Erste Hilfe

Autsch! Wie ihr Schürfwunden und Co. richtig versorgt

Kleine Abenteurer stecken schon mal schmerzhafte Blessuren ein. Ob Schürfwunde, Prellung oder Sturz: Eltern sollten wissen, was zu tun ist!

Beim Toben und Spielen stecken Kinder schon mal fiese Blessuren ein ...
© Foto: Getty Images/Westend61
Beim Toben und Spielen stecken Kinder schon mal fiese Blessuren ein ...

"Essen ist fertig", ruft Bens Mutter aus dem Küchenfenster. Der Sechsjährige hat Hunger und hüpft eilig von der Schaukel. Autsch – das tut weh! Bei der Landung ist er ausgerutscht und umgeknickt. Jetzt pocht und sticht es im linken Knöchel. Zum Glück schwillt der Fuß nicht an. Nach einer Auszeit mit kalten Umschlägen und einer Kugel Trost-Eis zum Nachtisch hat Ben seinen Ausrutscher überstanden.

Stumpfe Verletzungen – harmlos, aber schmerzhaft

Kleine Unfälle sind bei Kindern an der Tagesordnung – aber nicht immer verlaufen sie so glimpflich wie bei Ben. Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen, also "stumpfe" Verletzungen, wie Mediziner sie nennen, sind zwar nicht dramatisch, aber ziemlich schmerzhaft.

Wenn beim Toben im Wohnzimmer das Tischbein im Weg ist und ein kleiner Rabauke sich eine Prellung holt, gibt’s bittere Tränen. Vor allem an Körperstellen, die schlecht gepolstert sind, wie zum Beispiel am Schienbein, kann das höllisch wehtun. Unter der Haut werden kleine Blutgefäße gequetscht, ein rot-bläulicher Bluterguss bildet sich. Außerdem sammelt sich Gewebswasser an und die Stelle wird dick. 

Auch das kann schnell mal passieren: Ein unachtsamer Tritt, und der Fuß knickt um oder das Handgelenk wird gestaucht. Bei einer Verstauchung oder Zerrung werden Gelenkbänder überdehnt. Das Gelenk schwillt an, oft verbunden mit einem Bluterguss. Das Kind kann zwar noch auftreten oder das Gelenk bewegen, aber es tut weh.

Erste Hilfe nach kleinen Missgeschicken

Brüllt nach einem solchen Unfall ein kleiner Unglücksrabe vor Schmerz, heißt es erst einmal: Ruhe bewahren, beengende Kleidungsstücke und Schuhe ausziehen und die Stelle möglichst schnell kühlen. Umschläge mit kaltem Wasser, Kühlkompressen, Eiswürfel oder eine Packung Tiefkühlerbsen verschaffen Linderung: Durch den Kälteschock ziehen sich nämlich die Blutgefäße zusammen. Das drosselt die Durchblutung und weniger Blut und Gewebeflüssigkeit fließen ins umliegende Gewebe. So bleiben Beulen und Blutergüsse klein und der Schmerz lässt nach.

Wichtig: Eis- oder Kältekompressen nie direkt auf die Haut legen, sondern in ein Geschirrtuch einwickeln, sonst drohen Erfrierungen. Ein kühlender Druckverband bremst ebenfalls die Schwellung. Dazu eine elastische Binde in kaltes Wasser tauchen und nass um die verletzte Stelle wickeln. Auch wenn es kleinen Zappelphilipps schwerfällt. Jetzt ist Schonung angesagt, denn jede weitere Bewegung fördert die Durchblutung – und damit Schwellung und Bluterguss. Die verletzte Stelle am besten mit einem Kissen hochlagern und ruhig halten.

Wunden richtig desinfizieren

Ihr solltet auf jeden Fall unterscheiden, ob ein Desinfektionsmittel für Oberflächen, für die Haut/Hände oder für Wunden gedacht ist! Informationen darüber sollten eigentlich immer auf der Verpackung stehen. Im Zweifel fragt ihr in der Apotheke nach. Die gängigen Hände- und Hautdesinfektionsmittel, wie sie uns allen seit der Corona-Pandemie bestens bekannt sind, brennen sehr stark auf Wunden und sollten dafür nicht verwendet werden.

Für Wunden sind spezielle Desinfektionsmittel in Form von Salben, Gels oder Sprays erhältlich. Die gängigsten darunter, die wir auch im Krankenhaus verwenden, sind Povidon-Jod, Octenidin oder Polihexanid. Jodhaltige Desinfektionsmittel sollten bei Säuglingen eher nicht verwendet werden. Jod kann vom Körper aufgenommen werden und Schilddrüsenprobleme hervorrufen. Bei Kleinkindern bitte nur sparsam anwenden. Für einen längerfristigen Gebrauch oder größere Flächen sollte man eher auf Mittel der zweiten Gruppe zurückgreifen, aus eben genanntem Grund. Salben oder Gels können gut unter einem Verband angewendet werden, sodass sie zum Beispiel bei Entzündungen länger einwirken können.

Tipp: Einen Verband richtig anlegen

Das braucht ihr:

  • Kompressen (möglichst steril)
  • Mullbinden/elastische Binden
  • Pflaster
  • optional Wundauflagen wie Fettgaze/Salbentüll

Und so geht’s:

1. Bei offenen oder frischen Wunden ist es manchmal gut, direkt auf die (desinfizierte) Wunde eine Auflage, wie zum Beispiel eine Fettgaze/Salbentüll, aufzulegen, die verhindert, dass die Wunde am Verband klebt.

2. Klappt dann die Kompressen auf und legt sie auf die Wunde bzw. um den Arm oder das Bein. Die Wundauflagen möglichst gar nicht oder nur am Rand berühren, damit sie steril bleiben!

3. Umwickelt die Kompressen nun fest mit einer Mullbinde und/oder einer elastischen Binde.

Wann zum Arzt?

Nicht immer kommen die Kleinen mit einem blauen Fleck davon. Schlimmere Verletzungen wie ein Bänderriss, eine Kapselschädigung, eine Knochenhautverletzung oder gar ein Bruch sind möglich. Ist der erste Schreck vorbei, müssen Eltern daher die Verletzung genau in Augenschein nehmen und in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, wenn

  • das Kind auch zehn Minuten nach dem Unfall noch starke Schmerzen verspürt
  • eine geprellte Stelle sehr stark anschwillt oder das Kind den betroffenen Körperteil schont
  • ein Gelenk sehr dick ist und/oder die Schwellung trotz Kühlung nicht zurückgeht
  • ein Gelenk nicht belastbar oder beweglich ist
  • das Kind nach einem Sturz auf den Kopf über Übelkeit oder Schwindel klagt

Der Arzt prüft die Beweglichkeit des Gelenkes und kann es professionell bandagieren. Im Zweifelsfall bringen Röntgen oder Ultraschall Klarheit.

Vorbeugung gehört dazu

Egal, wie sehr Eltern aufpassen, kleine Unfälle können immer passieren. Allerdings sollten Kinder, wenn sie draußen spielen, festes Schuhwerk tragen. Beim Sport ist eine entsprechende Schutzausrüstung notwendig – zum Beispiel ein Helm sowie Knie- und Ellenbogenschoner beim Inlineskaten.

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