass bei Kindern besonders am Abend ein ganz besonderes Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit aufkommt. Sie müssen sich einfach wieder und wieder vergewissern, dass ihre vertrauteste Person, ihr Ein und Alles, bei ihnen oder mindestens in greifbarer Nähe ist. Nur können sie dieses Bedürfnis noch nicht in Worte fassen. Was bei dir ankommt, ist darum, dass dein Kind offenbar gerade einfach alles tut, um bloß nicht schlafen gehen zu müssen.

Auch Eltern haben Bedürfnisse

Auch für dich ist der Zu-Bett-geh-Prozess mit deinem Kind nach einem langen Tag anstrengend. Selbst, wenn ihr nach der Kita zusammen nur auf dem Spielplatz um die Ecke wart – vorher bist du vielleicht noch deinem Beruf nachgegangen, und woran du wieder alles denken musstest... 

Besonders die ersten Jahre mit Kindern sind – so schön und wunderbar sie auch sind! – oftmals wirklich herausfordernd, auf körperlicher, aber auch auf geistiger Ebene. Wenn du dich dann abends nur noch nach Ruhe sehnst und dein Kind dich aber einfach nicht loslassen kann, knallen natürlicherweise die Bedürfnisse aufeinander. Das schlägt sich auf deine Stimmung nieder: Du bist ungeduldig, gereizt, ertappst dich dabei, dass du nur noch motzt und – ganz ehrlich – eigentlich kannst du dich selbst schon nicht mehr hören. Einmal mehr denkst du, dass du dir das alles ganz anders vorgestellt hast, du bist nicht die Mama, die du gern sein willst. Aber was zu viel ist, ist auch für dich einfach zu viel. Zeit für dich? Gab es lange nicht mehr. Du kannst dich schon fast nicht mehr erinnern, wann du das letzte Mal etwas nur für dich getan hast – nicht einmal deinen Gedanken kannst du in Ruhe nachhängen, geschweige denn, sie mal zu Ende denken.

Alltag an das Kind anpassen

Die Entwicklung deines Kindes findet in Phasen statt, die mal mehr und mal weniger anstrengend sind – für euch beide. Wenn du dein Kind beobachtest, wirst du seine Signale schnell erkennen. Schenke ihm die Zeit, die es braucht, meistens sind es nur ein paar Tage, bevor sich eure Abläufe wieder reibungsloser umsetzen lassen. Wenn du also merkst, dass dein Kind plötzlich wieder mehr Nähe braucht oder schwerer zur Ruhe kommt als sonst, entspanne eure Nachmittage. Es ist okay, das lange vereinbarte Date mit der Kindergartenfreundin kurzfristig zu verschieben und ein paar Nachmittage nach der Kita einfach in Ruhe zu Hause zu verbringen, ohne Spielbesuch einzuladen.

Kurzum: Versuche euren Alltag eine Zeit lang an das Tempo deines Kindes anzupassen, nicht andersherum. In wilden Zeiten kannst du euch mehr Zeit für die Abendroutine einräumen, indem du einfach deutlich früher damit beginnst. Es spricht beispielsweise gar nichts dagegen, schon um halb fünf in die Badewanne zu hüpfen und in den Schlafi zu schlüpfen. So habt ihr den Teil des Abends, der noch einmal viel Kooperation erfordert, schon hinter euch gebracht, wenn die Stimmung noch einigermaßen friedlich ist, und müsst später nur noch zu Abend essen und Zähne putzen. Achte auch darauf, dann keine lauten Gespräche oder hektischen Telefonate mehr zu führen und versuche alle Bildschirme ausgeschaltet zu lassen.

Einfach mal Punkte auf der Tagesplanung streichen

Achte nicht nur gut auf dein Kind, sondern auch besser auf dich. Unser Alltag ist oft viel zu voll, Zeit für uns selbst ist nicht nur tatsächlich selten vorhanden, wir nehmen sie uns auch nicht. So bleibt die dringend benötigte Erholung auf der Strecke, und unsere Akkus laden nicht auf. Sowohl für die Zeit mit als auch ohne dein Kind gilt: Versuche, etwas Druck aus dem Alltag rauszunehmen – er tut weder dir noch deinem Kind gut. Statt an Geplantem festzuhalten, fällt dir vielleicht auch ein Plan B ein. Selbst, wenn ihr mal zu spät dran seid: Es hilft nicht, sich darüber zu ärgern. Nimm es auch mal, wie es eben kommt. Und hab Nachsicht mit dir selbst, du bist auch nur ein Mensch. Und mit Sicherheit ein ziemlich toller. Auch wenn es dir anfangs schwerfällt, lass dich wirklich darauf ein, Punkte in eurer Tagesplanung, gerade am Abend, bewusst ruhiger anzugehen. Es wird nicht nur deinem Kind guttun, sondern auch dir selbst.

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